Jungfraumarathon

   
Datum:   05. September Strecke:   Marathon
Ort:   von Interlagen auf die kleine Scheidegg weitere Strecken:   Minirun (Kinder), Minimarathon (4,2km für Walker),
Internetadresse:

  http://www.jungfrau-marathon.ch/ws2/de/marathon/

    Meile (1609m für Spitzenathleten), Pararace (für Rollis)

Art des Laufes:   Bergmarathon  

Besonderheiten/ Kommentare:

Anspruch:   sehr hoch  

 

 

Stimmung:   phantastisch
Organisation:   super
Verpflegung:   sehr gut
Startgeld:   hoch
Wetter:   perfekt (Sonne, am Start ca. 6 Grad)

Ein Bericht von Andrea Heschel   

Jungfraumarathon

Bittere Erfahrung - durchzogen von Mitgefühl

Durch jede Menge Termine, keine optimale Vorbereitung. Tilo erholte sich nicht von seiner Sehnenscheidenentzündung und konnte nicht starten.

11 Tage vorher fuhren wir in den Urlaub nach Zermatt und bezwangen das Breithorn (4.160 hoch). Da fiel natürlich Lauftraining gänzlich aus, dafür bunkerte ich jede Menge roter Blutkörperchen ;-)

Naja, mit meinen bisherigen Erfahrungen und einem guten Mentaltraining, sollte der Marathon zu bewältigen sein. Zumindest wollte ich unter 6 h bleiben.

Freitag: wir holten die Startunterlagen - es regnete. Für die Nacht war Schnee angesagt. Ich war besorgt! Tilo verkaufte seine Startnummer - die Sehnenscheidenentzündung war nicht ausgeheilt. Eine harte Entscheidung, wohl aber die gesündeste. Wir waren beide betrübt. So holte er sich ein Gastticket, mit dem die Läufer per Bergbahn begleitet werden können.

Wetterprognose für den nächsten Tag:   Start - stark bewölkt und nass, 9 Grad;     Ziel  - bewölkt jedoch trocken, 4 Grad, mäßiger Westwind.

Samstag; wir stehen am Start. 6 Grad und Sonnenschein. Scheint also ein Schön-Wetter-Lauf zu werden. Rund 4.120 Starter warteten auf den Startschuss. Ich war nervös und traurig, weil Tilo nicht mitlaufen konnte, Ihm ging’s jetzt sicher besonders schlecht.

Es begann mit einem Fehlstart. Hatte ich auch noch nicht erlebt. Zum Glück stand ich weit hinten im Starterfeld, so beeinflusste mich das nicht - sondern amüsierte mich lediglich. Dann endlich. Die Läufer setzten sich in Bewegung. Zunächst liefen wir 3 km durch Interlaken, dann weiter in Richtung Wilderswil. Nach 5 km die erste Verspflegungsstelle und nach 10 km - in Wilderswil - die nächste Verpflegung. Nun ging es leicht gleichmäßig bergan. Zum gehen zu flach - zum schnellen laufen zu anstrengend. Ich wollte Kräfte schonen für die noch bevorstehenden Anstiege.

Bei km 19 erreichten wir Lauterbrunnen und ich traf zum ersten mal auf Tilo, der mir gleich mitteilte: „Du siehst noch super aus.“ Ja, bei mir war alles OK und 1 km weiter erreichte ich die nächste Verspflegungsstelle. Nun kam aller rund 3 km eine Verpflegung und bei den zu bewältigenden 1.800 Höhenmetern war das super! Schätzungsweise aller 5 km gab es Massageangebote und med. Versorgung. Ich war beeindruckt!

Etwa bei km 26 begann die erste harte Steigung. 3 km lang und alle 250 m ein km-Schild, damit man die Hoffnung nicht aufgibt.

Ungefähr bei km 30 wieder flaches Gelände. Wir erreichten Wengen und ich sah Tilo und gleich darauf Alice und Alex. Ich fühlte mich trotz Anstieg noch recht gut. Doch 2 km später gings wieder bergan und bergan und bergan...

Bei km 35 zeigte meine Uhr 4 h 32 min. ich war sehr zufrieden. Fühlte mich super, war im Rausch des herrlichen Landschaftspanoramas und gleichzeitig betrübt, dass Tilo das nicht erleben kann und rechnete mir eine super Zielzeit aus. Gleich darauf die totale Verwirrung der 6-Stunden-Zeitläufer überholte mich. Was war los???? Ging meine Uhr falsch? Konnte ich nicht mehr rechnen? Es waren doch nur noch 7 km und die sollten locker in 1 h zu schaffen sein. Oder erwartet mich etwas wovon ich noooooch nichts ahnte????

Km 38 die Uhr zeigt  5 h 03 min. Noch 4 km    ich könnte also locker in 5 h 40 min im Ziel sein. So wie ich mich jetzt fühlte auch eher! Innerliches Jubeln und plötzlich der Totalschock! Der Laufweg ging „einspurig“ weiter, einen Kamm hinauf. Keine Chance zu überholen. Die Läuferschar fädelte sich wie eine Perlenschnur auf und wir kamen nur stockend voran. Immer wieder kleinste Pausen und für mich ein Schneckentempo. Ich war verzweifelt. Sah meine Zeit dahinschwinden und keine Möglichkeit vorbeizuziehen. Gelegenheit zur Totalerholung mit Gefahr auszukühlen, da ich nicht ansatzweise angestrengt war und natürlich auch nicht schwitzte. Bis km 41 musste ich dahintrotten und ganze 47:40 min vertrödeln. In Sichtweite der orangefarbene Ballon des 6-Stunden-Läufers. Dann endlich die Möglichkeit für einige Überholmanöver und Übergang in den Laufschritt.

Zieleinlauf bei 5 h 57 min. Ich war enttäuscht und die Tränen rannen. Zugleich war ich aber auch glücklich über das herrliche Landschafts-Lauferlebnis bei bester Verpflegung.

Nun gab es erstmal einen Wärmemantel mit Kapuze(!), die Medaille und ein isotonisches Getränk. Nichts essbares zu sehen! Ich war verblüfft. Nach weitern ca. 300 m die Chiprückgabe und die T-Shirt-Ausgabe. Es waren ausreichend Shirts vorhanden und sagar die Größe XS wurde angeboten. Nur sah ich noch immer keine Verpflegung - lediglich lecker Essen gegen Bezahlung. Tilo sponsorte mir ein Stück Kuchen (für 7,50 SF!).

Da ich trocken ins Ziel kam, machte ich einen Bogen um das Duschzelt und stieg gleich in den Zug, der uns zurück in unser Hotel nach Grindelwald brachte.

Rückblick:

Super Verpflegung  -  jeder km angezeigt, bei steilen Passagen sogar alle 250 m ein Schild  -  fast alle 3-5 km eine Massagestelle   Zielverpflegung äußerst mangelhaft :-( 

Falsche Taktik, hätte keine Kraftreserven speichern sollen, da die letzten 3 km ein Spaziergang bergauf war. Somit Zeit verplempert und unzufrieden.

Landschaftliches Naturerlebnis der Extraklasse! Warum hatte ich bloß keinen Fotoapparat mit. Beeindruckender Landschaftslauf - Genuss pur!

Temperaturen wechselten ständig. Im Schatten kalt bis sehr kalt und in der Sonne warm. Kleidung muss gut gewählt sein. War mit meiner Bekleidungs-Entscheidung zufrieden. Allerdings gibts auch da Verbesserungspotential. Für die kalten Einheiten hätte ein dünnes Unterhemd geholfen. Die Handschuhe wären in einer Tüte trockerner aufgehoben gewesen. Meine Ärmlinge waren genial bei dem Wetter.

Wieder um einige Erfahrungen reicher.

Fazit:

Dieser Lauf ist sehr zu empfehlen!


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