Drei Zinnen Alpine Lauf
17,5 km
- 1.350 Höhenmeter
Wir reisten bereits Freitag in Sexten an und hatten eine
Unterkunft mit bester Lage gebucht – direkt am Start des Laufes. Das Wetter war
super, die Wetteraussichten ebenso und wir waren bester Stimmung. Am Samstag holten wir gemütlich unsere Startunterlagen und
schauten begeistert dem Zieleinlauf der letzten Etappe des Goretex Transalpine
Run zu. Gänsehaut pur! Mein Wunsch an diesem Rennen einmal teilnehmen zu
können flammte erneut auf. Je länger ich in die begeisterten Finishergesichter
schaute, desto überzeugte wurde ich, dies auch bewältigen zu können. Auf dem Messegelände trafen wir Bernd am Salomon-Stand. Ihm
blieb meine Nervosität nicht verborgen. Ich erhoffte mir den ultimativen Tipp
für den bevorstehenden Lauf – war natürlich Quatsch, wusste ich selbst, ne
Superpille hilft jetzt auch nichts mehr. Aber so ein lockerer Spruch: „Du
schaffst das, da mach ich mir keine Sorgen.“, tat zumindest der Seele gut. J
Sonntag, 12. September 2010, 7:20 Uhr. Wir stiegen gemütlich
aus dem Bett und frühstückten in aller Ruhe. Ein Blick an den Himmel –
Kaiserwetter war zu erwarten.
8:30 Uhr schlenderten wir zur Kleiderabgabe und wieder
zurück in die Ferienwohnung. Vom Balkon aus beobachteten wir das wirre Treiben
auf dem Parkplatz des Startgeländes.
9:25 Uhr, wir trabten los. Kleine Runde zur Erwärmung der
Muskulatur und schon standen wir im Startbereich.
Pünktlich 10 Uhr fiel der Startschuss. Zunächst eine kleine
Runde durch den Ort. Ich traf auf Sandra Bunk und Tilo Klama vom Lauftreff Linde
79. Zwei aus Dresden und in diesem Starterfeld von knapp 1.000 Teilnehmern
treffe ich sie. Ich war hoch erfreut und wünschte beiden viel Spaß. Worauf mir Tilo
erklärte, dass das der so ziemlich dämlichste Spruch für diesen Lauf ist. Wo
soll denn da der Spaß herkommen? Naja, er hatte ja recht. Die Strapazen werden
nicht spaßig, aber ich hoffte auf schöne Landschaftsausblicke, worüber ich mich
auf jeden Fall freuen wollte.
Ich ärgerte mich, dass ich nicht 'ne passendere Formulierung
zur Motivation auf das was uns allen bevorstand gewählt hatte, doch jetzt war
es zu spät.
Dann ging es weiter auf Schotter- und Wanderwegen. Die
ersten knapp 8 km relativ flaches Gelände, bevor es schließlich steil bergan in
felsigem Gelände ging. Ich dachte an die Bergtrainingseinheiten mit Steffen und
Ralf. Das war eine super Vorbereitung für diese Tortur. (Danke euch beiden!)
Ich keuchte und in meinen Ohren rauschte es unangenehm.
Irgendwie klappte es mit dem Druckausgleich nicht. Das hatte ich vorher noch
nie. Egal was ich veranstaltete, es wollte nicht besser werden – ich wurde
nervös und nahm erstmal bissel Tempo raus.
Dann hörte ich eine mir bekannte Stimme leise vor sich
hinfluchen: „So 'ne Scheiße!“ Genau, dachte ich, treffender hätte ich es nicht
formulieren können. Kurzer Blick zur Seite, aha, Tilo Klama war auf der
„Überholspur“. Er war zügig unterwegs. Konnte also so schlimm doch gar nicht
für ihn sein. Oder wollte er es einfach nur schnell hinter sich bringen? Naja,
einige beschwerliche km lagen noch vor uns.
Bei km 12 endlich wieder eine Verpflegungsstelle. Ich nahm
mir Zeit in Ruhe zu essen und zu trinken und vor allem um mich von diesem
Ohrensausen zu befreien, sowie die herrliche Landschaft zu genießen. (Später,
beim Auslesen der Zeit, stellte sich heraus, dass ich hier 5 min verbraucht
hatte. L)
Zwischen den nicht enden wollenden steilen Passagen gab es
hin und wieder mal kurze Strecken (so zwischen 30 und 60 m lang), die sich für
einen zügigen Laufschritt eigneten. Ich genoss jeden einzelnen Meter davon in
vollen Zügen!
Trotz des beschwerlichen Anstiegs, war ich doch immer wieder
fasziniert von dem herrlichen, ständig wechselnden Bergpanorama. Wirklich
Schade, dass ich keinen Fotoapparat dabei hatte.
Nach km 13 ließ kurz die Konzentration nach und ich
stolperte über das Felsgestein. Schließlich rutschte ich von einem Stein ab. Es
blieb beim Schreck, denn ich konnte mich mit den Händen abfangen. Ich ermahnte
mich zu mehr Konzentration! Verärgert und in einem kleinen Mentaltief befindend,
wählte ich erstmal entschlossen mein Vorhaben „Teilnahme am TransAlpineRun“ ab.
Nö! Nichts für mich Flachlandnase! Nur was für Läufer die diese endlosen
Felsanstiege lieben. Dazu gehöre ich nicht – das war mir jetzt klar.
Endlich km 14 – letzte Verpflegungsstelle. Nun sollte es
nicht mehr weit sein, bis der von mir ersehnte Abstieg kommt. Noch einmal kurz
die Wasserspeicher aufgetankt und los ging’s. Juchhu, ich konnte schon das
Transparent mit der Aufschrift Bergetappe lesen. Der Weg war angenehm und
lauftechnisch machbar, so rannte ich wild entschlossen los und freute mich
darauf, dass es bald bergab ging.
Schon hatte ich den höchsten Punkt (2.528 m) erreicht. Ja,
und jetzt ging es berg ab.
Die Freude war nur von kurzer Dauer! Es ging nicht
schlechthin bergab, sondern es ging steil bergab. Innerhalb von 1 km verloren
wir ca. 150 Höhenmeter. Achtsam war ich bemüht, die Kontrolle über Körper und
Füße nicht zu verlieren. Hin und wieder rutschte ich ein Stück. Es verlangte
mir die volle Konzentration und Körperspannung ab. Nur jetzt nicht – so kurz
vorm Ziel – stürzen.
Dann endlich, es folgte eine passable Laufstrecke für einen
knappen km. Das Ziel kam in Sicht. Innerlich jubilierte ich kurz, gleich ist es
geschafft. Doch dann nahm ich den erneut zu bewältigenden Anstieg war. Nicht
wirklich schlimm, aber ich wollte einfach nicht mehr bergauf. Nun hieß es kurz
die Gedanken neu ordnen und den letzten km einfach „abschrubben“.
Endlich – ich sah Tilo. Na bitte, und da ging sogar bergauf
rennen noch.
Im Ziel fielen wir uns glücklich in die Arme – Es war
geschafft.
Tilo hatte schon die Kleidersäcke besorgt. Wie wir
feststellten, hatten wir viel zu viel eingepackt. Es war herrlicher
Sonnenschein und überhaupt nicht kalt. Wir bedienten uns am leckeren Buffet und
genossen die phantastische Aussicht.
Jetzt folgte Teil 2 dieses Laufevents. Der Abstieg!
Zu Fuß ging es wieder 900 Höhenmeter bergab. Wieder
felsiges Gelände. Wieder konzentriert den Fuß an die richtige Stelle setzen.
Tilo war in seinem Element. Er schwärmte davon, wie er vor zwei Jahren diese
Strecke mit Bernd beim TransAlpineRun runtergerauscht ist. Na Hilfe! Ich war
voll konzentriert und bemüht an ihm dran zu bleiben. Auch wenn der Weg für
meinen Geschmack lauftechnisch sehr anspruchsvoll war, wollte ich ihn doch möglichst
schnell hinter mich bringen.
Nach einer reichlichen Stunde bergab, erreichten wir endlich
eine Hütte und waren der Meinung es geschafft zu haben. Tilo ließ sich auf der
Wiese nieder und relaxte. Ich schaute mich um und mich beschlich das Gefühl, dass
dies nicht die Hütte war, wo uns der Shuttleservice abholen sollte. Leider
hatten wir uns beide den exakten Hüttennamen nicht gemerkt. Misst!
Nun hieß es italienisch zu verstehen, ohne die italienische
Sprache zu beherrschen. Ich verfolgte also aufmerksam die italienischen
Gespräche und kam zu dem Schluss, dass wir noch weiter laufen mussten, bis zu
nächsten Hütte. Die Ausschilderung zeigte 20 min an. Tilo hatte keinen Bock
mehr auf weitere Schritte und fragte mich eindringlich ob ich das auch richtig
verstanden hätte – immerhin könne ich doch kein italienisch. Meine Intuition
sagte mir, dass wir weiter mussten, also bestand ich darauf.
Zerknirscht schrubbten wir die letzten km weg, bis endlich
das Schild Shuttleservice in Sicht kam.
Es war 15 Uhr und ich freute mich auf einen Cappuccino.
Der Shuttlebus brachte uns direkt bis zur Pastaparty, wo
auch die Siegerehrungen stattfanden.
Am nächsten Morgen fühlten wir beide uns bereits wieder
topfit und hätten sicher einen weiteren Wettkampf bestreiten können. Erstaunlich!
Tilo grinste mich an: „Naaaa? Nicht vielleicht doch beim
TransAlpineRun teilnehmen???“
Ich blieb ihm die Antwort schuldig. Ich lächelte nur.
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