Sport in Australien

   
Datum:   2009 - 2010 Strecke:  
Ort:   Australien weitere Strecken:  

Ein Bericht von Jenny    

Sporteln in Australien

Hallo liebe Durchlaeufer!!

Auch wenn man meint, Sydney ist zu weit weg, um noch an Deutschland oder gar Sachsen und Dresden erinnert zu werden – weit gefehlt. Nicht nur dass Marcel ploetzlich in Sydney auftauchte und mir gluecklicherweise eine ganz gute Zeit beim Sydney Half Marathon bescherte (danke Marcel J), nein – zeitgleich erreichte mich eine Nachricht der Durchlaeufer hier in down under, ich moege doch mal ein paar Zeilen zu einem Laufwettkampf oder aehnlichem schreiben!

Diese Bitte versetzte mich dann doch ins Nachdenken und wie ich so dachte und dachte... ;-) ...merkte ich, dass ich meine australische Sporterfahrung garnicht so recht an einem Event oder Wettkampf festmachen kann und will – dass Australien fuer mich vielmehr ein Multisportland, ein Land des immerzu und immerzu anders zu praktizierenden Sports ist und dass ich viel eher mal darueber berichten moechte, wie vielseitig unser aller Hobby und ‘Sucht’ hier sein kann.

Begleitet mich also auf eine kleine Reise unter dem Motto “Sporteln in Australien – oder: Jenny’s sportliche Reisen down under”

Wandern: 100km fuer einen guten Zweck durch die Blue Mountains

Irgendwann im australischen Sommer 2009 – also im Jan/Feb – lernte ich bei der Jobsuche einen naturversessessenen Norweger kennen, der mich einlud, ihn und seine Freunde mit Spenden zu unterstuetzen, da sie einen 100km walk/Lauf durch die Blue Mountains – ein kleines der Saechsischen Schweiz nicht unaehnliches kleines Gebirge – im Rahmen der  Umweltorganisation “Wilderness Society” planten. Nach kurzem Ueberlegen fragte ich, ob ich nicht stattdessen mitmachen koenne – und das tat ich dann auch. So bestanden meine Wochenenden ab dem Entschluss aus vielen Wander- & Joggingtouren rund um Sydney, was nicht nur einen Trainingseffekt hatte, sondern auch einen touristischen Effekt – so lernte ich endlich mal meine direkte Umgebung und die Nationalparks in und ausserhalb der Stadt kennen.

Irgendwann an einem wunderschoenen Wochenende gings dann irgendwann frueh morgens los – wir im 5er-Team – auf 100km durchs Gebirge; zwar nicht laufender- sondern gehenderweise, aber angesichts der Hoehenmeter und eingebauten Treppen etc waere das auch noch ne Spur haerter gewesen, als es ohnehin schon war. Wir waren zwar nicht die Schnellsten, aber nur eines von 3 Teams, welche in der kompletten Teambesetzung ins Ziel kamen – fuer uns ein grosser Beweis, dass wir als Team wirklich toll funktionierten. Wir sind auch heute noch Freunde ;-)

          

Segeln – oder “wie man sich durch Eigengewicht nuetzlich macht”

                     

Nicht erst seid Jessica Watson’s Weltrekord (juengste Weltumseglerin; Endstation war Sydney!) ist eines klar: kuckt man sich Sydney auf einer Karte an faellt einem Eines auf. Hier ist ueberall Wasser. Fluesse, Hafen und Meer, Meer, Meer. Wie gemacht, um Ebensolches auch fuer sportliche Aktivitaeten zu nutzen. So nahm ich u.a. als Crew (“dead weight”) an einem sogenannten ‘social race’ teil, wobei sich meine sportliche Aktivitaet vor allem darauf beschraenkte, bei einer Wende des Bootes (angekuendigt durch lautes Schreien: T-A-C-K-I-N-G!!!!!), blitzschnell und ohne Ruecksicht auf die empfindlichen Laeuferknie von einer Seite des Bootes auf die andere zu kriechen, um dann dort mithilfe meines beeindruckenden Gewichts dafuer zu sorgen, dass das Boot schnell in die andere Richtung faehrt. Vor lauter Action und Knieschmerz bin ich nicht mal seekrank geworden!

Radfahren – oder “Per Tandem auf der Jagd nach dem tasmanischen Teufel”

Man moechte meinen, dass Australien aufgrund seiner schieren Groesse quasi praedestiniert ist, ein tolles Radfahrland zu sein. Weit gefehlt – zumindest wenn man wie ich in Sydney lebt. Dort dominieren enge Strassen, ruecksichtslose (Taxi)Fahrer, viele Busse und einfach ein eeeendloser Strom an Autos – ueberall. Radtraining findet teilweise im Park oder auf dem Seitenstreifen der Autobahn (!!!) statt.

Da ich & Boyfriend beide leidenschaftliche Radfahrer sind und ein MTB-Tandem besitzen, ging es ueber Weihnachten/Silvester 2009/2010 nach Tasmanien, auf die Insel suedlich von Australien, die geheimnisvoller klingt, als sie dann schlussendlich ist. “Tassie” – wie der Australier sagt – beglueckte uns mit menschen- und autoleeren guten Strassen, aber auch Temperaturen von 30-37 Grad. Jawoll, da macht Radfahren und Radflaschen auffuellen so richtig Spass! In 9 Tagen fuhren wir fast komplett um die Insel und waren sehr froh, in einer radfreundlichen Gegend zu sein – wer also plant, irgendwann mal per Rad nach Australien zu fahren sei waermstens empfohlen, Sydney weiiitraeumig zu meiden – oder per oeffentliche Verkehrsmittel in die City zu fahren!

 

 

Biathlon & Triathlon – mal anders!

Mit der in Tasmanien gewonnenen Radform machte ich mich im February 2010 auf, die australischen Mitteldistanzmeisterschaften im Triathlon – Australian Long Course Championships – zu bestreiten. Ich wollte einfach mal wieder einen laengeren Triathlon machen und dieser Wettkampf bot sich an – gelegen im wunder-wunderschoenen Jervis Bay, wo im tuerkisfarbenen Wasser geschwommen wird und bei kuschligwarmen 30 Grad geradelt und gelaufen wird! Dass die gesammelte australische Elite am Start war, hat mich da hinten bei den Agegroupern nicht so ‘gestoert’ – es war dennoch unglaublich zu sehen, WIEVIELE verdammt fitte Triathleten und vor allem TRIATHLETINNEN e shier gibt!

Wenn man hier einen “Wald- & Wiesen-Triathlon” mitzumachen glaubt, steht man gut und gerne in einem Starterfeld von 2000-3000 Leuten, von denen gut 1/3 Frauen sind! Und bei den meisten dieser Frauen kucke ich staunend (und neidisch, jaaa) auf gut ausdefinierte Oberarmmuskulatur – ja, der australische Triathlet nimmt Training und Koerperformung sehr Ernst. Sowohl Trainings als auch Tria-Wettkaempfe beginnen oft so um 6Uhr morgens – in der Woche gern auch mal gegen 5:30Uhr. Ja, das sind dann die Momente, in denen ich mir einen regnerischen mitteleuropaeischen Sommertage und eine Ausrede, im Bett zu bleiben, herbeisehne – aber wenn man denn einmal in der strahlenden australischen Sonne unterwegs ist, ist die Morgenmuedigkeit meist verschwunden.

Noch eine australische Besonderheit, die mir als eher intuitivem Bauchgefuehlstrainierer aufgefallen ist: hier ist immer alles intensive, alles Intervall, alles Wettkampf – sogar im Training! Hier wird selbst bei Hobbytriathleten permanent nach Plan km geschrubbt; es zaehlt weniger die Lockerheit und Spass als vielmehr die Leistung, die in der Gruppe waehrend des Trainings abgeliefert wird. Koppeleinheiten,  Radtechniktrainings, Lauftechnik, Intervalle, Bergauflaeufe, Bergablaeufe – schier alles wird trainiert. Und man koennte jeden Tag 2x trainieren (wenn man nicht dummerweise arbeiten muesste) – das 1. Training geht morgens 5:30Uhr los, das naechste wird um 18Uhr abends angeboten. Wenn man einen ‘9-5-Job’ haette, koennte man das machen (denkt sich die Jenny ab und zu, voller Neid natuerlich!)

Egal – auch mit weniger strukturiertem Training habe ich den Half Ironman (2km swim, 88km bike, 20km run) in fuer mich guten 5:29h absolviert und liebaeugele mit neuen Herausforderungen im naechsten Sommer.

Auch viel Spass machen hier uebrigens die Biathlon-Events. Nein, Magdalena Neuner wurde noch nicht mit geschultertem Gewehr hier gesichtet – Biathlons bestehen hier aus einem Lauf und einem direkt anschliessenden Schwimmen – jeglicher Distanz, ob im offenen Meer oder Pool, alles geht! Nur dass eben keine Scheiben fallen ....

                      

Bild oben: Jenny erleichtert – keine Haie diesmal!

Surf Lifesaving & Ocean Swimming – oder: Was macht man mit dem vielen Wasser hier?

Eins vorweg: mit schnittigen Surferbabe-Pics oder Baywatch-aehnlichen Fotos kann ich nicht dienen – sorry! ;-) Aber: ich als bekennendes Bergzicklein habe den Ozean liebgewonnen! Und alle Aktivitaeten in/mit ihm! Eine sehr angenehme Art, durch den heissen Sommer zu kommen, sind die vielen Ocean Swims, die hier als Event/Wettkampf massig angeboten werden. Dort schwimmen dann schon mal mehrere Tausend Schwimmer von Strand A nach Strand B und nehmen Salzwasser, Wellen, Stroemungen/Rips, zwischen 2.0 und 3.0km und dieses ewig unangenehme Gefuehl “ob da nicht doch ein Hai mal kucken kommt” in Kauf.

Allerdings sei hier wieder betont – WIE krass und unerschrocken die Australier diesbezueglich und auch im Hinblick auf Wassertemperaturen sind – siehe Foto unten ;-)

(wer rausfindet, wer hier einen Neo traegt, gewinnt eine Reise nach down under J)

Da das Meer hier wirklich nicht ungefaehrlich ist und ich als Kontinentaleuropaer zwar gut schwimmen kann, aber keine Ahnung hatte, was Wellen, Stroemungen, Verletzungen, giftige Meerestierchen und Behandlung von Sonnenstichen angeht – entschied ich mich, als Freiwillige einen Kurs als Rettungsschwimmer zu machen – und bin jetzt ein stolzer Surf Life Saver!

In einem 6-woechigen Kurs lernt man alles ueber die oben genannten Themen und muss gleichzeitig beweisen, dass man koerperlich fit ist, um Andere aus dem Wasser auf Rescue Boards zu ziehen und mit denen an Land zu surfen; sich fix im Sand zu bewegen , generell fit zu sein und so weiter. Erwaehnte ich bereits, dass auch hier das Training immer puenktlich um 6 Uhr morgens beginnt?! 

Zu meinen “Pflichten” gehoert es nun, mich im Sommer – also von Oktober bis April – jeweils ein Mal im Monat an meinem Heimatstrand fuer eine sogenannte Patrol zur Verfuegung zu stellen und eben den Strand zu bewachen. Sehr lustig, wenn man dann mit dem rot-gelben Kaeppi auf dem Kopf am Strand umherspaziert, damit total normal zum Bild gehoert und von allen respektiert wird. Lifesaving ist hier eine wichtige Institution – und wenn man von den gelegentlichen Problemen und Unfaellen hoert, die im Zusammenhang mit der Naturgewalt Ozean hier passieren, dann ist das wohl auch ganz gut so.

       

Als abschliessender Kommentar zum Thema Sport in Australien muss ich noch Eines erwaehnen: die unglaublich tollen Sportanlagen hier!  Mir ist es oft nicht mehr so richtig bewusst, aber wenn man dann mal darueber nachdenkt , trifft es einen wieder wie ein Donnerschlag. Alleine im direkten Umkreis meiner Wohnung gibt es zum Beispiel abgesehen vom Ozean mehrere ocean pools – 50m Schwimmbecken, die bei Flut mit Meerwasser gefuellt werden, oft kostenlos oder sehr guenstig sind und fast immer recht atemberaubende Blicke und Szenerien bieten.

Hier ein Foto meines Lieblingspools am Bondi Beach – das Bondi Icebergs. Der Name ist vor allem jetzt im Winter Programm! ;-)

Voila liebe Durchlaeufer – ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, was es heisst, in Sydney zu leben und sich hier sportlich zu betaetigen. Ich hoffe weiterhin, dass ihr mir nicht uebelnehmt, dass es kein direkter Wettkampfreport geworden ist – das Laufen zaehlt hier quasi ein wenig zu den Alltagssportarten (macht man haeufig, spricht aber nicht drueber) und ich dachte mir, ich erzaehle euch lieber von den Dingen, die hier ein wenig anders sind – und die mir irgendwann in Deutschland sicher fehlen werden. Dass ich aber irgendwann zurueckkomme, ist trotzdem klar – nur wann steht am tiefen Grund des Ozeans geschrieben ;-)

Falls jemand Lust bekommen hat, sich Australien selbst anzuschauen – mein Gaestezimmer freut sich immer ueber Besuch! Ansonsten werde ich sicher bei meinem naechsten Dtl-Besuch ueber die Weihnachtszeit mal im Grossen Garten vorbeischauen!

In diesem Sine – Sport frei und ganz herzliche Gruesse an alle!

Eure Jenny


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