Münchenmarathon 2007

   
Datum: -14.10.2007 Strecke: -42,195 km
Ort: -München weitere Strecken: -Staffel, 10km
Internetadresse: - www.muenchenmarathon.de    

Art des Laufes: -Citymarathon  

Besonderheiten/ Kommentare:

Anspruch: -im letzten Drittel etwas verwinkelte Strecke  

-der Einlauf ins Münchner Olympiastadion ist schon was Besonderes

 

Stimmung: -von niemand zu sehen bis Dreierreihe in der City, insgesamt ca. 60.000 Zuscher (laut Veranstalter)
Organisation: -perfekt
Verpflegung: -sehr gut
Startgeld: -50 - 59 € je nach Anmeldedatum
Wetter: -perfekt, Sonne, 5 - 15 Grad, windstill

Ein Bericht von Andrea Heschel

Mentaler Leidensweg   Münchenmarathon

Vor dem „großen Ereignis“ studierte ich die Ergebnisse des Köln-Marathons. Ehrfurchtsvoll betrachtete ich die Durchlaufzeiten von Anke. Wie im Lehrbuch! Glückwunsch!!! Daran will ich mir ein Beispiel nehmen.

München, 14.10.2007    vorm Start 10 ºC, neblig    wir frieren!
Wetterprognose: sonnig, windstill und 16 ºC. Also optimale Laufbedingungen.
Tilo hatte ich als persönlichen Pacemaker engagiert. Ich war voller Motivation und Vorfreude.
Wir standen zitternd im Startblock A, unter tausenden anderen Läufern, da trafen wir Klaus und Sabine . Kaum zu glauben – aber wahr!
10:00 Uhr Startschuss. Alle warfen die wärmenden Tüten/T-Shirts u.ä. ab – nur ich nicht – mir war immer noch kalt – ich wollte warten, bis es mir tatsächlich warm werden würde!?
Bei km 3 (an der Akademie der Künste) trafen wir Bernd, der bereits auf der Gegenfahrbahn km 5 passierte. Ich fühlte mich super! Vor mir mein persönlicher Pacemaker, gerade noch neben mir mein Trainer – Herz was willst du mehr. Nun entledigte ich mich endlich von meinem Pullover. Km 8-16 ging es durch den Englischen Garten. Kaum Zuschauer; das gefiel mir gar nicht. Zwischen km 13 und 14 hieß es „Marathon meets Art“. Für Kunstliebhaber präsentierte Ingo Bogatu seine Open Air Ausstellung. Seine Kunstwerke waren auf 2,5 x 1 m großen Leinwänden rechts und links entlang der Strecke platziert. Nach eigenen Worten wollte er sich damit „vor der Leistung der Athleten verbeugen und gleichzeitig versuchen, Absicht und Hintergrund des Ausdauersports zu vermitteln.“  Wirklich eindrucksvoll, leider waren die Werke zu dicht gehängt, Kunstgenuss in Kürze. Nach km 15 sollte der chinesische Turm (mit Biergarten für 7000 Personen) zu sehen sein (hatten wir uns jedenfalls eingebildet.) Leider verpasst.
Bei km 16 meldeten sich die ersten Zweifelgedanken: Bei dem Profil `ne Bestzeit- eigentlich unmöglich! (Ja ja Tilo, ich weiß. Für dich ne total glatte Strecke. Aber ich empfand sie nun mal als extrem hügelig!) Ab km 17 wollten wir etwas beschleunigen. Ein Horrorgedanke für mich, 9 sec schneller pro km laufen, wie soll das gehen?
Bis km 21 lief es super- wir waren knapp unter der geplanten Zeit. Mein Ischias-Nerv meldete sich, doch ich versuchte diesen Schmerz mit Ignoranz zu strafen. Ich war bemüht mich mit der Stadtkulisse zu beschäftigen – immerhin sollte es eine Sightseeing-Tour sein. Bei km 29,5 (im Herzen von München – am Marienplatz) kommentierte „VanMan“ Jochen Heringhaus das Marathongeschehen und begrüßte mich mit Namen und Verein. Er ergänzte: „Ja die Dresdner Durchläufer werdet ihr auch am kommenden Sonntag beim Dresden-Marathon treffen.“ (Geniale Werbung für uns!) Ich war begeistert! Kurz danach feuerten uns Alice und Katja an. Und häääää – ich war irritiert, da stand auch Bernd! Mir schoss es in den Kopf: ‚Wie langsam läufst du eigentlich?! Bernd schon im Ziel und wieder hier am Streckenrand?‘ Doch ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, bei km 31 hörte ich erneut meinen Namen vom Streckensprecher. Wie geil, Gänsehautfeeling! Er rief mir nach: „ Wir sehen uns nächste Woche an der Carolabrücke.“ Na der hat ’ne Ahnung. Bin doch kein Extremsportler.
Km 31 —  wir passierten erneut den Marienplatz und werfen einen kurzen Blick aufs Rathaus mit dem bekannten Glockenspiel.  Bei km 33 erklärte mir Tilo: „Jetzt weißt du warum die langen Läufe im Training gut waren, ab jetzt beginnt der Kampf.“ Na toll, ist ja die blanke Motivation!! Ich fühlte gleich mal in meinen Körper rein. Ohje, was tat eigentlich nicht weh? Hatte zwischenzeitlich auch einen kleinen Abstand zu Tilo. Er ließ sich nach km 35 zurückfallen und meldete: „Es sieht noch gut aus, wir haben nur geringfügig Zeit verloren.“ Schei.... so was ist ja echt demotivierend. Ich erinnerte mich an km 16. Hatte also recht, bei dem Profil ist keine Bestzeit zu schaffen. Ich überlegte, welche Zeit für mich akzeptabel sein könnte. (Immer diese Gedankenspiele! Das macht mich ganz irre. Treibt meine Motivation nach unten. Ich soll doch nicht denken, sondern laufen! Ob ich das noch mal begreife???) Da kam das Schild km 36 und mit ihm die Kopfschmerzen. Das war neu. Kopfschmerzen hatte ich noch nie bei einem Wettkampf. ‚Kein Wunder‘  erklärte ich mir selbst, ‚wer die ganze Zeit nur Negativgedanken bewältigt, muss ja Kopfschmerzen bekommen. Also Andrea reiß dich zusammen. Denk an den Zieleinlauf im Olympiastadion!‘ Doch zu spät, der Abstand zu Tilo wurde größer und größer.  Und meine Gedanken rechneten schon eine bescheidene Zeit aus. Demotivation und Schmerz ließen keine Beschleunigung zu.
Bei km 38 der erste Bierstand – ich konnte wiederstehen. Km 39 – der zweite Bierstand, ich hatte innerlich aufgegeben, also was soll‘s: ‚Wenn’s schon mit ‚ner ordentlichen Zeit nicht klappt, dann wenigstens ein kühler Biergenuss.
Km 40 – ich wollte nur eins – aufhören mit laufen! Redete mir vergeblich ein: ‚ Je schneller du läufst, je eher bist du im Ziel.
Die letzten 2 km waren die Hölle, meine Gedanken machten sich ihren Spaß daraus: ‚So ne Quälerei, nie wieder! Totaler Schwachsinn diese Lauferei. Alles tut weh – wozu?‘
Kurz vor dem Stadion wartete Tilo bei Alice, Katja und Bernd. Sie feuerten mich an, doch bei mir ging nichts mehr. Dann endlich der Stadioneinlauf. Im Marathontor schrie ich mir den ganzen Frust von der Seele; dann rein ins Stadion – eine Wahnsinnsatmosphäre! Ich sog sie in mich auf und genoss jede Sekunde in vollen Zügen.

Endlich Zieleinlauf: 3:50:43 – neue persönliche Bestzeit!!

Doch ich war einfach nur fertig. Aber allein dafür, in dieses Stadion mit absolut irrer Stimmung einzulaufen und auf diesem „heiligen Rasen“ (wie Tilo mir erklärte) liegen zu können, hat es sich gelohnt!!!! Und in dieser ganzen Menge glücklicher Zieleinläufer trafen wir erneut Peter und Sabine. Sie gratulierten mir. Ich war echt irritiert! Immerhin hatte ich meine Wunschzielzeit nicht geschafft – hatte aber eben auch noch nicht realisiert, dass ich persönliche Bestzeit gelaufen war.
Nur schwer konnte ich mich vom Stadionfeeling lösen. Auf dem Weg zur Dusche trafen wir auf Alice, Katja und Bernd, die uns gratulierten. Naja, so`n Klaps vom Trainer auf den schmerzenden Körper und sein Glückwunsch zur neuen Bestzeit ist doch wie eine Magnesiuminfusion. Es ging zum Duschen in die Olympiaschwimmhalle. Danach war alle Frustration vergessen.
Abends noch ein Telefonat mit Petra. Sie lief vor einer Woche den Köln-Marathon, weiß wie „sich quälen“ anfühlt und ist gerade schwer erkältet, aber sie plant schon den nächsten Halbmarathon. Echt hart – eben die totale Kämpfernatur. Na also, da kommen auch bei mir die Gedanken an den nächsten Wettkampf. Danke Petra – du hast mich in die Läufergemeischaft zurückgeholt.

Auswertung:
Ich war gut vorbereitet. Tilo hat sein Bestes gegeben. Doch das Rennen wurde von meinem Kopf gesteuert.
Also neben dem Lauftraining brauche ich unbedingt ein ausgeklügeltes Mentaltraining.
Da haben wir`s also schon wieder
: NICHT DENKEN   LAUFEN!!

Ein besonderer Dank an dieser Stelle für meinen lieben Tilo. Er hat’s nicht immer leicht mit mir, gibt aber trotzdem nie die Hoffnung auf. DANKE!


Zurück

Bildergalerie