Wer ist schneller?
Marcel erzählte beim Training von einem Event der besonderen
Art; Läufer gegen Boot, Start am blauen Wunder - Ziel am Bootssteg
der RC Dresden in Briesnitz. Für den Läufer sind das etwa 10km,
für die Boote etwa 12km. Wer schlägt als erster am Bierkasten an,
welcher auf dem Bootssteg steht? Nachdem es für Marcel diese
Saison richtig gut läuft, rechnete er sich eine Chance aus es zu
schaffen. In den vergangenen Jahren lieferten die schnellsten Boote
(logischerweise immer die Achter) so in etwa hohe 37er Zeiten ab.
Wenns gut läuft, kriegt er das hin, da es laut Google-Maps nicht
ganz 10km sind. Entscheidend sind natürlich weitere Faktoren wie
etwa Gegenwind, Wasserstand der Elbe (je höher der Pegel, desto
stärker die Strömung) und so weiter. Zur Unterstützung von Marcel
verabredeten sich also einige Durchläufer am Mittwoch halb sieben
unter dem blauen Wunder. Unser Auftrag: Marcel ein möglicht gleichmäßiges
Tempo vorgeben, auf dem vielbefahrenen Elbradweg wenn nötig den
Weg freihalten und vor allem im letzten Streckenabschnitt (wenn
die Kräfte nachlassen) nach vorn peitschen. Die Elbe hate annähernd
Normalpegel, es bließ am Anfang ein kräftiger Gegenwind und Marcel
war hochmotiviert, pünktlich 19 Uhr war Start. Es hatten sich etwa
10 Läufer eingefunden, welche den Kampf aufnehmen wollten. Der Vorjahressieger
setzte sich sofort an die Spitze und lief einen Schnitt, welcher
für Marcel ein bischen zu schnell war. Wir bremsten ihn also ein
wenig ein und konzentrierten uns zuerst einmal darauf, ein möglichst
gleichmäßiges Tempo zu finden. Gar nicht so einfach auf dem Rad
konstant 16,5kmh zu fahren, mal war der Läufer 5m hinter uns, mal
fast neben uns. Mit der Zeit kriegten wir das gut hin und sahen,
wie sich der Achter langsam aber sicher immer weiter von uns entfernte.
Da hieß es cool bleiben und sich die Streckenführung ins Gedächtnis
rufen. Außer dem Führenden, welcher seinen Vorsprung ganz langsam
aber stetig vergrößerte, konnte uns niemand folgen und die einzelnen
km waren schnell absolviert. Auch die kritische Passage am Terassenufer
waren kein wirkliches Problem und die Straßenquerungen verliefen
ebenfalls problemlos (wir stellten einfach auf der Straße die Räder
quer und wenn ein Auto gekommen wäre hätte es halt kurz halten
müssen; kam aber grad keiner;-)) Ab dem Landtag (das Boot war
nur noch als kleiner Punkt zu sehen) liefen wir ohne Sichtkontakt.
Aber gerade auf diesem Stück holt der Läufer ja wieder auf, denn
er kann direkt durchs Ostragehege schneiden, wärend die Boote auf
der Elbe eine ziemlich große Kurve holen müssen. Zu diesem Zeitpunkt
werden die Beine natürlich schwer, aber Marcel hatte uns ja mit.
Mit einer gelungenen Mischung aus Lob und "in den Hintern treten"
schaffen wir es, die Geschwindigkeit immer über 16kmh zu halten
und siehe da, nach dem überqueren der Brücke am Hafen war das Boot
hinter uns! Jetzt war es nur noch etwa 1km bis zum Ziel und das
Boot setzte zum Endspurt an. Sie erhöhten deutlich ihre Schlagzahl
und man konnte förmlich zusehen wie sie wieder näher kamen. Aber
unter unseren Anfeuerungsrufen holte auch Marcel das Letzte aus
sich raus und lief streckenweise fast 18kmh. Und nun war er
endlich zu sehen, der Bierkasten auf dem Steg. Nach etwas mehr als
38min schlug Marcel als 2. Läufer am Kasten an und zwar vor dem
Achter, welcher etwa eine halbe min später im Ziel war. Klasseleistung!! Nach
und nach kamen alle anderen Boote und Läufer ins Ziel. Wir gratulierten
Marcel zu seinem guten Lauf, er hatte sein Ziel erreicht (schneller sein
als das Boot); und auch der Sieger wurde fair beglückwünscht. Er
war etwa eine min schneller als Marcel, aber irgendwas ist ja immer.
Der Abend klang gemütlich im Bootshaus aus, die Ruderer hatten gegen
einen kleinen Obulus Getränke und gegrilltes rangeschafft und alle
liesen es sich schmecken. Nebenbei wurde gleich noch über unseren
Stand beim Dresdenmarathon gequatscht (der dafür Verantwortliche
war auch mitgelaufen) und wir erfuhren, dass der Achter doch
sehr prominent besetzt war (mit ehemaligen Weltmeistern und Olympiasiegern).
Marcel ist also quasi schneller als der Weltmeister, na dann
Prost!!
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