Goretex-Transalpin-Run 2008

   
Datum: 29. August - 06. September 2008 Strecke: 300 km 16.000Hm
Ort: von Ruhpolding (D) nach Sexten (I) weitere Strecken: keine
Internetadresse:

Transalpin-Run

   

Art des Laufes: Etappenlauf über die Alpen   Besonderheiten/ Kommentare:
Anspruch: sehr hoch  

 

8 Tage - 3 Länder - 300 Kilometer - 16.000 Höhenmeter

Stimmung: super
Organisation: unerreicht
Verpflegung: auf der Strecke, im Ziel und Abends immer reichlich und lecker
Startgeld: 1070,00 € pro Team
Wetter:  
   

Ein Bericht von Tilo Heschel und Thomas Schuster

die "Neulinge" Ralf Biesold und Steffen Förster

Team "Die Rennsemmeln"

die "alten Hasen" Tilo Heschel und Bernd Hoche

Team "Salomon 5"

Freitag, 29. August

Tilo: Der Tag vor dem Start

Es ist 11 Uhr und der gelbe Bus fährt bei uns vor. Andrea und Alice, sowie unser gesamtes Gepäck werden von Katja, Bernd, Jona und Lilly abgeholt und machen sich auf den Weg nach Ruhpolding. Ich muss mich noch eine Stunde gedulden, dann stehen Steffen und Ralf vor der Tür und wir fahren mit dem zweiten PKW hinterher. Die Fahrt verläuft weitestgehend stressfrei, kurz vor Ruhpolding haben wir den Bus eingeholt und fahren zusammen zur Akkreditierung  in der Volksschule.

Dort angekommen treffen wir alte Bekannte - Daniela und Tom (Sixteen Summits Running Team) sowie deren Freunde Sandra und Michael (Icebugs Würzburg - Die Rückkehr)-, sehen bekannte Gesichter, die „Transalpinatmosphäre“ nimmt uns sofort gefangen und  macht uns im Hinblick auf die kommende Woche aufgeregt. Die erste Pastaparty zieht sich ganz schön in die Länge, da natürlich alle Sponsoren zu Wort kommen sollen, die Strecke komplett neu ist und alle Orte vorgestellt werden und nach den Ereignissen beim Zugspitzlauf auch der Teil Regelwerk und Rescue ausführlich erläutert werden. Da der Transalpinrun mittlerweile ein internationaler Lauf geworden ist (Teilnehmer aus 29 Nationen, darunter Neuseeland, USA, Korea, Venezuela, Südafrika) werden die wichtigsten Infos nicht nur in Deutsch und Englisch erzählt, sondern durch einen 2. Sprecher ins spanische und italienische übersetzt. Da aber am Sonnabend Start erst 11 Uhr ist, sehen wir das ganze relativ entspannt. Gegen 23 Uhr liegen alle im Bett und versuchen zu schlafen denn morgen geht es los unser Abenteuer.

Tom (Team Sixteen Summits):

Vom 30.8. bis 6.9.2008 fand der 4. Gore Tex Transalpine Run in acht Etappen von Nord nach Süd über die Alpen statt. Erstmalig wartete die neue „Ostroute“ von Ruhpolding nach Sexten mit knapp
300 km Vertikadistanz-und rund 14.900 Höhenmetern im Aufstieg auf die Läufer. Nachem wir bereits im Jahr 2006 die Westroute von Oberstdorf nach Latsch im Vinschgau (240 km und 13.800 hm) bewältigt hatten, stellte sich das Sixteen Summits Running Team bestehend aus Daniela und Tom Schuster gemeinsam mit rund 240 weiteren Zweierteams der neuen Herausforderung. Mit von der Partie waren auch unsere Freunde Sandra Dür und Michael Rauh (Icebugs Würzburg) aus Würburg, Tilo Heschel und Bernd Hoche (Team Salomon 5) sowie Ralf Biesold und Steffen Förster (Rennsemmeln) aus Dresden. Tatkräftige Unterstützung bekamen wir von Tilos Familie Andrea und Alice und Bernds Freundin Katja mitsamt Söhnchen Jona und Hund Lilly. Bereits am ersten Abend zeigte sich die hochkarätige internationale Besetzung des Laufes. Beim „Einmarsch der Nationen waren 28 verschiedene Fahnen vertreten von Korea über ganz Europa, Nord-und Südafrika, Nordamerika bis nach Venezuela.

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Sonnabend,30. August
1. Etappe: RUHPOLDING (D) - ST. ULRICH AM PILLERSEE (A)

Vertikaldistanz: 1.223 Höhenmeter im Aufstieg, 1.034 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 37,68 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Gasthof Heutaler Hof) 319Hm, 13,44Km = 2,5 Std., V2 (Kammerköhralm) 1.059Hm, 24,61Km = 4,5 Std., V3 (Waidring) 1.088Hm, 29,45Km = 5,5 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 11.00 Uhr
Höhenprofil 1. Etappe (PDF)

     
offizielle Etappenbeschreibung: Den Auftakt zum GORE-TEX™ Transalpine-Run 2008 bildet eine ideale Einstiegsetappe durch die Chiemgauer Alpen und über die Steinplatte von Ruhpolding nach Waidring im Strubtal. Von dort führen herrliche Wanderwege zum idyllisch gelegenen Etappenziel nach St. Ulrich am Pillersee, das westlich der Loferer Steinberge liegt. Mit gut 1.200 Aufstiegshöhenmetern verlangt diese Etappe zwar keine ausgeprägten Kletterfähigkeiten, 38 Kilometer Horizontalentfernung kratzen jedoch schon knapp an der Marathondistanz.

Tilo: Der erste Tag

Heute früh ganz entspannt gegen 8 Uhr aufstehen, gemütlich frühstücken, alle Sachen zum hundertsten Mal kontrollieren, entspannt zum Start schlendern, so könnte es die ganze Woche weitergehen. Bernd und ich wissen allerdings, dass der Schein trügt. Außerdem scheint die Sonne unbarmherzig vom Himmel und da werden 37 km -auch wenn „nur“ 1.200 Hm anliegen- doch ganz schön weit. Die letzten Fotos werden gemacht und 10:59 Uhr hören wir ihn wieder, den Gänsehautsong des Rennens: „Highway to Hell“ von AC/DC. Spätestens jetzt steht jeder von uns unter Strom und will nur noch eins und das ist endlich losrennen!

Die ersten Kilometer aus dem Ort bis km 11 verlaufen flach im Fischbachtal, dann geht er los der erste Anstieg. Die 400 Hm zur Winkelmoosalm legen die meisten noch im Laufschritt zurück – sind ja noch frisch -; den 2. Anstieg des Tages bis zur Kammerköralm dann schon nicht mehr.

Bei Bernd und mir läuft es gut, nach einer kurzen Einlaufphase sind wir im Rhythmus und traben neben einem englisch sprechenden Frauenteam her. Am ersten Verpflegungspunkt treibt uns von hinten noch unser Fanblock an, der es gerade so geschafft hat ehe wir erscheinen. Am zweiten Bergaufstück signalisiert mir Bernd eine schlechte Erholung und leichte Magenprobleme und wir lassen die Mädels ziehen. Am ersten steilen Abstieg (das ist normalerweise der Teil, auf dem wir so gut wie unschlagbar sind;-)) müssen wir weiter Tempo rausnehmen, da es nicht besser wird und das anschließende 7,5 km lange Flachstück bis ins Ziel in St. Ullrich am Pillersee zieht sich ganz schön in die Länge. Als wir gegen 15:20 Uhr das Ziel erreichen ist es ganz schön heiß und wir sind froh da zu sein. Ralf und Steffen sitzen schon seit 20 min in der Sonne und lassen sich von der Verpflegung verwöhnen. Sie sind gut durchgekommen und ganz zufrieden mit ihrer Leistung. Die Unterkunft ist nicht weit, die Zimmer haben die Mädels schon eingeräumt, wir können unter die Dusche und auf die Massagebank von Andrea.

Abends zur Pastaparty die vertrauten Abläufe, erst essen, dann Kulturprogramm, dann Siegerehrung der Tagesgewinner, dann Briefing für den nächsten Tag. Spätestens bei den erklärenden Worten von Wolfgang dem Streckenchef graust es den meisten vor morgen, dem vermeintlich härtesten Abschnitt des diesjährigen Transalpinrun. Zum Abschluss des Abends die „Bilder des Tages“ und das „Video des Tages“, dann schnell ins Bett, morgen früh 4:45 Uhr klingelt der Wecker…

Ergebnisse 1. Etappe:

Team Rennsemmeln:        04:03:59h      Men: Platz 22                       Gesamt: Platz

Team Salomon 5:                04:23:12h      Masters: Platz 26                 Gesamt: Platz

Tom (Team Sixteen Summits):

Der Tag begann sonnig warm und versprach, heiß zu werden. Als um kurz vor 11 AC/DCs „Highway to Hell“ durch Ruhpoldings Kurpark dröhnte, dürfte auch dem letzten Gast klar geworden sein, dass die fast 500 Verrückten in kurzen Hosen und T-Shirts mit Rucksäcken, Trinksystemen und zum Teil mit Walkingstöcken nicht wegen der Kurkonzerte gekommen waren. Den Startschuss gab der ehemalige Weltklassebiathlet Fritz Fischer und ab ging die Post. Die erste Etappe sollte eine „Läufer-Etappe“ werden. Die ersten 11 km ging es recht flach in einem Tal hinauf, bevor der erste echte Anstieg des Tages auf uns wartete. Bereits nach gut 10 Minuten hatten uns die Rennsemmeln und Bernd und Tilo die Hacken gezeigt. Wir liefen, wo wir konnten und gingen, wo es zu steil war. Nach 25 km hatten wir an der Kammerköhralm den höchsten Punkt des Tages erreicht und machten uns an den Abstieg. Bereits jetzt deutete sich an, dass es für die Oberschenkel wohl nicht die beste Idee war, am Wochenende vor dem Rennen noch das 24-Stunden-Rennradrennen am Nürburgring zu fahren. Vor allem bei Daniela zeigte sich, dass die innere Oberschenkelmuskulatur nicht die wünschenswerte Lockerheit hatte. Ein Problem, das sich in den folgenden Tagen noch verschärfen sollte. Umso überraschter waren wir, dass wir nicht nur auf dem Abstieg ins Tal, sondern vor allem auch auf den letzten flachen 8 km ins Ziel noch eine Menge Teams einsammelten; unter anderem Tilo und Bernd, bei denen sich massive Magenprobleme ankündigten. Die letzten Kilometer waren eine Qual: Die Sonne brannte, die Kräfte schwanden und das Ziel wollte einfach nicht näher kommen. Teilweise mussten wir gehen, aber wir waren nicht die einzigen, denen es so erging. Nach 4:09 Std. hatten wir es geschafft und wir staunten nicht schlecht, als wir uns auf Platz 12 von 65 Mixed-Teams wiederfanden. In einem so hochklassigen Feld hatten wir nicht mal mit einer Top-20-Platzierung gerechnet. Kurz nach uns kamen auch Bernd und Tilo und als Sandra und Michi ebenfalls gesund im Ziel waren, machten wir uns auf in unsere Pension, wo uns noch eine Riesenüberraschung erwartete: Andrea hatte ihre Massageliege mitgebracht und massierte alle, die wollten. Und wie wir wollten!!
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Sonntag,31. August
2. Etappe: ST. ULRICH AM PILLERSEE (A) - MITTERSILL (A)

Vertikaldistanz: 2.794 Höhenmeter im Aufstieg, 2.856 Höhenmeter im Abstieg
Horizontaldistanz: 48,56 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 7,5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Abzwg. Gasthof Pletzer) 401Hm, 15,57Km = 2,5 Std., V2 (Hochwildalmhütte) 1.249Hm, 24,67Km = 5 Std., V3 (Lindling Alm) 1.575Hm, 28,82Km = 6,5 Std., V4 (Abzwg. Bürgl Hütte) 2.488Hm, 38,73Km = 8,5 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 07.00 Uhr
Höhenprofil 2. Etappe (PDF)
     
offizielle Etappenbeschreibung: Mit 2.200 Höhenmetern und knapp über 50 Kilometern ist die 2. Etappe bereits der längste und härteste Teilabschnitt beim GORE-TEX™ Transalpine-Run 2008. Nach einem flachen Auftakt von St. Ulrich in Richtung Fieberbrunn steigt die Route der zweiten Etappe durch den so genannten Pletzergraben zum Gebrajoch in den Kitzbüheler Alpen. Obwohl das Gelände in diesem Teil der Nordalpen noch nicht hochalpin ist, wird den Läufern auf zahlreichen Steigungen im Auf- und Abstieg schon alles abverlangt. Mit Henlabjoch, Schusterscharte und Schaberstatt gibt es zahlreiche Höhepunkte, bevor Mittersill im Salzachtal erreicht wird.
     
Tilo: Die Königsetappe

04:45 Uhr, das Klingeln des Handys reist uns aus dem Schlaf. Es ist stockdunkel, kalt und alle sind todmüde. Wer hat sich das nur ausgedacht!? Beim Frühstück eine viertel Stunde später kommt auch keine richtige Freude auf, um die Zeit 2 Semmeln reinwürgen ist richtig Arbeit und hat mit Genuss überhaupt nichts zu tun. Aber es muss sein - wir wissen es nur zu genau. Einzig der dampfende Kaffee bringt uns etwas auf Trab.

Am Start ist die Stimmung eher gespannt als ausgelassen, alle wissen heute wird es hart. Punkt 7 geht es los und die ersten km bis Fieberbrunn rollen wir uns ein. Ab km 11 bis km 20 sind die ersten 1.000 Hm zu bewältigen und Bernd scheint es wieder besser zu gehen. Vom Gebrajoch geht es nur 200 Hm bergab ehe der nächste Anstieg wartet. Bernd fällt schon im Abstieg immer weiter zurück und oben auf dem Henlabjoch fällt er mit Magenkrämpfen ins Gras. Von Magenkrämpfen geplagt kotzt er sich die Seele aus dem Leib. Wir haben noch nicht mal die Hälfte der heutigen Etappe geschafft und nun das. Ich mache mir große Sorgen um den Partner und ordne erst mal 15 min Pause an. Ausruhen, Puls runter kriegen, wenigstens etwas trinken um nicht völlig zu dehydrieren, an essen ist nicht zu denken. So wie Bernd es trinkt, kommt alles Sekunden später wieder raus und das bei brütender Mittagshitze. Bernd kämpft und wir eiern im ganz langsamen Gehtempo Richtung 2. Verpflegungsstelle auf der Lindingalm. Mir geht es gut, allerdings merke ich, dass auch ich heute früh einen Kardinalfehler gemacht habe: ich habe vergessen mich mit Sonnenschutzcreme einzureiben; mir schwant schlimmes.

Bernd konnte sich bergab nicht erholen, an der Verpflegung isst und trinkt er ein bisschen, um es wenig später wieder der Natur zurückzugeben. Ich lasse ihn erst mal in Ruhe und esse selbst etwas, aber im Grunde weiß ich, dass die Etappe hier für ihn zu Ende ist. Ich wöllte ihn so jedenfalls nicht weiterlaufen lassen. Ein Schock für uns beide, wir waren so gut vorbereitet und jetzt das. Bernd hält derweil Rücksprache mit dem anwesenden Streckenarzt und der rät ihm eindringlich auszusteigen. Auch ich rate ihm jetzt aufzuhören, aber ich habe ja gut reden, mir geht es ja gut, ich fühle mich moralisch beschissen. Bei Bernd sagt der Kopf „weitermachen“; der Magen „du spinnst wohl, keinen Meter mehr“. Zur Bekräftigung noch mal grüne Galle. Die Vernunft siegt, Bernd ist bereit aufzuhören, auch wenn unsere Pläne, den 2. Transalpinrun gemeinsam erfolgreich zu beenden, in diesem Moment zerplatzen.

Ich vergewissere mich beim RescueTeam, dass Bernd in guten Händen ist und verabschiede mich schweren Herzens von ihm, so eine Sch….

Da es mir gut geht beschließe ich meine Wut und schlechte Laune in Vortrieb umzusetzen und renne die nächsten 800 Hm wie ein Bekloppter den Berg hoch. Ich überhole ein Team nach dem anderen, merke aber deutlich, dass mir die Sonne schwer zu schaffen macht. Heute ist die längste Etappe mit den meisten Höhenmetern. Es geht also noch mal bergrunter und wieder hinauf. Irgendwie hatte ich mir eingeprägt, dass jetzt die Verpflegung kommt und dann geht es nur noch steil bergab und so bin ich auch gelaufen. Stattdessen steht da Wolfi der Streckenchef am Kamm und erklärt: von hier sind es noch 2 km bis zur Verpflegung und dann kommen die letzten 350 Hm – Häää??? Ich bin schockiert, müde, habe mittlerweile Schmerzen vom Sonnenbrand im Gesicht, dehydriert, demotiviert und trotte den Berg runter zur letzten Verpflegung. Dort angekommen schmeiße ich mich ins Grass und starre den letzten Anstieg an, dort auch noch hoch, ich habe keine Lust mehr. Irgendwann, irgendwie geht es doch weiter und ich laufe hoch, auf der anderen Seite wieder runter (allerdings mittlerweile in deutlich reduziertem Tempo) und um das Maß auch noch voll zu machen, komme ich auch noch von der Strecke ab, während ich das Ziel unten im Ort schon hören kann. Redet mich jetzt bloß keiner an! Ich finde den richtigen Weg und höre die Rasseln, ein Markenzeichen unserer persönlichen Fans. Ich bin so froh sie zu sehen und setze mich erst mal ins Gras, ich bin total platt. Alice rennt zum Ziel und kommt mit einem Becher Wasser und Tränen in den Augen wieder, wahrscheinlich sehe ich so schlecht aus, wie ich mich fühle. Meine erste Frage gilt Bernd, er ist hier, versorgt und ihm geht es besser, na Gott sei Dank. Da fallen mir die letzten Meter gleich bisschen leichter. Im Ziel gucken alle besorgt, aber nach wenigen Minuten Erholung gebe ich Entwarnung, mir geht es schnell besser, war wohl vor allem die Moral, welche am Boden lag. Schnell unter die Dusche, dann essen was das Zeug hält – laut Polar Uhr habe ich heute etwa 6.400 kcal verbraucht.

Ergebnisse 2. Etappe:

Team Rennsemmeln:        07:25:08h      Men: Platz 21                       Gesamt: Platz 46

Team Salomon 5:                09:51:26h     Masters: Platz 63                 Gesamt: Platz 195

Die Regeln besagen, dass wenn ein Teammitglied die Etappe nicht beendet, dem Team die maximale Gesamtlaufzeit der Etappe angerechnet wird. Das bedeutet heute auf der längsten Etappe wir bekommen glatte 13 h „gutgeschrieben“; na Prost Mahlzeit, damit haben sich alle Zeiten- und Platzierungswünsche ins Nichts aufgelöst.

Zum Ergebnis des Tages passt dann auch noch die Pastaparty, in einem viel zu kleinen Saal völlig überfordertes Personal und so kleine Portionen, dass ich das erste Mal nicht satt werde. Morgen wird alles besser…bestimmt.

Tom (Team Sixteen Summits):

Der 2.Tag, an dem uns die Königsetappe des diesjährigen Transalpine Run erwartete, begann mit einer kleinen Überraschung, die sich erst viel später als böse herausstellen sollte: Ich hatte mir unter der rechten Ferse innen eine kleine Blase gelaufen. Da sie mich jedoch (noch) nicht am Laufen hinderte, nahm ich sie nicht sonderlich ernst. Auf uns kamen andere Herausforderungen zu. Als um 7.00 Uhr der Startschuss ertönte, konnte man allen Gesichtern ansehen, was uns erwartete: Eine heiße lange Etappe mit vielen vielen Höhenmetern. Daniela und ich ließen es ruhig angehen, stellten aber nach den ersten 10 flachen km fest, dass wir wieder ziemlich schnell unterwegs waren. Wir hatten bereits zu Beginn des Sommers beim Rennsteiglauf (73km) und dem Swissalpine Lauf in Davos (78,5km) gezeigt, dass uns die Ultramarathondistanzen liegen, dabei hatte es sich jedoch jeweils nur um 1-Tages-Rennen gehandelt. Dennoch hielten wir uns an unsere Marschroute aus den langen Läufen: Lauf dein Tempo, ignorier die anderen, abgerechnet wird am Schluss. Daniela hatte einen brillianten Tag und so liefen wir viel mehr, als im Vorfeld erwartet. Die 5 „Gipfel“ des Tages arbeiteten wir Stück für Stück ab und an der Schusterscharte nahmen wir uns sogar die Zeit für einen Kuss, bevor es weiterging.Ständig raubten uns Zäune, manche elektrisch geladen, andere nur mit rostigem Stacheldraht versehen, den Rhythmus. Unsere Taktik ging jedoch auf und so sammelten wir auf der letzten Steigung des Tages hoch zur Rosswegscharte viele Teams wieder ein, die früher am Tag an uns vorbeigestürmt waren. Auf den letzten 7 km mussten wir noch fast 1.300hm absteigen und da merkte ich langsam, dass die Blase am Fuß zum Problem werden könnte. Daniela lief weiter wie ein Uhrwerk und als ich nach 7:52 Std im Ziel zunächst in ihre Arme und dann auf den Boden fiel, hatte es sich mal wieder gezeigt: Frauen sind die besseren Langstreckenathleten. Belohnt wurden wir mit einem hervorragenden 11. Platz und guter Zielverpflegung. Die Rennsemmeln waren als hervorragende 20. bei den Männern eine knappe halbe Stunde vor uns ins Ziel gekommen und zu unserem großen Schrecken war Bernd auch schon da, allerdings ohne Tilo. Die Magen-Darm-Geschichte hatte Bernd zur Aufgabe gezwungen und Tilo war alleine, mit deutlich gedrückter Motivation und auch schon recht entkräftet weitergelaufen. Das große Warten begann. Nach 9:18 Std kamen die Icebugs erschöpft aber gesund. Irgendwann, es kam mir vor wie Ewigkeiten dann endlich ein komplett dehydrierter Tilo, der sich mit purem Willen durch die Etappe gekämpft hatte. Ich war den Tränen nahe, sowohl aus Erleichterung, als auch aus Mitleid. Aber welch Kämpferherz!

Die Pension war nah und gemütlich, Andreas Massagen eine Wohltat ohnegleichen und das Essen am Abend prima. Das schlimmste hatten wir geschafft, dachte ich.

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Montag, 01. September
3. Etappe: MITTERSILL (A) - NEUKIRCHEN AM GROSSVENEDIGER (A)

Vertikaldistanz: 1.504 Höhenmeter im Aufstieg, 1.417 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 27,66 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 4 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Herrnbrücke Bramberg) 056Hm, 9.43Km = 1,5 Std., V2 (Wildkogelhaus) 1.479Hm, 19,78Km = 4,5 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 08.00 Uhr
Höhenprofil 3. Etappe (PDF)

     
offizielle Etappenbeschreibung: Nach der überaus harten 2. Etappe stellt mit seinen knapp 1.500 Höhenmetern und 26 Kilometern der Streckenverlauf der 3. Etappe von Mittersill nach Neukirchen am Großvenediger eine kleine Erholung auf der Westroute dar. Trotzdem wartet auf die Teilnehmer mit dem über 1.100 Höhenmeter langen Anstieg auf den Wildkogel noch einmal eine echte Herausforderung, für den nur der großartige Ausblick auf die 3.000er der Venedigergruppe im Nationalpark Hohe Tauern entschädigt.
     
 Tilo: Heute bin ich dran

Nach dem gestrigen Desaster freue ich mich am Morgen gegen 07:30 Uhr Bernd am Start zu sehen.  Da wir immer in Frühstückspensionen übernachten, Bernd und Katja aber ihren Bus bevorzugen, hatten wir uns am Abend nicht gesehen. Er hat sich über Nacht relativ gut erholt und will es auf jeden Fall versuchen. Nach der gestrigen Hammeretappe, bei welcher nicht nur viele Einzelausfälle zu beklagen waren, sondern 15 Teams wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen wurden, gibt es heute die vermeidlich leichteste Etappe. Nur 27 km und nur ein Berg mit 1.500 Hm. Vom Start aus können wir fast die gesamte Strecke sehen, da es erst flach im Tal langgeht und rechts der Wildkogel in seiner ganzen Pracht vor uns liegt. Wir gehen das ganze heute betont langsam an, damit wir ja durchkommen. Beim Aufstieg merke ich heute ebenfalls meinen Magen, ich kann nicht richtig beschleunigen und komme trotz langsamen Tempos schnell außer Atem. Zum Glück ist es heute nicht so warm und am Gipfelaufbau packe ich sogar die Jacke aus, um mich gegen den kalten Wind zu schützen. Beim Abstieg vom Gipfel Richtung 2. Verpflegungsstelle dann die Überraschung: schon von weitem schallen wieder die Rasseln – unser Fanclub ist mit der Bahn auf den Gipfel gekommen, um uns anzufeuern. Wir freuen uns wie kleine Kinder und schaffen die letzten 9 km bergab auch, wenngleich wir zwischendurch immer mal wieder gehen müssen. Team Rennsemmeln ist -trotz Blasen an Steffens Füßen- schon wieder im Ziel, die beiden haben bis jetzt einen klasse Wettkampf hingelegt.

Ein Highlight ist die heutige Pastaparty. Sie findet in der Bergstation der Wildkogelbahn statt. Nicht nur das sehr gute und sehr reichliche Essen überzeugen, sondern auch die herrliche Aussicht, selbst wenn Wetterbedingt viele der 3.000er in den Wolken nicht zu sehen sind. Wir fahren vor den Bildern des Tages ins Tal. Erstens müssen wir da nicht anstehen und zweitens ist uns die eine Stunde mehr Schlaf wichtiger. Morgen ist aufstehen wieder 04:45 Uhr und wir haben alle das Gefühl, dass uns Schlaf gut tut.

Ergebnisse 3. Etappe:

Team Rennsemmeln:        03:38:15h      Men: Platz 21                       Gesamt: Platz 45

Team Salomon 5:                04:48:15h      Masters: Platz 45                 Gesamt: Platz 178

Tom (Team Sixteen Summits):

Die dritte Etappe sollte so eine Art Ruhetag werden, wenn man dem Streckenchef Wolfi und den Rahmendaten glauben schenken wollte: 10km flach einlaufen, dann 1.500hm und 9 km hoch auf den Wildkogel und wieder 9 km hinunter. Der Haken an der Sache war jedoch der Vortag. Denn nach einer solchen Belastung, stellten auch diese vermeintlich einfachen Daten eine echte Herausforderung dar, insbesondere, wenn die Oberschenkel Ärger machten, wie bei Daniela oder die Blase unter dem Fuß immer größer und röter wurde. Doch es gab auch erfreuliches zu vermelden: Bernd war wieder im Rennen, wenn auch geschwächt und Tilo hatte sich von den Strapazen des Vortages gut erholt. Es ist immer wieder erstaunlich, was der Körper leisten kann, wenn er muss. Das Wetter war gnädig und nicht so heiß. Oben auf dem Wildkogel ging sogar ein kühler Wind, von Zeit zu Zeit extrem verstärkt durch den Hubschrauber mit Kameramann und Fotografen. Wer riskiert nicht gerne eine Lungenentzündung für schöne Bilder. Läufer sind ein eitles Völkchen. Kurz hinter dem Wildkogel erwartete uns die jubelnde „Rasselbande“ (Andrea, Alice, Katja, Jona und Lilly) und gab uns den letzten Motivationskick. So gepusht, schafften wir den Weg hinab ins Tal auch noch, obwohl es wehtat. Nach 4:01 Std. waren wir mit dem 16. Platz noch deutlich besser als erwartet. Die Rennsemmeln waren schon da. Nach 4:48 Std. kamen Bernd und Tilo und nach 4:50 Std. Sandra und Michi. Bis auf Michi hatten alle Probleme mit der Nahrungsaufnahme gehabt und sich tapfer ins Ziel gekämpft. Im Ziel gab es Eis und einen Brunnen zum Beine kühlen. Abends fuhren wir mit der Gondel wieder hinauf auf den Wildkogel und genossen im dortigen Bergrestaurant ein hervorragendes Abendessen, dem man mit dem Ausdruck „Pastaparty“ nicht gerecht wurde. Durch Mehrheitsbeschluss wurde entschieden, auf die Bilder des Tages zu verzichten und schnell die Betten aufzusuchen, da uns am nächsten Tag nicht nur die zweite Ultramarathonetappe mit der Überquerung des Alpenhauptkammes erwartete, sondern vor allem ein Start um 7 Uhr!
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Dienstag, 02. September
4. Etappe: NEUKIRCHEN AM GROSSVENEDIGER (A)
- PRETTAU/AHRNTAL (I)
Vertikaldistanz: 2.051 Höhenmeter im Aufstieg, 1.457 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 46,22 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 6,5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Mautst. Krimmler Wasserfälle) 329Hm, 12,47Km = 2,5 Std., V2 (Krimmler Tauernhaus) 881Hm, 22,84Km = 4 Std., V3 (Kehrer Alm) 1.893Hm, 36,95Km = 7 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 07.00 Uhr
Höhenprofil 4. Etappe (PDF)
     
offizielle Etappenbeschreibung: Die 4. Etappe von Neukirchen am Großvenediger nach Prettau im Ahrntal mit nahezu voller Marathondistanz und 1.850 Höhenmeter über den Alpenhauptkamm der Tauern führt mit der 2.667 Meter hohen Birnlücke über den zweithöchsten Punkt des GORE-TEX™ Transalpine-Runs 2008. Ein landschaftlich einzigartiger Wegverlauf und herrliche Ausblicke begleiten das Feld auf dem Übergang von Österreich nach Südtirol in das wunderschöne Ahrntal. Eine kleine Erleichterung auf dieser Etappe stellt sicherlich das Höhenprofil dar, das nur einen einzigen aber dafür extrem langen Anstieg bereithält.
     
Tilo: Das wird unser Tag

Wieder so eine lange Etappe, 46 km und knapp über 2.000 Hm. Wir starten schon 7 Uhr; heute wird der Alpenhauptkamm überquert. Auch für unser Betreuerteam eine Herausforderung. Sie müssen fast 200 km fahren, um auf die andere Seite zu kommen. Umso mehr freuen wir uns, als an der ersten Verpflegungstelle die Rasseln zu hören sind.  Während der ersten 600 Hm, entlang der landschaftlich herrlichen Krimmler Wasserfälle, merke ich – heute geht was! Bernd ist am Berg sowieso immer etwas schneller, aber ich kann heute ein ganz anderes Tempo gehen und habe trotzdem keinerlei Atemprobleme. Auf den Flachstücken der Söllalm und der Innerkeesalm können wir Tempo machen und den steilen Anstieg zur Birnlücke (etwa 800 Hm auf 3 km) geht es auch sehr zügig rauf. Beeindruckend die raue Gletscherlandschaft um uns herum, schade dass wir keine Kamera dabei haben und es doch sehr bewölkt ist. Ganz oben ist es kühl, der Wind pfeift uns gehörig um die Ohren, vor allem Bernd, der doch ein paar Minuten auf mich warten musste. Auf der anderen Seite geht es steil bergab und im Gegensatz zu den letzten Tagen können wir diesmal schnell laufen, so macht das Spaß.

Im Ziel freuen sich diesmal alle, es lief gut bei den Dresdner Durchläufern!

Da in dem kleinen Zielort Prettau keine Unterkünfte zu buchen waren, haben wir kurzerhand im nur 15 km entfernten nächsten Etappenort Sand in Taufers gebucht. Deshalb sind wir heute Abend nicht zur Pastaparty sondern in die Pizzeria um Abendbrot zu essen, was sich als gute Wahl herausstellte.

Ergebnisse 4. Etappe:

Team Rennsemmeln:        06:16:25h      Men: Platz 21                       Gesamt: Platz 47

Team Salomon 5:                06:38:28h      Masters: Platz 52                 Gesamt: Platz 155

Tom (Team Sixteen Summits):

7.00 Uhr morgens, verschlafene Gesichter, leicht bewölkt und der Beginn des Favoritensterbens. Wer – wie ich – morgens beim Rescue-Team hockte, um die immer hässlicher aussehende Blase am Fuß versorgen zu lassen, oder - wie Daniela – sich Vorsorgetapes bei einem netten Schwätzchen mit den supernetten Jungs vom Rescue-Team anlegen zu lassen, der wurde Zeuge eines bitteren Moments: Das Team Niederdorf, Führende der Master-Kategorie mit rund 15 Minuten Vorsprung musste aussteigen. Eine Blase am Fuß zwang zur Aufgabe. Es sollte nicht das letzte prominente Opfer des Laufes bleiben. Wir konnten starten, auch wenn mein Fuß zunehmend schmerzte und mich zu einem untypischen Laufstil über den Mittelfuß zwang, da ich nicht schmerzfrei über die rechte Ferse laufen konnte. Der Effekt war absehbar: Die rechte Wade wurde immer fester, da ich rechts aus der Wade lief. Gleichzeitig blockierte der linke Oberschenkel, da ich die kompletten Bergabpassagen in den linken Fuß hineinlief, um den rechten zu schonen. Andrea musste in den Folgetagen hart an mir arbeiten, um die Muskulatur wenigstens ein bisschen zu lockern. Der Tag begann wieder mit 12 recht flachen Kilometern. Diese Flachpassagen, die wir anfangs noch sehr zügig gelaufen waren, fielen uns von Tag zu Tag schwerer. Aber wir waren nicht die einzigen, die die Anstiege herbeisehnten. Nach ca. 1 km riss der rechte Schulterriemen meines Laufrucksacks aus. „So ein Mist“, dachte ich, als der Rucksack zwar noch tragbar aber doch etwas einseitig auf meinem Rücken hing. An der ersten Verpflegungsstelle nach 12 km konnte ich den Riemen provisorisch wieder anknoten, so dass der Rucksack wenigstens hielt. Ebenfalls an der ersten Verpflegungsstation trafen wir auf die Rennsemmeln, die sonst nach 10km immer schon recht weit vor uns waren. Gemeinsam machten wir uns an den ersten steilen Aufstieg des Tages: Auf einem schönen breiten Wanderweg ging es immer an den spektakulären Krimmler Wasserfällen entlang im Wald nach oben. Steffen und Ralf waren hinter uns und kamen offenbar auf uns zu sprechen, was Steffen zu der anerkennend gemeinten Aussage verleitete, Daniela sei eine „zähe Kuh“. Ralf – von dem Kompliment ganz begeistert- lief zu uns vor, um Daniela „die Blumen“ zu überbringen ohne damit bei ihr auf viel Gegenliebe zu stoßen. Männer und Frauen sind eben doch unterschiedlich! Nach 16 km und rund 800 hm erreichten wir ein Hochplateau und auf einmal hieß es wieder Laufen. 13 km ging es nun im wesentlichen flach mit kleinen Anstiegen gespickt in ein Hochtal hinauf. Die Sonne kam heraus und wir liefen mit spektakulären Ausblicken auf einen Gletscher direkt vor uns immer nach Süden. Nach 29 km verließen wir die Forststraße und bogen nach rechts auf einen Steig ab, der uns auf den nächsten 3 km 1.000 Hm nach oben zur Birnlücke und damit über den Alpenhauptkamm führen sollte. Im steilen Anstieg sahen wir die Rennsemmeln über und Bernd unter uns bis die Wolken herabsanken und uns kurz vor der Birnlücke auf knapp 2.700 m ü.NN. in windig feuchten Nebel hüllten. Auf dem Abstieg sammelten wir die Rennsemmeln ein und liefen ins Tauferer Ahrntal im italienischen Südtirol hinab. Die letzte Verpflegungsstation ließ auf sich warten und an der Station erfuhren wir, dass sie 2 km nach hinten hatte verlegt werden müssen, da es an einer Zufahrtsgenehmigung fehlte. Die letzten 8 km ging es recht flach im Tal bergab und wir lieferten uns noch ein kleines Rennen mit zwei Dänen, die uns am Ende nicht mehr folgen konnten. Nach 6:13 Std. erreichten wir als 15.Mixed-Team und erstmalig vor den Rennsemmeln erschöpft aber glücklich das Ziel. Nur 3 Minuten später kamen Ralf und Steffen und innerhalb der nächsten 40 Minuten auch Bernd und Tilo und Sandra und Michi. Da im winzigkleinen Prettau keine Zimmer zu haben waren, waren wir in Sand in Taufers untergebracht. Mit dem Shuttle ließen wir uns zur Pension fahren und gingen abends gemeinsam in Sand in Taufers essen, da das Shuttle-Fahren zur Pasta-Party viel Zeit gekostet hätte und wir alle zeitig ins Bett wollten.


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Mittwoch, 03. September
5. Etappe: PRETTAU/AHRNTAL (I)
- SAND IN TAUFERS (I)
Vertikaldistanz: 1.447 Höhenmeter im Aufstieg, 2.048 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 36,82 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Abzg. St Jakob) 236Hm, 9,8Km = 2 Std., V2 (Festhalle St. Johann) 362Hm, 18,67Km = 3 Std., V3 (Speikboden Bergstation) 1.425Hm, 30,34Km = 6 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 08.00 Uhr
Höhenprofil 5. Etappe (PDF)
     
offizielle Etappenbeschreibung: Eingerahmt von der beeindruckenden Gipfelkette der Zillertaler Alpen im Norden und der Rieserfernergruppe im Süden ist das Ahrntal nicht nur eines der schönsten sondern auch der längsten Südtiroler Täler. Auf der 5. Etappe kommen daher auch die wirklichen Läufer im Teilnehmerfeld auf ihre Kosten, denn die ersten 22 Kilometer führen leicht fallend aus dem Tal von Kasern nach Luttach, wo der lange Anstieg auf den Speikboden wartet. Bei der Endabrechnung in Sand in Taufers werden knapp 1.500 Höhenmeter und 37 Kilometer notiert.
     
Tilo: We are back!!!

Diesen Spruch machte Bernd so ungefähr bei km 28 und er sprach mir aus dem Herzen. Heute früh mit dem Auto nach Prettau; Start 8 Uhr. Die ersten 24 km geht es faktisch im langgezogenen Ahrntal immer bergab, dem heutigen Etappenziel entgegen. Zwischendurch immer wieder mal ein kleinerer Anstieg links oder rechts die Talhänge hoch und vor allem sehen und hören wir unsere Fans an gleich zwei Stellen. Kurz vor dem heutigen Etappenziel biegen wir scharf rechts ab und erklimmen den Speikboden, das Skirevier von Sand in Taufers.  Auf 6 km geht es 1.000 Hm bergauf. Mitten am Berg überholen wir das Mixteam Naturpark Lechtal. Magdalena Schiffer hat eine Wadenverletzung und kann trotzdem noch lächeln als wir vorbeiziehen. Bitter für die Sieger der vergangenen Jahre, welche auch dieses Jahr knapp auf Platz 2 hinter dem favorisierten Team Salomon (Gaby Steigmeier, Stephan Tassani-Prell) lagen.
An der Bergstation Speikboden
  unsere wunderbaren Fans, die kriegen sich gar nicht ein: Bernd und Tilo vorn, das gab es nur auf der ersten Etappe  und die sehen auch noch gut aus. Uns geht es heute so was von gut, wir fliegen förmlich die 1.200 Hm den Berg hinunter. Ein herrlicher Trail steil bergab, aber viel im Wald auf weichem Nadelboden, der schönste Abstieg der diesjährigen Tour. Vor allem geht es den Berg herunter und zack ist man im Ziel. Das ist besser als mit total festen Oberschenkeln noch 5 bis 10 km in irgendeinem Tal langzurennen. Im Ziel sind wir es heute, welche die anderen beiden versorgen als sie ankommen.

Ergebnisse 5. Etappe:

Team Rennsemmeln:        04:46:15h      Men: Platz 22                       Gesamt: Platz 49

Team Salomon 5:                04:17:12h      Masters: Platz 45                 Gesamt: Platz 127

Tom (Team Sixteen Summits):

Die 5. Etappe wartete mit einem ungewöhnlichen Höhenprofil auf die Läufer. Zunächst ging es 23 km das Ahrntal hinunter. 500Hm bergab, immer wieder gespickt mit biestigen kleinen Anstiegen auf wechselndem Terrain: Lange Asphaltpassagen, rutschige Waldwege, Wiesen- und Fahrradwege warteten auf uns, bevor es ab Luttach knapp 1.000 Hm bergan auf den Speikboden ging. Schon die ersten 23 km hatten sich scheinbar ewig hingezogen. Der Aufstieg zum Speikboden stellte sich aber auch nicht als viel besser dar. Zunächst ging es noch auf recht steilen Waldpfaden hinauf, so dass man wenigstens zügig an Höhe gewann. Irgendwann bog der Weg dann aber auf eine nicht mehr enden wollende Forststraße ab, die eigentlich zu flach zum Gehen, für unsere geschundenen Muskeln aber zu steil zum Laufen war. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten wir die Anfeuerungsrufe und Rasseln „unserer Mädels“ und weitere unendlich lange Minuten später hatten wir Andrea und Co. und den höchsten Punkt des Tages am Speikboden erreicht. Ab jetzt ging es nur noch bergab, was aber an diesem Tag auch nicht gerade eine Freude war. Danielas Oberschenkel wollten nicht mehr und als Daniela bereits relativ weit oben ankündigte, wohl bergab wegen ihrer Oberschenkel nicht laufen zu können, sondern gehen zu müssen, stellte ich mich auf weiterwandern ein. Anders als erwartet, liefen wir dann aber doch die gesamte Strecke bergab, wenn auch langsam. Woher Daniela die Kraft nahm, ist mir bis heute ein Rätsel. Der Weg war eigentlich ein schöner weicher Waldweg, der sich allerdings ziemlich steil bergab durch die Bäume Richtung Sand in Taufers schlängelte. Von der Schönheit bekamen wir leider an diesem Tag nicht so viel mit. Bergablaufen gehört normalerweise zu unseren Stärken. Jedoch nicht am 5. Tag und so erlebten wir auch einmal, wie es den Teams geht, die sich bergab grundsätzlich schwer tun und auf den letzten Kilometern immer noch viele Teams passieren lassen müssen. Uns hat es nicht so gestört. Wir waren einfach nur dankbar, als uns Andrea einen Kilometer vor dem Ziel erwartete und den letzten Kilometer mit vielen aufmunternden Worten neben uns herlief. Es war einfach nicht unser Tag. Die Überraschung des Tages wartete jedoch 200m vor dem Ziel auf uns. Dort überholten wir nämlich das Team Naturpark Lechtal, die Mixed-Sieger der beiden Vorjahre und aktuellen Zweitplatzierten. Magdalena Schiffer hatte einen dicken Verband am Knie und es bedurfte keiner großer hellseherischer Fähigkeiten um vorherzusagen, dass die Beiden am nächsten Tag nicht mehr starten würden. Das Rennen hatte sein zweites prominentes Opfer gefordert und verglichen mit Magdalena und Markus war unsere Etappe richtig gut gelaufen. Wir hatten uns gequält, wir hatten gekämpft und wir waren angekommen. 4:53Std. und Platz 21 waren sicher nicht unser bestes Ergebnis aber so sind Etappenrennen: Nur wer sich auch durch die schweren Tage kämpft, kommt am Ende ins Ziel und abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss. Auch die Rennsemmeln hatten nicht ihren besten Tag erwischt und waren nur 7 Minuten vor uns im Ziel. Ganz anders Bernd und Tilo, die ihre Kräfte von Tag zu Tag wiedererlangten und sich anschickten, das Feld von hinten aufzurollen: 4:17Std. und der 18. Platz bei den Masters waren eindeutige Signale. Sandra und Michi kamen keine Viertelstunde nach uns ins Ziel und auch wenn Sandra – wie meist direkt nach dem Zieleinlauf – etwas ferngesteuert wirkte, ging es den beiden gut. Insbesondere waren sie im Gegensatz zum Vorjahr verletzungsfrei geblieben.

Am Nachmittag gönnten wir uns als Belohnung für die Strapazen ein superleckeres Eis, denn Andrea hatte uns fachkundig beraten: Eis sei gut für die Oberschenkel, müsste aber von innen wirken. Gesagt getan!
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Donnerstag, 04. September
6. Etappe: SAND IN TAUFERS (I) - ANTHOLZ-MITTERTAL (I)

Vertikaldistanz: 1.983 Höhenmeter im Aufstieg, 1.612 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 24,83 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 4,5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Brücke Reinbach) 690Hm, 9,24Km = 2,5 Std., V2 (Rieserfernerhütte) 1.905Hm, 17,23Km = 5,5 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 08.00 Uhr
Höhenprofil 6. Etappe (PDF)

     
offizielle Etappenbeschreibung: Relativ kurz aber dafür umso knackiger, das ist die Devise für die 6. Etappe von Sand in Taufers nach Antholz-Mittertal. Mit 24 Kilometern ist die Route durch die Rieserfernergruppe zwar die kürzeste aller Etappen beim Transalpine-Run 2008, doch die knapp 2.000 Höhenmeter haben es in sich. Steil zieht der Weg vom Reintal, einem Seitental des Ahrntals, zur Rieserfernerhütte am Gänsebichljoch, mit 2.791 Meter der höchste Punkt der gesamten Strecke. Eine ideale Route für die „Kletterer“ unter den Teilnehmern.
     
Tilo: Das Dach der Tour

Heute ist wieder 8 Uhr Start, nur 25 km, nur 2.000 Hm, nur ein Berg. Im Prinzip ein 16 km langer Anstieg bis zum höchsten Punkt, der Riesenfernerhütte auf 2.792 m. von dort 8 km bergab und wir sind in Antholz. Trotzdem, vor allem im ersten Teil des Abstiegs sehr alpin, die ersten 200 Hm des Abstieges dürfen nicht überholt und nicht gerannt werden. Da die Meteologen eine Schlechtwetterfront ankündigen, ist am Abend vorher nicht klar, ob wir über den Gipfel laufen können oder nicht. Am Wettkampftag dann während des Rennens Entwarnung, es gibt zwar Niederschlag, aber da am Gipfel noch etwa 5 Grad plus sind, ist kein Schnee in Sicht und nur der hätte den schwierigen Abstieg verhindert. Der lange gleichmäßige Anstieg kommt mir sehr gelegen. Weite Teile davon kann ich sogar noch rennend zurücklegen, was mein Laufumfeld stöhnend und kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt. Im Aufstieg überholen wir Team Salomon, das große Favoritensterben geht also weiter. Stephan hat eine Knieverletzung und Magenprobleme, es kann jeden treffen, immer und überall. An der schwierigen Passage haben wir Pech. Vor uns ein „Sportskamerad“ welcher förmlich den Berg hinunter kriecht und hinter ihm wird die Schlange immer länger. Unsere Bitte, doch mal kurz beiseite zu treten, wird erst ignoriert, dann werden wir beschimpft. Rein formal gesehen hat er sogar recht, es ist von Wolfi verboten worden zu überholen und zu rennen. Wäre er fair gewesen, einmal für ca. 10 Sekunden zur Seite zu treten und die 8 Sportler hinter sich vorbei zu lassen, wären wir geschätzte 10 Minuten eher im Ziel gewesen. Es ist aber das einzige Mal, dass ich während des ganzen Rennens so etwas wie Unsportlichkeit erlebe, die Regel ist eigentlich, dass sich alle gegenseitig helfen, bedauern, aufmuntern und anfeuern. Genau das macht auch den besonderen Reiz dieses Rennens aus. Wir haken die Sache schnell ab (gewinnen können wir eh nicht mehr) und fliegen wiederum ins Tal. Heute erreichen wir unser bestes Ergebnis, Platz 14 bei den Masters und in der Gesamttageswertung Platz 44. Steffen und Ralf kämpfen sich ebenfalls durch, Respekt!! Wenn ich früh und abends die Blasen sehe, welche an Steffens Füßen zu sehen sind und wenn ich sehe wie er humpelt, wenn er nicht rennt, bin ich so was von froh, dass meine Füße halten. Ralf hat eher Schmerzen in den Oberschenkeln, vor allem das bergab laufen bereitet ihm Probleme.

Ergebnisse 6. Etappe:

Team Rennsemmeln:        04:47:23h      Men: Platz 24                       Gesamt: Platz 56

Team Salomon 5:                04:03:26h      Masters: Platz 38                 Gesamt: Platz 115

Tom (Team Sixteen Summits):

Das Eis hatte gewirkt und unsere Oberschenkel fühlten sich tatsächlich am nächsten Morgen wieder frisch(er) und einigermaßen erholt an. Das war gut so, denn die heutige Etappe war uns geradezu auf den Leib geschnitten: Steil, hochalpin und technisch anspruchsvoll. Es ging knapp 2.000Hm bergauf zur Riesenfernerhütte und anschließend 1.600 teils sehr anspruchsvolle Höhenmeter bergab nach Antholz. Bereits nach knapp 3 km begann der Anstieg. Zunächst noch im Wald auf einem schönen Wanderweg zur Tolburg hoch mussten wir schon nach 4,5 km auf die glücklicherweise wenig befahrene Autostraße abbiegen. Diese führte uns die nächsten 5 km im Tal hoch und sowohl Daniela als auch ich waren überrascht, wie viel Kraft die Beine wieder zur Verfügung stellten, so dass wir immer wieder Teile der recht steilen Straße laufen konnten. Nach 9 km hatte die Asphaltqual ein Ende und es ging an der ersten Verpflegungsstation auf einen Steig, der mit zunehmender Höhe immer alpiner wurde. Hier konnten wir endlich unsere Berg- und Kettererfahrung und hohe Trittsicherheit ausspielen. Es lief wieder und wir liefen mit. An der Riesenfernerhütte, dem höchsten Punkt des Rennens (2.792m) wehte ein kalter Wind und es war bedeckt. Also hielten wir uns nicht lange auf und machten uns an den technisch anspruchsvollen Abstieg. Der Weg war über mehrere hundert Meter mit Holzbalken als Stufen befestigt, die feucht und glitschig waren. Daher galt auf der kompletten gefährlichen Passage Lauf- und Überholverbot. Wir hatten Glück und fanden uns nicht in einer langsamen Gruppe sondern mit recht viel Platz nach vorne und hinten wieder. Vor uns waren Ralf und Steffen, auf die wir langsam aufliefen und die wir kurz nach der gefährlichen Passage überholten. Wenig später sahen wir rechts zwei Personen in blauen Trikots mit der Aufschrift „Leader Mixed“ stehen: Stephan Tassani-Prell und Gaby Steigmeier. Die beiden hatten das Rennen bis dahin nach Belieben dominiert, doch ein Muskelfaserriss im Oberschenkel zwang Stephan am nächsten Tag zur Aufgabe. Das Favoritensterben ging munter weiter. Wir liefen, hüpften und sprangen ins Tal, so gut die Muskeln eben noch mitmachten und kamen nach 4:39 Std hochzufrieden als 15. ins Ziel. Tilo und Bernd hatten sich in 4:03Std. den Frust der ersten Tage von der Seele gerannt und mit einem 14.Platz bei den Masters gezeigt, wo sie eigentlich hingehört hätten. Steffen und Ralf kamen acht Minuten nach uns in Antholz an. Die steilen Abstiege lagen ihnen nicht so. Dennoch hatten sie sich ausgezeichnet geschlagen. Auch die Icebugs waren nach 5:33 Std. im Ziel. Eine ausgezeichnete Zeit, wenn man bedenkt, dass das hochalpine Terrain Sandra gar nicht liegt. Aber auch da zeigte sich: „Übung macht den Meister“ und Sandra wurde auf ihren „Angstpassagen“von Tag zu Tag besser und sicherer. Unsere Pension war ein paar Dörfer weiter und dort angekommen verkroch ich mich erstmal ins Bett, wo ich Fieberschübe und Schüttelfrost bekam. Ich schob es auf die Erschöpfung und entschied mich für das Bett und gegen die Pastaparty. Später sollte sich herausstellen, dass sich die Blase an meinem Fuß mit aggressiven Bakterien infiziert hatte und ich auf dem besten Weg zu einer Blutvergiftung war. Nachher ist man immer schlauer. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


Freitag, 05. September
7. Etappe: ANTHOLZ-MITTERTAL (I) - NIEDERDORF IM PUSTERTAL (I)

Vertikaldistanz: 2.788 Höhenmeter im Aufstieg, 2.870 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 42,195 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 7 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (Ochsenfelder Alm) 1.193Hm, 0,79Km = 3,5 Std., V2 (Überquerung Str. Gsiestal) 1.200Hm, 18,17Km = 4,5 Std., V3 (Gasthof Kurterhof) 2.580Hm, 33,02Km = 7,5 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 07.00 Uhr
Höhenprofil 7. Etappe (PDF)
     
offizielle Etappenbeschreibung: Auch auf der 7. Etappe von Antholz-Mittertal nach Niederdorf im Pustertal erwarten die Teilnehmer wieder einen Marathontag. Über 40 Kilometer und knapp 2.800 Höhenmeter, das dürfte nach der 2. Etappe der härteste aller Teilabschnitte auf dem Weg in die Dolomiten sein. Vom Antholzer Tal geht es zunächst über die Grüblscharte ins Gsiestal, bevor ein letzter steiler Anstieg in die westlich vorgelagerten Berge der Defregger Alpen führt. Wunderschöne Steige und einzigartige Ausblicke in die Sextener Dolomiten entschädigen hoffentlich für die Strapazen dieser Route.
     
Tilo: Heute ist „beißen“ angesagt!

Die heutige Etappe ist noch mal ein Hammer, welcher allen einen Schauer über den Rücken jagt. 42 km, 2 hohe Anstiege mit insgesamt 2.800 Hm, also fast wie der 2. Tag. Nur haben wir jetzt schon über 200 km und 11.000 Hm in den Beinen. Jetzt die gute Nachricht, morgen ab Mittag erhöhte Gewitterneigung und der 2. Gipfel ist sehr exponiert. Da um diese Zeit das Teilnehmerfeld auf etwa 5 h auseinandergezogen sein wird, ist den Verantwortlichen das Risiko einfach zu groß und sie entscheiden sich schon am Abend vorher für die Alternativroute. Das spart uns etwa 7 km und 1.000 Hm. Komisch, ich habe keinen gesehen, der sich beschwert oder darüber traurig ist, auch ich freue mich über die Erleichterung, schwer genug ist die Etappe trotzdem noch.

Es geht vom Start weg bergauf und nach 8 km und 1.200 Hm erreichen wir die Grüblscharte. Von dort bergab, Rast an der Ochsenfelder Alm und weiter bergab ins Gsiestal. Dort die 2. Verpflegung und nun leicht bergauf statt steil, bis zum Eggerberg. Von dort oben noch 600 Hm bergab und wir sind in Niederndorf. Bei uns läuft es faktisch von Tag zu Tag besser, bei Bernd geht es seit der 4. Etappe immer besser und mir ging es außer dem 3.Tag eigentlich immer ganz gut. Ich merke aber, dass es hinten raus bei mir immer besser läuft und das will ich heute noch mal zeigen. Als die Kräfte in der 2. Etappenhälfte schwinden, fange ich an zu „beißen“ und ohne Rücksicht auf Verschleiß laufen wir ins Ziel. Dort bin ich völlig k.o. aber trotzdem hochzufrieden. Nach einer halben Stunde sitzen, viel essen und trinken ist alles wieder gut.

Ergebnisse 7. Etappe:

Team Rennsemmeln:        04:42:16h      Men: Platz 24                       Gesamt: Platz 54

Team Salomon 5:                04:21:34h      Masters: Platz 36                 Gesamt: Platz 109

Tom (Team Sixteen Summits):

Nach 15 Stunden im Bett fühlte ich mich am Morgen des 7. Tages zwar noch ziemlich zerschlagen aber fit genug, um zu starten. Vor allem war ich dankbar, dass die Etappe aufgrund drohenden Gewitters entschärft worden war. Statt der geplanten 42,195 km und 2.788 Hm über Grübelscharte, Hochhorn und Hochhorngrat erwarteten uns heute nur 34 km und rund 1.800Hm. Die Veranstalter hatten sich entschlossen, den Weg nicht über das Hochhorn und den Hochhorngrat zu führen, da auf diesem hochalpinen und exponierten Steig die Gefahren bei Gewitter und Sturm nicht mehr beherrschbar gewesen wären. Eine Entscheidung für die Sicherheit der Läufer, die gerade vor dem Hintergrund des Dramas beim diesjährigen Zugspitzlauf auf viel Verständnis und Zustimmung stieß. Mir war die Streckenverkürzung besonders recht. Der Fuß wurde nicht besser und die letzte Nacht hatte mein Vertrauen in die eigenen Kräfte nicht gerade gestärkt. Statt um 7.00 Uhr wurde um 8.00 Uhr gestartet und bereits nach 1,5 km begann der Aufstieg zur Grüblscharte. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht stiegen wir in Serpentinen auf einem schmalen Steig bergan bis wir nach knapp 8 km und 1.200 Hm die Grüblscharte erreichten. Es hatte begonnen zu nieseln und mir war kalt. Bernd, Tilo, Steffen und Ralf hatten sich bereits frühzeitig nach vorne verabschiedet und Michi und Sandra waren nur wenige Meter hinter uns, als wir uns durch Wiesen- und Waldwege auf den Abstieg zur ersten Verpflegungsstation machten. Ab da ging es auf einer Forststraße weiter im leichten Regen flach bergab ins Tal, wo wir nach 18 km Andrea, Alice und Katja sowie die zweite Verpflegung erreichten. Statt uns nun auf das Hochhorn zu führen, verlief der Weg im Tal auf Wander- und Fahrradwegen hinab, bis wir talauswärts links auf eine Forststraße abbogen, die uns die nächsten Kilometer stetig bergauf zum Ratsberg führte. Die Straße zog sich im Wald nicht allzu steil bergauf und wenn man Kraft gehabt hätte, hätte man große Passagen laufen können. Uns fehlte sie. Also gingen wir schnellstmöglich im mittelgebirgsartigen Gelände der dritten Verpflegung entgegen. Beim Blick zurück sahen wir noch Sandra und Michi um die Ecke biegen, als wir die Station verließen. Nach weiteren 2 km erreichten wir den Ratsberg und machten uns auf die letzten 7 abfallenden Kilometer. Wider Erwarten konnten wir sogar wieder laufen und nach 4:57 Std. nahm auch diese Etappe ein Ende. Der 22. Rang war uns völlig egal. Mittlerweile ging es nur noch darum, in Sexten anzukommen. Keine Minute nach uns kamen auch unsere Icebugs ins Ziel. Bernd und Tilo waren dort bereits seit einer guten halben und Ralf und Steffen einer viertel Stunde. Am Abend gab es bei der Pastaparty Reis mit Reis, wonach nicht allen der Sinn stand, so dass Sandra, Michi, Andrea, Alice, Daniela und ich in ein Restaurant gingen, das offenbar mit dem Ansturm von etwa 20-30 Läufern komplett überfordert war. Daniela bestellte ihr Cordon Bleu nach über einer Stunde Wartezeit wieder ab. Ich hielt daran fest. Als es dann nach knapp anderthalb Stunden kam, war der Hunger allerdings weg und das Essen schmeckte auch nur mäßig. Schöne Bilder des Tages und die Aussicht, am nächsten Tag durch eine der spektakulärsten Landschaften der Welt zum Endziel zu laufen, versöhnten uns mit dem Abend und wir fielen todmüde ins Bett.
 

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Sonnabend, 06. September
8. Etappe: NIEDERDORF IM PUSTERTAL (I) - SEXTEN (I)

Vertikaldistanz: 2.120 Höhenmeter im Aufstieg, 1.969 Höhenmeter im Abstieg.
Horizontaldistanz: 33,88 Kilometer.
Ø Zeitbedarf: ca. 5,5 Stunden (10 km/Stunde horizontal, 600 Hm/Stunde vertikal).
Zeitlimits: V1 (P Überquerung Str. Toblach-Cortina) 166Hm, 9,8Km = 2 Std., V2 (Dreizinnenhütte) 2.097Hm, 22,96Km = 5,5 Std., V3 (Talschlußhütte) 2.110Hm, 28,22Km = 7 Std. (7 km/Stunde horizontal, 500 Hm/Stunde vertikal).
Startzeit: 08.00 Uhr
Höhenprofil 8. Etappe (PDF)
     
offizielle Etappenbeschreibung: Die Schlussetappe des GORE-TEX™ Transalpine-Run 2008 führt von Niederdorf im Pustertal in den herrlich gelegenen Dolomitenort Sexten. Bevor allerdings die Ziellinie in Sexten überquert werden kann, heißt es noch einmal einen echten Marathon zu absolvieren, der es zudem mit knapp 2.200 Höhenmetern wirklich in sich hat. Die Kulisse dieser Etappe könnte allerdings nicht atemberaubender und schöner sein, denn mit den Drei Zinnen, dem Wahrzeichen der Dolomiten, erreicht das Teilnehmerfeld nach einer ereignisreichen und unvergesslichen Woche endlich das ersehnte Ziel.

Tilo: Das krönende Finale

Alle die heute an den Start gehen schaffen es! Es ist so ein bisschen wie die letzte Etappe der Tour de France, wo auch schon mal während des Rennens ein Gläschen Prosecco getrunken wird. Die Strecke heute geht unmittelbar an den drei Zinnen vorbei, eine Gegend in die ich als Bergsteiger schon seit vielen Jahren einmal will. Am Start mache ich Bernd den Vorschlag, heute nicht auf die Zeit zu achten sondern die Strecke mit Ralf und Steffen gemeinsam zu absolvieren. Bernd stimmt zu, für uns geht es sowieso um nichts mehr, also ist heute genießen angesagt. Während des Laufens merken wir schnell, bei Ralf und Steffen geht heute nicht mehr so viel. So wie die Füße von Steffen aussehen, sind die Schmerzen bestimmt ganz übel und Ralf scheint neben den schmerzenden Muskeln auch ein kleines mentales Problem zu haben. Hallo Ralfi, weißt du warum wir das hier freiwillig machen: weil`s Spaß macht!!
Scherz beiseite, die beiden freuen sich wie wir auch, dass es der letzte Tag ist und morgen mal nicht laufen auf dem Tagesplan steht. Von Niederdorf geht es im Tal am Toblacher See vorbei erst einmal 10 km flach bis zur ersten Verpflegung. Ab da laufen wir den immer steiler werdenden Singletrail Richtung Lückelescharte
  hinauf. Erst noch durch Wald, später über das typisch weiße Gestein, welches dem Gebirge seinen Spitznahmen verlieh „die bleichen Berge“. Am Berg gehe ich heute ganz entspannt nach oben und staune was das für einen Unterschied ausmacht, wenn man nicht am Limit läuft. Eine völlig neue, aber sehr angenehme Erfahrung. Ich habe genügend Zeit die schöne Umgebung zu genießen, nur Schade, dass der Accu an Bernds Fotoapparat nach 2 Bildern seinen Geist aufgibt. Unter der Scharte sogar noch einmal eine Stelle wo wir ein bisschen Klettern können, einfach herrlich. Diese Abschnitte haben wir vermisst, das ist unser Terrain. Beim Blick zurück können wir unter uns die Rennsemmeln erkennen, sie liegen geschätzte 10 min hinter uns. Das war der letzte große Aufstieg der Tour, 1.200 Hm auf 5 km, jetzt haben wir es endgültig geschafft. Vom Joch joggen, also ganz locker bergab und auf der anderen Seite hoch zum Gwengalpenjoch. Dort die große Überraschung. Den Kerl mit der Kamera kenne wir doch, oder? Mark, ein guter Freund, ist gestern mit seiner Freundin Nadine in Niederndorf angekommen. Ursprünglich wollte er selbst mitlaufen und jetzt ist er ganz heiß drauf, wenigstens ein bisschen „Atmosphäre“ zu schnuppern. Jetzt sind sie hoch zur Dreizinnenhütte gewandert und empfangen uns mit ohrenbetäubendem Lärm. Mark macht einige schöne Fotos von uns und wir laufen weiter zur Hütte, der 2. Verpflegungstelle des heutigen Tages. Am liebsten hätte er wohl heute früh die Laufschuhe geschnürt und wäre mit uns mitgelaufen, nächstes Jahr, da gehe ich jede Wette ein, steht sein Name mit auf der Startliste.
An der Dreizinnenhütte besorgt Bernd erst mal 4 Radler und als Ralfi und Steffen ankommen stoßen wir erst mal an.
  Beim anschließenden Abstieg bis zur Talschlusshütte genießen Bernd und ich noch einmal den Rausch der Geschwindigkeit, er lässt sich einfach herrlich runter rennen.  Steffen und Ralf lassen die Sache etwas geruhsamer angehen und so können wir km 5 und 4 vor dem Ziel wandernd zurücklegen ehe die beiden wieder aufschließen. Die letzten 3 km laufen wir gemeinsam und je näher wir dem Ziel kommen, desto mehr hellen sich Ihre Minen auf. Spätestens als Ralf schließlich bemerkt, dass es eigentlich schade sei, dass wir morgen gar nicht den vor uns liegenden Gegenhang hinaufrennen müssen, haben wir alle beste Laune. Jetzt ist das Ziel schon zu hören, noch eine Rechtskurve  und da sind sie zum letzten Male, die Rasseln unserer treuen Fans. Ein Küsschen für Andrea und wir überqueren geschafft aber überglücklich gemeinsam zu viert die Ziellinie!
Jetzt gibt es für jeden die Medaille und dann liege ich mir auch schon mit Andrea und Alice in den Armen. Die beiden waren eine Woche lang hautnah dabei und sind von dem Finale genauso überwältigt wie wir Läufer.
 
Nachdem wir uns etwas beruhigt haben, schlagen wir uns im Zielgelände den Magen voll und beobachten die später einlaufenden Läufer. Überall das gleiche, jubelnd, weinend, schreiend, auf jeden Fall überglücklich überquert ein Team nach dem anderen die Ziellinie. Ich kriege beim Schreiben schon wieder Gänsehaut.
Jetzt schnell in die Unterkunft, duschen und zurück zur Abschlussparty.
  Schon 15 km vor dem Ziel beklatschte uns ein Wanderer mit den Worten „heute Abend gibt es Ochsen am Spieß“.

Ergebnisse 8. Etappe:

Team Rennsemmeln:        05:51:36h      Men: Platz 24                       Gesamt: Platz 57

Team Salomon 5:                05:51:36h      Masters: Platz 36                 Gesamt: Platz 104

Zur großen Abschlussparty im Festsaal von Sexten können wir einen ganzen Tisch ergattern und in Ruhe das Abschlussessen und
  die Siegerehrung genießen.
Zwischen den ganzen Dankesreden und Ehrungen ergreift heute Abend auch Bernd das Wort. Er steht mit Jona im Arm auf der Bühne und erklärt vor allen Gästen seine Liebe zu Katja, mit der anschließenden Frage, ob sie will (na ihr wisst schon…) Das OK geht im tosenden Applaus von 500 Menschen unter.
Jetzt kommt der für alle wichtigste Teil, welchem ich ein bisschen wehmütig entgegen sehe. Die Übergabe der Finishershirts. Mit der Startnummer 5 werde ich als einer der ersten auf die Bühne gerufen, leider darf aber Bernd nicht mit vor. Effektiv ist er gerade mal 20 km weniger gelaufen als ich, gequält hat er sich allemal mehr, trotzdem besagen die Regeln, dass er keins bekommt, irgendwie doch ungerecht. Zum Abschlussfoto versammeln sich noch einmal alle auf der Bühne und der "Highway to Hell" putscht ein letztes Mal alle auf.
Ab jetzt heizt ein DJ den Massen ein, wir verlassen die Party jedoch, erstens sind wir doch ziemlich müde, zweitens wollen wir
  morgen zeitig losfahren.
Auf der Rückfahrt Regenwetter in Österreich, Stau bei München, ich könnte die ganze Zeit schlafen, war doch ein bisschen anstrengend die letzte Woche.

Tom (Team Sixteen Summits):

Durch das Herz der Dolomiten sollte es an den drei Zinnen vorbei nach Sexten - Zielort des 4. Transalpine Run – gehen. Das Wetter meinte es wieder gut mit uns. Es war teils sonnig, teils leicht bewölkt aber nicht zu warm. Daniela hatte Magen- Darm-Probleme und lief daher erstmalig ohne eigene Trinkblase. Mir ging es wieder besser und die Aussicht, heute ins Ziel zu kommen, entfesselte letzte Kräfte. Zunächst ging es 10 km flach im Tal hinauf Richtung Cortina auf einem breiten Wanderweg. Echtes Laufterrain! Das letzte, was wir heute gebrauchen konnten. Auch wenn uns ganz und gar nicht danach war: Wir liefen, jedenfalls meistens. Die ersten 10 km waren für uns die schwersten des Tages. Die Beine wollten nicht mehr. Der Kopf eigentlich auch nicht. Nur der Wille zwang uns vorwärts. Bernd, Tilo, Steffen, Ralf, Sandra und Michi verschwanden bald vor uns. Jeder kämpfte nur noch mit sich selbst. Endlich nahm die Qual ein Ende und es ging 1.250 Hm steil bergauf zur Lückelescharte. Daniela legte einen ausgezeichneten gleichmäßigen Schritt vor und wir reihten uns in den Zug der Läufer ein. Unser koreanischer Mitstreiter wuselte ständig um uns herum, damit beschäftigt, jeden Moment des Rennens foto- bzw. videografisch festzuhalten. Der gute Mann war die komplette Transalpine-Run-Strecke mit einer digitalen Spiegelreflexkamera in der einen und einer Videokamera in der anderen Hand gelaufen. Kaum vorzustellen, wie schnell er ohne Kameras hätte sein können. Daniela zeigte sich davon überzeugt, dass es sich um einen Journalisten handeln müsse und im nächsten Jahr halb Korea hier am Start sei. Das einzig negative Erlebnniss hatten wir wenige Meter vor der Lückelescharte, als im unwegsamen Geröll ein Mitläufer meinte, querfeldein überholen zu müssen und dabei etliche Steine direkt über uns lostrat. Als ob er das Rennen noch hätte gewinnen können... Auf der Lückelescharte trafen wir Sandra und Michi. Sandra hatte Nasenbluten bekommen und sich gerade vom stets bereiten Rescueteam versorgen lassen. Diese Jungs sind wirklich unglaublich. An den unmöglichsten Stellen stehen sie mit Mountainbikes, Motocrossrädern oder zu Fuß, um ihre Hilfe anzubieten oder einfach nur anzufeuern. Nach der Lückelescharte fanden wir uns auf einmal im Herzen der Dolomiten wieder. Zwischen Zwölferkogel, Dreischusterspitze und Drei Zinnen ging es zunächst bergab und dann wieder bergauf zum Gwengalpenjoch. Über Klettersteige, alpine Wanderwege und Hochalmen liefen wir Richtung Drei- Zinnen-Hütte, wo die zweite Verpflegung auf uns wartete. Und sie ließ auf sich warten. Die 13 km zwischen den Stationen wollten kein Ende nehmen. Nun rächte sich auch, dass wir nur eine Wasserblase dabei hatten. Der Mund wurde immer trockener, das Verlangen nach Essen und Getränken nahm minütlich zu. Da wir ohnehin keinen dritten Schuster dabei hatten, verzichteten wir auf einen Abstecher zur Drei-Schuster-Hütte. Als wir endlich an der Drei-Zinnen-Hütte ankamen, stürzte ich mich auf die Orangen und nahm dabei nicht einmal wahr, dass Sandras Vater Walter an der Hütte stand und uns aber insbesondere Sandra und Michi erwartete. Auch Daniela war zu ausführlicher Konversation nicht mehr in der Lage und so machten wir uns an den letzten Abstieg des Laufes. Wir kannten den Weg vom letztjährigen Drei-Zinnen-Lauf schon und er war weder kürzer noch einfacher geworden. An der Talschlusshütte verließen wir das alpine Gelände und liefen auf den letzten 5 km unserem persönlichen Triumph entgegen. 500m vor dem Ziel bekamen wir ein Gläßchen Prosecco mit Orangensaft,das wir genossen und kurz darauf waren wir nach 6:10Std. als 20. Mixedteam im Ziel. Leider hatten wir es versäumt, kurz vor dem Ziel nach hinten zu schauen, sonst hätten wir Sandra und Michi gesehen, die keine Minute hinter uns waren. Schade, denn ein gemeinsamer Zieleinlauf, wie ihn Steffen, Ralf, Tilo und Bernd 20 Minuten vorher hatten, blieb uns damit verwehrt. Von der Finisherparty erlebte ich leider nur das erste Drittel, da mein Immunsystem am Abend den Dienst quittierte. Michi fuhr mich in die Pension, wo ich von Fieber und Schüttelfrost geplagt eine schlechte Nacht durchlebte. So verpasste ich auch, dass Bernd seiner Katja vor allen Leuten auf der Bühne einen Heiratsantrag machte, der auf Gegenliebe stieß. Auch auf dem Finisherfoto sucht man mich vergebens. Auf mein Finisher-T-Shirt bin ich deswegen nicht weniger stolz und Daniela hat auch am letzten Abend die Farben unseres Teams bravourös hochgehalten. Am Ende erzielten wir einen für uns hervorragenden 14. Rang in der Mixed- Wertung. Die Icebugs waren konservativ gelaufen, hatten Verletzungen vermieden und erzielten einen guten 27. Platz. Die Rennsemmeln wurden bei den Herren ausgezeichnete 24. und Team Salomon 5 in der Masters-Katgorie 36., was aber nicht annähernd ihrem Leistungsniveau entsprach, sondern an der Strafzeit für das Aussteigen auf der 2. Etappe und den gesundheitlichen Problemen der ersten Tage lag. Die Härte des Rennens lässt sich daran ablesen, dass von über 240 gestarteten Teams nur 167 Teams das Ziel erreichten. In der Mixed-Kategorie kamen 50 von 65 gestarteten Teams an, die beiden deutlich führenden Teams kamen beide nicht ins Ziel. Für mich hatte der Lauf noch ein übles Nachspiel. Ich erlitt eine Blutvergiftung und das rechte Bein entzündete sich knieabwärts (Phlegmone) so kritisch, dass ich nach 2 Wochen Krankenhausaufenthalt und bisher 3 Operationen am Fuß zum Entfernen abgestorbenen Gewebes noch nicht absehen kann, wann es wieder mit Sport losgeht. Daniela läuft schon wieder mit Spaß. Ich habe auch wieder Lust darauf und trotz aller Komplikationen:               Ja, ich würde es wieder tun!

Tom
 

Versuch eines Fazits:
Es war wieder ein großartiges Erlebnis, mit unwahrscheinlich intensiven Eindrücken.
Die neue Route finde ich schwerer, obwohl sie rein technisch gesehen eher leichter zu laufen ist. Aber die Mehrkilometer, das mehrmalige frühe Aufstehen, das später im Ziel ankommen und der fehlende "Ruhetag“ ergeben in der Summe weniger Erholungszeit und damit größere Anstrengung. Kompensiert haben wir das mit dem Weglassen einiger Pastapartys und der täglichen Massage von Andrea. Darauf haben sich alle immer ganz doll gefreut, die Massagebank war abends immer der zentrale Anlaufpunkt für uns Läufer und Andrea nicht nur Physio- sondern manches Mal auch Psychotherapeutin. Überhaupt gebührt unserem Betreuungsteam besonderer Dank. Sie kümmerten sich um alles wenn wir gestartet waren, und im Ziel war immer schon alles vorbereitet, wir brauchten quasi nur zu laufen. Zwischendurch standen die Mädels aber immer noch so oft wie möglich an der Strecke und feuerten uns an. Im Laufe der Etappen wurden sie zu einem der bekanntesten Fanclubs und viele Teams bedankten sich im Ziel für diese Unterstützung. Danke!!!

 

Ralf:

Da die bereits vorhandenen Berichte diesen Lauf sehr schön beschreiben – von mir nur ein kurzes Fazit:
Das ist eine supergut organisierte, extrem anspruchsvolle Laufveranstaltung, die ich nicht mehr vergessen, aber sicherlich auch nicht wiederholen werde. (Das habe ich meiner Frau geschworen!)
Ich hätte nicht vermutet, wieweit man seinen Körper an das absolute Limit führen kann und vielleicht auch darüber. So, jetzt geht es mit den Danksagungen los.
Zuerst möchte ich meinem Laufpartner Steffen danksagen, dass er mich nicht allein hat weiterlaufen lassen, obwohl seine Füße echt katastrophal aussahen und ich mir die Schmerzen
  zu Beginn eines jeden Tages nicht einmal vorstellen möchte.
Danke an unsere Fans Katja und Alice, aber insbesondere natürlich an Andrea, die uns nicht nur jeden Nachmittag wieder fit gemacht hat, sondern auch Mentaltrainer vor jedem Start war.
Wenn ich mir jetzt die Berichte und Bilder so ansehe, bin ich echt stolz auf uns und die Leiden habe ich schon wieder fast vergessen.
Naja, es gibt da ja noch die Westroute......
Ralf

Steffen:

Auch ich möchte mein persönliches Fazit, meine Gedanken und meinen Dank zu diesem Irrsinn zum Ausdruck bringen.
Nach dem überqueren der Ziellinie war ich völlig leer, ohne Gefühle und Emotionen. Ich befand mich irgendwo im Vakuum zwischen
-          „ich lebe - es ist vorbei“,
-         „ich habe es geschafft- nie wieder“,
-         „keinen Schritt mehr - was kann denn jetzt noch kommen“,
-         „werde ich jemals auf meinen Füssen schmerzfrei gehen können…“.
Der Stolz, das Glück und die Zufriedenheit wollten sich nicht so richtig einstellen, vermutlich fehlte dazu einfach die Kraft….. Es war etwas zu Ende auf das ich einen Grossteil meiner Energie verwendet hatte und ein ¾ Jahr hingearbeitet hatte und nun war nix übrig außer Schmerzen und eben diese Leere und die Gewissheit an meinem Ziel angekommen zu sein. Ich habe mich sofort dem Schwur von Ralf angeschlossen, diesen Irrsinn nicht noch einmal!
Über vier Wochen nach dem Ende des Gore-Tex 2008 habe ich noch immer mit der Blase am rechten Fuß zu kämpfen, aber ich weis es gibt schlimmere Sachen, siehe Thomas! Jegliche Versuche eine schnellere Gangart als Gehen einzulegen sind derzeit noch zum Scheitern verurteilt, aber ich freue mich schon darauf, wenn es wieder läuft……und………

inzwischen bin ich stolz - und zwar mächtig stolz - und dankbar was damals, in der Woche mit den vielen Schmerzen, passiert ist….

  • die Freundschaft zwischen Ralf, Tilo, Bernd und mir
  • die Verbundenheit mit Daniela, Sandra, Thomas und Michael (Daniela wird wohl drauf verzichten weil ich doch so unsensible Komplimente mache…. Ich entschuldige mich nicht, denn es war ein ehrliches, überzeugtes Kompliment - ausschließlich positiv zu verstehen. Jegliche situationsfremde Interpretation und Wiederholung des Komplimentes wird diesem nicht gerecht!)
  • die hervorragende, einzigartige, unbezahlbare Unterstützung vom Fanblock Andrea, Alice und Katja

inzwischen habe ich begriffen

  • es gibt Blasen in der Blase der Blase der Blase…….
    was wir unseren Körpern zugemutet haben, was wir geleistet haben
  • dass unser Wille uns über die Alpen getragen hat
  • dass ich das alleine nicht schaffen möchte, sondern immer mit Freunden
  • dass es ein riesiger Erfolg ist, der unzerstörbar ist

inzwischen bin ich
mir nicht mehr so ganz sicher, dass mir so ein Irrsinn nicht doch noch mal passiert

  • richtig stolz es geschafft zu haben
  • glücklich dabei gewesen zu sein

inzwischen sind mir neue Ziele eingefallen und ich habe auch schon ein paar erreicht, ich sage nur:

-          neue Fenster

-          Fussbodenheizung

-          Drainage

Rennsemmel und Startnummer 185-2

Steffen

 

Gesamtdistanz:
Vertikaldistanz: ca. 14.910 Höhenmeter im Aufstieg
Horizontaldistanz: ca. 290,85 Kilometer

 


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