Unser Erster aber nicht der Letzte!
Nach Monatenlanger Vorbereitung war es endlich so
weit.
Im Herbst vorigen Jahres hatte ich mich bei einem Radler gemeldet, 2010 es doch
auch einmal zu versuchen. Einige aus der Laufgruppe erzählten begeistert vom Moritzburger
Schlosstriathlon, die skeptischen Worte wie "wenn nur das Schwimmen nicht
wäre" oder "dreckiges Wasser" gingen da mehr oder weniger unter.
Da ich ja eh ein Rennrad kaufen wollte und Schwimmen ja gesund sein soll, sagte
ich zu. Als der Renner dann in unserer Stube stand, gewann auch Andrea Gefallen
an der Idee und wir besorgten auch ihr ein Rad. Im folgenden Winter standen die
Räder leider sehr lange unbenutzt im Keller. Wir nutzten die Zeit um unsere
vermeidlich schwächste Disziplin zu üben, das Schwimmen. Während der ersten
Einheiten hing ich total kaputt nach 25m am Beckenrand und verfluchte die
Zusage. Dank des unermüdlichen Trainingsfleißes von Andrea und Petra wurden im
Laufe der Wochen unsere Schwimmleistungen langsam aber stetig besser. Dazu noch
ein bisschen Krafttraining im Fitnessstudio, dafür kam das Laufen doch recht
kurz. Als der Schnee endlich geschmolzen war, einige Radrunden, um erstmal ein
Gefühl für das leichte Gefährt und die schwergängigen Klickis zu kriegen. Dazu
ein Vorbereitungsduathlon im Spreewald um diesen Wechsel schon mal
durchzuspielen und fertig war die Vorbereitung.
Am Wettkampfwochenende hatten wir dann "die Bude voll". Alice kam am
Freitag aus Malta zurück, aus Würzburg besuchten uns Daniela und Tom mit ihrem
Baby und aus Erfurt reisten Conny und Thomas, sowie Anouk, Leonie,
Tillmann und Lou an.
Am Sonnabend waren wir schon mal schauen, was uns so erwartet. Wir feuerten
befreundete Sportler an, inspizierten Wechselzone, Schwimmstrecke und die
Verkaufsstände. Am Stand vom Laufsportladen orderte ich für den Sonntag einen
Neo, damit fühlte ich mich schon in der Lage die 750m durchzukraulen.
Sonntag gegen 12 Uhr fuhren wir wieder alle nach Moritzburg. Nach dem abholen
der Startunterlagen die wichtigste Frage für mich; wie warm ist das Wasser.
Kurz vor 13 Uhr waren die Würfel dann gefallen und was ich befürchtet hatte
wurde Gewissheit. Die letzten warmen Tage hatten den Schlossteich so erwärmt,
dass es für die Sprint- und Volkstriathleten ein Neoverbot gab. Na toll, das
geht ja gut los.
Nachdem die Sportler der olympischen Distanz ihren Wettkampf beendet und die
Wechselzone verlassen hatten, checkten wir ein. Rad abstellen, alles so
vorbereiten, dass es im Wettkampf schnell geht. Neuland für uns, viel
komplizierter als beim Laufen. Beim Fußmarsch zum Schwimmstart stieg die
Spannung dann fühlbar. Pünktlich 15 Uhr erst die Sprinter, 3 Minuten später die
jüngeren Triathleten und 15 Uhr 5min steige ich ins Wasser. Mann ist das kalt,
und nass und überhaupt...
15:06 Uhr geht es endlich los. Andrea und ich haben uns weit hinten eingeordnet
und beginnen doch mit Brustschwimmen. Das ziehe ich auch bis zum Ende durch,
erstens habe ich Angst mit kraulen nicht durchzuhalten, zweitens ist mir das
Gedränge im Wasser auch hinten noch viel zu groß um "in Ruhe " zu
kraulen. An der ersten Boje dann großes Gedränge (hinter mir droht ein
Schwimmer dem nächsten Prügel an?!), da habe ich mich kurz gefühlt wie beim
Marathon bei km 38 (was machst du hier und warum?). Na egal, weiter schwimmen, wenig
Körperkontakt mit Mitschwimmern, sowie den möglichst direktesten Weg zur
nächsten Boje. Nach 450m schwimmt Andrea an mir vorbei, da merkt man deutlich,
dass sie mehr Schwimmen trainiert hat, während ich eher Rad gefahren bin.
Übrigens habe ich weder einen Karpfen gesehen - noch gefühlt, das Wasser war
zwar trübe aber nicht eklig. Ich empfand das schwimmen in dieser Beziehung
nicht so schlimm wie einige im Vorfeld prophezeiten. Sicher, es klebte bisschen
Schmutz an den Sachen, aber wenn es während eines Crosslaufes regnet, sieht
man 10mal dreckiger aus und keiner beschwert sich.
Doch zurück zum Wettkampf, raus aus dem Wasser, ging zum Schluss besser als
gedacht (bei 17min30sec laufe ich unter dem Bogen durch), ab jetzt wird alles
besser. Beim Umziehen aufs Rad habe ich ja schon mal die
"Neoausziehzeit" gespart, beim rauslaufen aus der Wechselzone der
erste Zwischenfall. Der vor mir laufende Sportler hält mitten im Lauf an der
engsten Stelle an um sein Trikot nach unten zu ziehen. Ich habe keinen Platz
zum Ausweichen und muss abrupt abstoppen. Dabei schlägt das Pedal hart an der
Schienbeinkante ein, dumm gelaufen. Aufsteigen, losrollen, ewig kriege ich auf
dem Holperpflaster nicht das rechte Pedal eingeklickt. Wieder ein Platz für
Verbesserungen. Dann rollt es sehr gut, nicht umsonst hatten wir uns die
Strecke vorher angesehen. Ich kann viele Sportler überholen und habe nach 5km
die nächste "Schrecksekunde". Ausgerechnet in der S-Kurve von ....
(dort wo das Paris-Roubaix-Pflaster liegt) habe ich eine 5er Gruppe vor mir,
welche deutlich langsamer ist. Also nicht bremsen sondern Druck aufs Pedal und
mit Schwung links vorbei. Blöd war bloß, dass mir im gleichen Augenblick mit
Dauerhupton das Führungsfahrzeug kurz vor dem ersten Sprinter mit geschätzten
40km/h entgegenkam. Puh, das war wirklich knapp. Der Rest der Radstrecke ging
ziemlich schnell vorüber. Irgendwann fuhr ich an Andrea, die
sichtlich Spaß hatte, vorbei und hielt nach Thomas Ausschau. Zurück in
Moritzburg ausklicken, in die Kameras der Freunde winken und so schnell wie
möglich zum Wechselplatz. Leider hatte ich da wieder Pech, die beiden Athleten
vor mir nahmen sich doch reichlich Zeit und der Weg neben der Wechselzone lies
kein Überholen zu. Dann der Wechsel, wieder nicht optimal. Trotz vorherigen Anschauens
in die falsche Lücke gerannt - gemerkt - Rad über Abstellstange gehoben
- drunter durch gekrochen - richtige Stelle angesteuert. Man sieht
ich war irgendwie doch auch aufgeregt. Kurz nach dem Rauslaufen aus der
Wechselzone sah ich Thomas vor mir. Ein kurzer Gruß und weiter. Da kam mir auch
schon Andrea auf dem Rad entgegen, sah auch noch super aus und scheinbar machte
es auch allen Spaß. Auf unserer "Heimdisziplin" ließ ich nichts
anbrennen und konnte noch einige schnellere Schwimmer bzw. Radfahrer
einsammeln. Dann der herrliche Zieleinlauf. Am königlichen Jagdschloss vorbei,
bei strahlendem Sonnenhimmel angefeuert von zahlreichen Zuschauern ins Ziel.
Ich hatte mir vorher gesagt, dass eine Zeit unter 1:30h fürs erste Mal gut
wäre. Ohne während des Wettkampfes auf die Uhr zu schauen las ich beim
Einbiegen auf die Zielgerade 1:29 auf der mitlaufenden Uhr. Also doch noch
richtiger Zielsprint und ja es hat geklappt, 1:29:53h . Super! Paar Minuten
später realisierte ich erst, dass da ja noch 6min abzuziehen sind weil wir
später gestartet waren. Ich wusste gar nicht, dass ich so ein guter Triathlet
bin, da kann ich ja diesen Herbst am Biertisch fast mit Stefan wetten ;-)
Nicht weit nach mir kam Thomas und nicht viel später auch Andrea
freudestrahlend ins Ziel. Begleitet wurde sie vom LandMAXX, dem Hauptsponsor
des Volkstriathlons. Für unsere super Leistung wurden wir von den beiden
"richtigen" Triathleten (Ironman Südafrika 2009), Tom und Daniela
noch im Zielbereich mit Blumen und Sekt geadelt. Bei Kuchen und Melone wurden
gleich die ersten Erlebnisse ausgetauscht, alle waren zufrieden, dann holten
wir unsere Ausrüstung. Dazwischen immer wieder Glückwünsche von Kollegen,
Freunden, Sportskameraden und der Familie. Während die Erfurter gleich die
Heimreise antraten, konnten wir mit Tom und Daniela noch den Abend verbringen.
Den beiden hat es so gut gefallen, dass sie sich gut vorstellen können,
nächstes Jahr selbst an den Start zu gehen. Tillmann hat sich 1 Woche später ein Rennrad besorgt und wird seinem Vater und mir wohl nächstes Jahr im Ziel schon geduscht entgegen kommen.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass es uns beiden großen Spaß gemacht hat und
wir sicherlich in den nächsten Monaten noch den einen oder anderen Jedermann
mitmachen. Wie gesagt, Andrea hat schon einiges rausgesucht, jetzt muss nur
noch die Arbeit , der Urlaub und die Zeit überhaupt so geplant werden, dass es
passt. Und laufen wollen wir eigentlich auch mal wieder so richtig, deshalb
haben wir uns erstmal für den Drei-Zinnen-Marathon angemeldet!
Es melden sich ab zum Bergtraining - Tilo und Andrea
Danke noch mal an alle Fans und unseren Trainer Reiner, welcher uns wertvolle Tipps und vor allem moralische Unterstützung gab.
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