Dublin Marathon 2008

   
Datum: 27. Oktober 2008 Strecke: Marathon
Ort: Dublin weitere Strecken:  
Internetadresse: http://adidasdublinmarathon.ie/    

Art des Laufes:  

Besonderheiten/ Kommentare:

Anspruch:  

 

 

Stimmung:
Organisation:
Verpflegung:
Startgeld:
Wetter:

Ein Bericht von Sylvia Schubert

Dublin Marathon 2008

Dublin empfing uns spektakulär. Heftiger Sturm zwang den Piloten die Landung abzubrechen und durchzustarten. Im zweiten Anlauf klappte es dann. Wir landeten etwas flott, aber sicher.
Der Samstag blieb stürmisch und es regnete geradezu in Strömen.

Wir holten unsere Startunterlagen ab. Die Marathonmesse war von adidas dominiert und deshalb fehlten alle anderen bekannten Marken der Laufbranche. Das schränkte die Shoppinglaune etwas ein. Aber wenigstens waren schöne Dublin-T-Shirts im Angebot.

Der Sonntag zeigte sich etwas freundlicher, noch immer blies ein kalter Wind und gelegentlich regnete es auch wieder heftig. Der Wetterbericht sagte für den Montag Besserung voraus, nur kann man sich darauf verlassen? Mit gut Pasta im Bauch und noch einem bangen Blick zum Himmel zogen wir uns beizeiten in unser Hotel zurück. Offen blieb die wichtige Frage: Was ziehen wir morgen an?

Montag. Um 6.30 klingelt der Wecker. Der erste Blick geht gen Himmel. Der ist blau und die Sonne schient, aber es ist bitter kalt. Aufgeregt gehen wir zum Frühstück. Danach muss die Entscheidung zur „Kleiderordnung“ fallen. Wie wir im Nachhinein in der Zeitung lesen, zeigt das Thermometer nur 6°C an. Wir entscheiden uns für die Mitte: Kniestrümpfe, ¾ -Hose für mich, Michiel nimmt die kurze, kurzärmliges Shirt, darüber ziehe ich die Laufweste, Michiel die Jacke. Im warmen Flies machen wir uns auf zum Start. Das Gepäck wird unter freiem Himmel gelagert. Ja, die Iren sind in Sachen Wetter Optimisten. Es gibt reichlich ToiTois (mit Spülung!!!) auf dem längeren Weg zum Start. Dann müssen wir uns trennen, denn ich hatte eine Zeit über vier Stunden angegeben und starte in einem zweiten Läuferfeld.

Im Starterfeld der fast 12.000 Läufer schafft Nähe Wärme. Ich bin in eine Plastikfolie gewickelt und fühle mich ganz gut. Bevor der Startschuss fällt, fallen noch einige kluge Sprüche: „Don’t worry, there is enough space ahead of you.“ oder „It is not the distance that kills you, it is the speed.“ Na egal, nun liegen also 42,195 km oder freundlicher 26,2 Meilen vor uns.

Das Feld kommt langsam in Bewegung und stockt auf der ersten Meile immer wieder. In meinem Kopf ist klar, dass ich mit 9 Minuten/Meile unter vier Stunden bleiben kann. Die 1 passiere ich nach 11 Minuten. Das fängt ja gut an! Aber das Feld wird beweglicher und lockerer und ich komme immer besser voran. Die ersten Hügel merke ich kaum. Erst nach etwa 3 Meilen trenne ich mich von meiner Folie, unsicher, ob das die richtige Entscheidung ist. Die Sonne wärmt ein wenig und inzwischen bin ich warm gelaufen. 5. Meile und 45 Minuten – perfekt. Ich freue mich, dass es gut läuft und ziehe das Tempo noch ein bisschen an. Am 10-Meilen-Schild habe ich zwei Minuten Reserve, aber ich muss auch fix noch zum ToiToi.

Im Feld der Läufer bekennen sich ungewöhnlich viele zum Lauf für einen guten Zweck. Auf den T-Shirts lese ich: „Help the blind.“, „Let’s fight poverty together.“, “Lung foundation”, “Support cancer research”,…… Die Unterstützung einer guten Sache stünde uns Durchläufern doch auch sehr gut, oder?

Schon vor dem Halbmarathonschild beginnen meine Füße zu schmerzen und ich kann das immer weniger ignorieren. Ich werde langsamer und passiere die Halbmarathon-Marke nach mehr als zwei Stunden. Nun strengt auch jede Steigung an. Ohne jeden Zweifel habe ich mich für die falschen Schuhe entschieden. Als sie neu waren, schmerzten die Fußballen bei längeren Distanzen. Im Laufe der Zeit stellten sich die Füße auf den neuen Leisten ein und ich hatte keine Probleme mehr. Bis zum heutigen Tag… Wie sehr sehne ich mich nach meinen butterweichen Brooks, die unerreichbar Zuhause in der Küche stehen?

Etwa ab der 18. Meile ist die Sonne hinter Wolken verschwunden und es wird deutlich kälter.
Immer wieder muss ich Gehpausen einlegen, damit der Schmerz ein wenig nachlässt. Vor allem lässt aber der Wille nach und in meinem Kopf dominiert die bittere Erkenntnis, dass ich diese lange Distanz einfach nicht mehr beherrsche. Und das tut richtig weh. Als ich endlich die 20 Meilen erreiche, bin ich schon fast am Verzweifeln. Mit dem Gedanken, jetzt noch einmal zur Saloppe und zurück, versuche ich mich wieder aufzubauen. Es gelingt einigermaßen. Ab der 23. Meile laufe ich dann wieder ohne Gehpausen durch und lasse mich von den Zuschauern beschleunigen. Auf den letzten drei Meilen läuft es wieder besser und ich kann noch einmal anziehen. Nur retten kann ich nichts mehr, auf der großen Anzeigetafel steht vorn eine fette 4.

Deprimiert gehe ich gleich weiter, bekomme meine Medaille und mein „Goodie Bag“ mit dem Finisher-Shirt. Freuen kann ich mich nicht.

Zum Glück nimmt mich Michiel am Gepäckstand in die Arme. Er sieht schon halb erfroren aus und ist glücklich über seine 3:30. Schnell ziehe ich mir warme Sachen an. Der Lauf ist eigentlich perfekt organisiert, nur an heiße Getränke oder eine Suppe hat niemand gedacht. Es gibt auch nichts zu essen. Das nächste Cafe ist unseres. Ein großer Pot des heißen Getränks bringt uns wieder auf Normaltemperatur. Im Hotel geht’s schnell unter die Dusche, Arnika auf die Beine massiert  und dann ab unter die warme Bettdecke. Es ist einfach saukalt.

Am Dienstag nehmen wir noch den Shuttle-Bus nach Newgrange (dem irischen Stonehenge). Im Bus sitzen weitere Marathon-Finisher, unschwer am etwas gehandicapten Gang zu erkennen. Wieder bläst ein eisiger Wind und es regnet. Was hatten wir gestern für ein Glück!

Die 29. Auflage des Dublin Marathon bringt nicht nur einen Teilnehmerrekord, sondern auch mit 6:27 den Rekord eines fußamputierten an Krücken und mit 3:47 den Rekord eines Läufers mit Spenderherz.


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