Goretex-Transalpin-Run 2006

   
Datum: 02.09. - 09.09. 2006 Strecke: 240 km 14.000Hm
Ort: von Oberstdorf (D) nach Latsch (I) weitere Strecken: keine
Internetadresse:

Transalpin-Run

   

Art des Laufes: Etappenlauf über die Alpen   Besonderheiten/ Kommentare:
Anspruch: sehr hoch  

 

Der bestorganisierte Lauf, den ich je erlebt habe.

 

Stimmung: super
Organisation: unerreicht
Verpflegung: auf der Strecke, im Ziel und Abends immer reichlich und lecker
Startgeld: 1070,00 € pro Team
Wetter: meist sonnig
   

Ein Bericht von Tilo Heschel

Wir sind zurück, wir haben es geschafft und es war traumhaft schön!

In 8 Etappen (02.09.-09.09.) durch 4 Länder und dabei 240 km und 14.000 Hm zu Fuß; einmal von Norden nach Süden über den Alpenhauptkamm.

Als Bernd mich Ende letzten Jahres ansprach, ob ich Lust hätte dabei mitzumachen, wusste ich nicht so recht was mich erwartet. Die Sache war weit weg, es war relativ unwahrscheinlich, dass wir einen Startplatz bekommen und wenn ja, wir wollten ja sowieso beim langen Rennsteig mitmachen, da trainieren wir eben im Sommer noch weiter Berge. Ich sagte also zu. Im März kam ein Anruf, wir haben den Platz! „Ups“, jetzt hieß es Augen zu und durch. Das Training wurde dahingehend optimiert, dass immer mehr lange Läufe und Doppel- oder Dreifacheinheiten eingebaut wurden. Dank der Firma Salomon wurden wir Ausrüstungstechnisch perfekt für das Rennen ausgestattet. Die Organisation der Begleitung gestaltete sich im letzten Moment durch Krankheit eines Begleiters (alles Gute Stephan!! ) etwas schwierig, aber dank Rene konnte auch diese letzte Klippe umschifft werden.
Am Freitag dem 1.9. starteten wir also zu dritt in Bernds T4 Richtung Oberstdorf. Nach einem Einkaufsstopp im Herzogenaurach erreichten wir gegen 17:00 Uhr den Kurort und fanden auch gleich das Org.Büro zum anmelden. Dort bekamen wir die Startunterlagen sowie eine große Tasche mit diversen Werbeartikeln. Anschließend suchten wir uns einen Caravanstellplatz (gleich unterhalb der Nebelhornbahn) und gingen zum Empfang in der Eissporthalle. Dort fand die offizielle Eröffnung statt, man bekam einem ersten Eindruck von den Leuten, mit welchen man die nächste Woche verbringen sollte und von dem Team, welche das Rennen organisierte. Auffallend viele kannten sich, es gab also einige „Wiederholungstäter“ aus dem ersten Rennen im letzten Jahr (genau 25 Teams). Der Rest des Abends ging mit „leicht aufgeregtem“ Studium der ersten Etappe und packen der Sachen zu Ende.

Sonnabend, 02.09.2006  1. Etappe von Oberstdorf (D) nach Steeg (A); 28,9km; 1496Hm im Aufstieg; 1185Hm im Abstieg
Oberstdorf (D)(813m) – Trettlachtal – Spielmannsau – Kemptener Hütte – Mädelejoch (1973m) – Holzgau – Hager Höhenweg – Steeg (A) (1124m) im Lechtal

Der Startschuss fällt am ersten Tag erst gegen 11:30 Uhr. Das ist gut, so können wir früh in Ruhe aufstehen, frühstücken und gemütlich zum Start schlendern. In der Innenstadt von Oberstdorf ist die Straße neu gemacht worden und wir dürfen vor den Autos als erste drüber. Ab 11 Uhr werden alle merklich ungeduldig und können es kaum erwarten. Gegen 11:27 Uhr erschallt das erste Mal AC/DC mit ihrem legendären „Highway to Hell“ und treibt bei den ca. 240 Teilnehmern den Puls in Höhen, als würden wir schon bergauf rennen.
Endlich, der Startschuss, auf geht’s. Die ersten Kilometer aus dem Ort im Trettachtal geht es allmählich bergan, wir laufen uns ein und warten auf den ersten Anstieg. Bei Spielmannsau wird es ernst. Der Anstieg zum Mädelejoch auf 1973m Höhe, vorbei an der Kemptener Hütte beginnt. Das Feld reißt auseinander und wir packen die Teleskopstöcke aus. Dann heißt es so schnell wie möglich aber nicht zu schnell (verdammt, wo ist da die Grenze!) bergauf zu gehen. Nach 2h 17min sind wir oben und der Abstieg beginnt. Teleskopstöcke wieder einpacken und so schnell wie möglich runter. Nach 3h 7min erreichen wir in Holzgau die 2. Verpflegungsstelle des heutigen Tages. Nach einer Stärkung gilt es bei brütender Hitze nochmals einen Anstieg von 300Hm zu bewältigen. Dann geht es hinunter nach Steeg und die erste Etappe ist geschafft. Nach 4h 8min 31sec überqueren wir die Ziellinie als Gesamt 46. und 22. Herrenteam. Im Ziel erst mal die qualmenden Füße in den Whirlpool halten, dann essen und trinken und ab zum duschen. Leider sind in diesem Etappenort nur Duschen in umliegenden Pensionen und Hotels, so dass wir fast eine Stunde warten müssen, da genau vor uns 2 Spanier für ca. 45min die Dusche blockieren.
Der Umstand, dass die Schlange hinter uns immer länger wurde, wir langsam aber sicher immer saurer wurden, sollte im Verlauf der nächsten Tage noch eine größere Bedeutung erlangen!
Abends dann die erste Nudelparty, jeden Tag vom jeweiligen Etappenort organisiert und gesponsert. Es gab reichlich und lecker zu essen und wir hauten richtig rein, morgen würden wir es brauchen. Punkt 20 Uhr dann die Siegerehrung des Tages und danach das Briefing der nächsten Etappe durch Wolfgang. Der verkündete eine Streckenänderung. Auf Grund von Schnee im äußerst exponierten Gelände rund um das Kaiserjochhaus ist den verantwortlichen Bergführern der Kurs zu heikel und wir laufen die Alternativstrecke. So sparen wir 1km Weg und 240Hm. Zuletzt werden die Bilder und das Video des Tages gezeigt. 22 Uhr liegen wir im Bus und resümieren, dass es gut lief.

Sonntag, 03.09.2006  2. Etappe von Steeg (A) nach St. Anton (A); 28,5km; 1704Hm im Aufstieg; 1542Hm im Abstieg
Steeg (A) (1142m) – Kaisertal – Almajurtal - Winterjöchl (2261m) – Wanderweg E4 zum Kapallsattel (2396m) – Matunjoch (2487m) – Valfahrgehrjoch (2543m) – Ulmer Hütte – St. Anton (A) (1286m)

6 Uhr klingelt der Wecker, viel zu früh! Wir kriechen aus dem Schlafsack und versuchen wach zu werden, möglichst viel zu essen, Kaffee zu trinken und die richtige Klammotenwahl zu treffen. 7:45 Uhr einchecken am Start, dort wird die Pflichtausrüstung kontrolliert (regenfeste Überjacke, Handschuhe, Mütze, Roadbook, Rettungsset). Zusätzlich haben wir etwas zu essen, 2l zu trinken, Blasenpflaster und jeweils ein Überraschungsei voll Vaseline und Sonnencreme mit.
Pünktlich 8 Uhr verabschiedet uns wieder AC/DC und wir sind auf der 2. Etappe. Ab Steeg geht es permanent bergauf durch das Almajurtal, bis wir bei km 15 die Leutkirchener Hütte und damit den Originalkurs erreichen und den größten Teil des heutigen Berges hinter uns haben. Der Kurs ist in diesem Bereich wirklich hochalpin, Schneereste, Schotter und Geröll wechseln sich ab. Die grandiose Aussicht zu bewundern bleibt wenig Zeit, da jeder Schritt wohlüberlegt sein will, um nicht aus Versehen umzuknicken. Beim anschließenden Aufstieg zum heutigen höchsten Punkt der Strecke (Valfargehrjoch, 2543m) und dem Abstieg zur Ulmer Hütte (2. Verpflegungspunkt) merken wir zum ersten Mal, dass wir beide uns durch unsere Trittsicherheit im weglosen hochalpinen Gelände und bergab sehr wohl fühlen und hier einiges an Zeit gut machen können. Von der Ulmer Hütte (2279m) geht es nur noch steil bergab bis St. Anton und wir spüren deutlich, was wir theoretisch schon vorher wussten, das schnelle bergab laufen ist äußerst belastend für die Oberschenkel. Die müssen Schwerstarbeit leisten und werden im Laufe des Abstiegs steinhart. Nach 4h12min16sec sind wir zufrieden im Ziel und gönnen uns wieder im liebevoll hergerichteten Zielbereich zahlreiche Leckereien. Der liegt in St. Anton am schicken Kongress-und Wellnesscenter  „well.com“. So können die geschundenen Läuferbeine im Bad entspannen und das abendliche Essen ist auch am gleichen Ort. Ich entschließe mich zum ersten Mal die 12€ zu investieren und meine Muskeln 20min lang durch das mitreisende Matrixmobileteam massieren zu lassen. Am Nachmittag entspannen wir jeweils 15min auf dem Fahrrad auf der Rolle, das beschleunigt den Laktatabbau und tut uns wirklich gut. Nebenbei schauen wir uns das Video „Die rote Violine“ an. Rene verwöhnt uns erst mit Sachertorte, später mit Käsespezialitäten. Trotzdem geht abends zur Pastaparty noch viel rein und Wolfi macht die Einweisung in den nächsten Tag. Er ist sich allerdings nicht ganz sicher, ob wir ihn am nächsten Abend immer noch lieben. Die sich anschließenden Bilder und Video des Tages entwickeln sich immer mehr zum Highlight. Herrliche Aufnahmen geschossen von den uns begleitenden Fotografen, einige der Läufer sehen immer erst abends, durch welch phantastische Landschaft sie gelaufen sind.

Montag, 04.09.2006  3. Etappe von St. Anton (A) nach Ischgl (A); 37,11km; 2364Hm im Aufstieg; 2290Hm im Abstieg
St.Anton (A) (1286m) – Moostal – Darmstädter Hütte (2384m) – Kuchenjoch (2730m) – Abzweig alte Konstanzer Hütte (1770m) – Tasultal - Schafbichljoch (2636m) – Friedrichshafener Hütte – Mathon – Ischgl (A) (1360m)

Spätestens heute ist es vorbei mit dem einlaufen, spätestens heute gehen wir wirklich über den „Highway to Hell“. Die reinen Zahlen lassen ein grummeln im Magen aufkommen: vom Start in St. Anton geht es steil bergauf, an der Darmstädter Hütte vorbei bis zum Kuchenjoch in 2730m Höhe. Vor dem Joch überwinden wir noch einen kleinen Klettersteig, etwa 100m Seilversichert, nicht schwierig, aber einige Teams bremst der Respekt vor dem Steig ganz schön aus. Am Joch pfeift ein eisiger Wind von vorn, so dass wir die Minute Pause machen und die mitgeführte warme Jacke aus dem Rucksack holen. Dann stürzen wir innerhalb der nächsten 3,7km etwa 1000Hm bergab bis zur alten Konstanzer Hütte (2. Verpflegung). Dort wo die letzten 2 Tage aber immer das Ziel war geht es heute wieder 900Hm bergauf bis zum Schafbichljoch (2636m). Oben angekommen geht es bergab zur Friedrichshafener Hütte. Am 3. Verpflegungspunkt esse ich mehr und trinke möglichst viel. Auf dem weiteren Weg bergab treffen wir unsere treue Begleitung Rene. Er ist uns 10km entgegengekommen und rennt jetzt mit uns wieder runter. Die letzten 6km geht es flach im Patznauntal an der Trisanna entlang. Bei brütender Hitze fällt jeder Schritt schwer, die Getränke sind alle und wir freuen uns über den Zieleinlauf nach 6h 1min 38sec. Eine wirklich hammerharte Etappe, von der Wolfi abends sagen wird, dass es wahrscheinlich die schwerste des ganzen Rennens ist. Im Ziel ist das führende Team schon 1h47min vor uns eingetroffen, während die letzten erst nach knapp 10h das Ziel erreichen und allein auf dieser Etappe 7 Teams aufgeben. Die Erholungsphase dauert heute wesentlich länger als die Tage zuvor. Abends ist es bei der Party kochend heiß und nur die Aussicht auf wiederum herrliche Bilder lässt uns nicht eher gehen. Beim zurücklaufen zum Auto treffen wir auf Katja. Sie ist mit dem Mietwagen (von Herz, logisch;-)) nach Ischgl gekommen und löst Rene ab, der das Rennen mittlerweile richtig ins Herz geschlossen hat und am liebsten bis zum Schluss geblieben wäre.

Dienstag, 05.09.2006  4. Etappe von Ischgl (A) nach Scuol (CH) 42,195km; 2234Hm im Aufstieg; 2334Hm im Abstieg
Ischgl (A) im Patznauntal (1360m) – Fimbertal – Fimberpass (2608m) -
hinab ins Val Chöglias bis 1860m – wieder hinauf ins Val Laver bis zur Fuorcla Campatsch (2730m) – über Motta Naluns (Seilbahnstation) nach Scuol (1260m)

Aus dem Schicki-Micki-Ort geht es die ersten km auf asphaltierten Wegen in Richtung Fimbertal. Nach Verlassen der Straße laufen wir in ein von Grasmatten überzogenes Tal Richtung Heidelberger Hütte. Gleich hinter der ersten Verpflegung überschreiten wir die Grenze zur Schweiz. Es geht weiter und immer steiler bergauf, wobei wir uns heute länger durch Vegetation schlängeln ehe kurz unter dem Pass doch wieder Schotter zu überqueren ist. Vom Fimberpass aus bergab wieder unser Gelände, knapp 6km km lang kommt keiner an uns vorbei, im Gegenteil, etwa 6 –7 Teams werden von uns überholt. Am tiefsten Punkt steht Wolfgang und feuert uns an, noch eine halbe Stunde bis zur nächsten Verpflegung. Es ist brütend heiß zur Mittagszeit. Die Wegpassagen im Wald sind zu ertragen, aber sobald wir in der Sonne bergauf laufen, fließt der Schweiß in Strömen und wir sehnen die Verpflegung herbei. Von der Verpflegungsstation aus, sind auf der Strecke die Punkte der Teams vor uns zu erkennen. Das sieht noch ganz schön weit und hoch aus, bis zur Fuorcla Campatsch. Auf den folgenden 6 km muss ich etwas Tempo rausnehmen, wahrscheinlich habe ich viel zu wenig gegessen (mittlerweile kann ich süßes wie Riegel und Trockenfrüchte nicht mehr sehen und kriege es nur noch mit Widerwillen runter). Ich habe einen leichten Hungerast und „schleiche“ mich den Berg hoch, in der Hoffnung, dass er nicht größer wird. Zwischendurch immer wieder kleinen Bissen essen und trinken. Nach 4h 44min komme ich oben an und es geht wieder steil bergab (auf 12km Strecke 1500Hm). An der Bergstation Motta Naluns ist die letzte Verpflegungsstation des Tages. Morgen ist hier das Ziel des Bergsprints. Wir laufen direkt auf der Strecke die letzten 6km bergab. Zuerst über rutschige, sehr schräge und schlecht zu laufende Grashänge, später über einen Weg und zum Schluss im Ort über Straßen, erreichen wir das Ziel. Ich freue mich, dass es heute keine flachen Laufkilometer mehr gibt. Nach dem Bergablaufen, was ganz gut funktioniert, fällt es mir immer schwer in der Ebene noch mal Tempo aufzunehmen. Im Ziel werden wir dank dem Sponsor mit einem Paar original X-Socks beschenkt, danach von Katja versorgt und dann brechen wir beizeiten zu unserer Nobelherberge auf. Zur Hälfte des Rennens haben wir für 2 Nächte im traditionsreichen Robinsonclub „Schweizer Hof“ gebucht. Eine klasse Idee, wie sich im Nachhinein herausstellt. Wir checken ein und genießen ausgiebig „all inklusive“, Schwimmbad und all die anderen Annehmlichkeiten des Hauses. Abends verwöhnt uns ein Themenabend „Zirkus und Variete“ mit 10 verschiedenen Buffets. Es fällt uns schwer, gegen 20 Uhr zum Briefing für den nächsten Tag und den Bildern des Tages, das Haus noch einmal zu verlassen.

Mittwoch, 06.09.2006  5. Etappe, Bergsprint in Scuol (CH); 6,19km; 870Hm

Der heutige Morgen war herrlich. Ausschlafen (Start heute ab 15:45 Uhr), gemütlich frühstücken und danach in die Sonne setzen. Bernd und Katja nutzen den Vormittag zu einer Spritztour mit der hoteleigenen Harley. Mittags müssen wir schon ein bisschen vorsichtig sein, damit wir nicht mit vollen Bäuchen zum Bergsprint starten. Nachmittags finden wir uns am Start ein und können in Ruhe den Start der langsameren Teams beobachten. Im 30sec Takt gehen die Team in umgekehrter Reihenfolge an den Start. 16:27 Uhr sind wir dran und machen uns auf die 870Hm hinter uns zu bringen. Mit Stöcken aber heute ohne den sonst obligatorischen Rucksack rennen wir aber heute fast überhaupt nicht, 100m nach dem Start verfallen wir ob der Steilheit in schnelles Gehen und diese Gangart ändert sich auf den nächsten 6km auch nur an ganz wenigen kurzen Stellen. Interessant wird es immer wenn uns schnellere Teams überholen, mit welcher Eleganz und Schnelligkeit einige an mir „vorbeirauschen“ ist schon beeindruckend! Am Getränkepunkt nur schnell ein Becher, das reich heute auf alle Fälle. Nach 1h 2min laufe ich durch den Zielbogen, Bernd ist schon 1min eher da. Angefeuert werden wir heute nicht nur von Katja, sondern auch von Petra und Detlef, von   und Martin und von Christine und Stefan. Familie Arnold nutzt ein Familientreffen in der Schweiz um uns zu unterstützen. Danke, war wirklich schön persönlich angefeuert zu werden!!
Durch den getrennten Start hintereinander sehen wir welche Teams so vor und hinter uns liegen. Zum ersten Mal beschäftige ich mich ausgiebig mit der Platzierung und vor allem mit den aktuellen Abständen. Unser Hauptziel ist nach wie vor, den Transalpin Run bis zum Ende durchzustehen und zwar ohne größere Verletzungen und mit möglichst guter Laune. Nach den gesammelten Erfahrungen der letzten Tage konkretisieren wir unser Ziel dahingehend:
    1. in Latsch ankommen
    2. Team adidas-gore (2min hinter uns) und vor allem und auf jeden Fall die „Langduscher von Etappe 1“, Team Gorbeia Bizkaja aus Spanien (8min hinter uns) nicht
        mehr an uns vorbei zu lassen
Wir fahren relativ schnell mit der Bahn nach unten, das Abendbuffet des Schweizerhofs ist auch von der besten Pastaparty unmöglich zu topen. Eine schlechte Nachricht bringt der Tag aber doch. Eine Wetterprognose sagt starke Gewitterneigung morgen ab Mittag voraus. Da unser Weg morgen ca. 5km über einen Höhenweg führt, beschließen die Verantwortlichen den Start eine Stunde vorzuverlegen.

Donnerstag, 07.09.2006  6. Etappe, von Scuol (CH) nach Mals (I); 37,02km; 1332Hm im Aufstieg; 1540Hm im Abstieg
Scuol (1260 m) - Sur En (1133 m) – durch die wilde Uina-Schlucht zum Schlinigpass (2261 m) – in leichtem auf und ab über den Höhenweg 8a (höchster Punkt 2315 m) am Westhang des Watles zur Plantapatsch-Hütte (2108 m) - über Forstwege hinab zum Weiler Wischgaden und weiter auf Radweg im Etschtal - Burgeis (1257 m) - Mals (1052 m)

Die Strecke heute ist zu recht einer der Höhepunkte, der an schönen Stellen wirklich nicht armen Gesamtstrecke, durch die Alpen. Der steile in Fels gehauene Steig windet sich exponiert die Felsen hinauf, teilweise laufen wir durch Tunnel. Weit unter uns der rauschende Fluss. In etwa 2261 Meter Höhe endet diese wildromantische Umgebung relativ abrupt und man tritt hinaus in die Hochebene von Sursass Hier geht es relativ eben in leichtem Auf und Ab 7km bis zur Plantapatsch Hütte (2. Verpflegungspunkt, 2108m) Von Gewitter übrigens keine Spur, das Wetter meint es mit allen gut. Zur Ehrrettung von Wolfgang sei gesagt, das die Entscheidung absolut richtig war, hier oben möchte ich auch nicht mit richtig schlechtem Wetter oder Blitzschlag konfrontiert werden. Bergab geht es heute bei weitem nicht so steil wie die anderen Tage. Wir versuchen das Tempo trotzdem hoch zu halten was auch recht gut klappt. Doch als wir bei km 31 das Etschtal erreichen, schlägt uns subtropische Hitze entgegen und die letzten 6km geht es über eine Asphaltstraße Richtung Mals. Es fällt mit schwer da schnell zu laufen und ich sehne das Ende der auf dem Papier eher leichten Etappe herbei. Im Ziel ist Katja nicht zu sehen, den Bus haben wir ca. 4km vor dem Ziel stehen sehen. Katja wollte uns entgegen kommen und hatte sich ein bisschen verschätzt. Als sie dann in Mals eintrifft, sind wir schon 45min im Ziel und haben uns akklimatisiert. Ich war heute nicht so super in Form, trotzdem haben wir den Spaniern 12min abgenommen, wir sind also zufrieden. Camp und Pastaparty finden heute im schicken Sportzentrum von Mals statt. Wir fahren hin und ich melde mich wieder einmal beim Massageteam an. Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken gehen wir noch eine Stunde in das angrenzende Freibad. Am späten Nachmittag versuchen wir die müden Muskeln mit ein bisschen Volleyball locker zu bekommen. Mit teilweise ungläubigen Staunen beobachten wir, mit welchen Verletzungen und Schmerzen andere Teilnehmer zu kämpfen haben. Jeden Abend und jeden Früh wird die Schlange am Fahrzeug des Rescueteams immer länger. Blasen an Füßen und Händen, Magenleiden, Bänderdehnungen, Zerrungen und Verstauchungen, die Liste der möglichen Verletzungen wird immer länger. Wir sind von solchen Leiden bis jetzt verschont geblieben. Andreas Fußpflege und zahlreicher Pflegeprodukte für die geschundenen Füße, sowie konsequentes wechseln unserer 3 Schuhpaare sind wohl einige Gründe dafür.

Freitag, 08.09.2006  7. Etappe, von Mals (I) nach Schlanders (I); 34,51km; 2004Hm im Aufstieg; 2339HM im Abstieg
Mals (1052m) – Matschertal – Glieshof (1824m) – von dort sehr steil in weglosem Gelände, zum Schluss über Geröll das Ramudeltal hinauf zur Rappenscharte (3012m, der höchste Punkt des Rennens) – steil hinab ins Schlandrauer Tal – noch steiler bis hinunter nach Schlanders (717m)

Am vorletzten Tag noch einmal eine Hammeretappe. Zwar ist die heutige Etappe etwas kürzer als Marathondistanz, doch andere Schwierigkeiten warten auf die Teilnehmer. Vom Start in Mals sind ersten 15 km bis zur Verpflegungsstelle Glieshof zwar schon 800Hm zurückzulegen, aber die laufen sich doch recht angenehm weg. Größere Teile läuft man durch Obstplantagen und über Wiesen, ehe man entlang den bekannten Waalwege unterwegs ist. Kurz nach dem Glieshof wird es ernst, der Aufstieg zur Rappenscharte beginnt. Nicht nur, dass man innerhalb von 3km mehr als 1000Hm überwinden muss, ein großer Teil dieses „Weges“ ist auch noch weglos. Vor allem im oberen Teil sucht sich jeder zuerst in gröberen Blockgelände, später in feinem rutschigen Schutt den Weg nach oben. Wie sprach ein Teilnehmer im Video des Tages in die Kamera: „...Wolfi, ich glaube ihr habt nicht genug Finisher-T-Shirts, hier sollen gar nicht alle drüber kommen!“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer, dass es zum Schluss doch alle schafften. Auf der anderen Seite wird es nicht wirklich besser, genau so steil wie rauf geht es runter, nur das die Bergabstrecke heute in einem Stück (auf 15km 2339Hm) überwindet. Auf den teilweise 15%igen Gefällestrecken denkt man nur noch an eins, wann hört das endlich auf. Bei mit läuft es bergab wieder gut, dafür sind die Oberschenkelmuskeln am Ende des Berges so hart, dass der letzte km flach durch den Ort wirklich zur Qual wird. Mit dem nahen Ziel vor Augen überwinden wir aber auch diesen und sind nach 5h 33min in Schlanders angekommen. Der Blick auf die Zeiten des Tages sagt uns, dass Jose Antonio Peribanez und Francisco Javier Hipolito einen Supertag hatten und uns heute 15min abgenommen haben. Morgen geht es also um „die Wurst“. Sofort ein Termin bei Karsten ausgemacht und erst mal duschen. 20 min Massage machen die Oberschenkel wieder weich (zumindest ein bisschen) und dann als Bonus noch ein dicker Eisbecher mit Cappuccino in der Stadt, direkt an der Strecke. Während wir uns den italienischen Momenten hingeben, laufen noch einige Teams an uns vorüber. Meine Hochachtung! Die sind zwar nicht so schnell wie wir, sind dafür aber jeden Tag viel länger auf den Beinen und haben weniger Zeit zum regenerieren. Wie die früh immer wieder fit sind ist mir genauso schleierhaft wie die Zeiten der Spitzenläufer. Abends findet die Pastaparty, das Briefing und die Bilder des Tages in einem schönen Freigelände unter Sternenhimmel statt.

Sonnabend, 08.09.2006  8. Etappe, von Schlanders (I) nach Latsch (I); 28,62km; 1817Hm im Aufstieg; 1894Hm im Abstieg
Schlanders (717m) – auf Waldwegen zur Göflarner Alm (1830m) – weiter zur Göflaner Scharte (2396m) – Marteller Höhenweg – Morter Lager(1754m) – durch Apfelplantagen nach Latsch (640m)

Am letzten Tag ist die Zielsetzung ganz klar formuliert, vor den Spaniern bleiben und auch Matze und Georg nicht mehr vorbei lassen. Das wir durchhalten ist nach den Erfahrungen der letzten Tage eigentlich klar. Jetzt geht es doch ein bisschen um die Platzierung. Da die Etappe vergleichsweise kurz und die bergauf- und bergab Passagen nicht so steil sind, beschließe ich ohne Stöcke zu laufen. Bernd schließt sich an, auch Wetterschutz können wir bei den angekündigten Wetterdaten getrost weglassen. Nur mit 1,5l Getränk und einem Notriegel im Rucksack reihen wir uns möglichst weit vorn ein. Zeichen setzen und von Anfang an möglichst schnell laufen! Nach dem Start noch im Ort überholen uns die beiden Bergflöhe aus dem Baskenland. Wir bleiben aber in Schlagweite und bevor es auf enge Waldwege (auf denen das Überholen sehr schwierig ist) geht, überholen wir die beiden wieder. Perfektes Timing (wenn auch unbeabsichtigt, da wir die Strecke ja gar nicht kennen)!!! Auf den folgenden Kilometern bergauf schlägt mir das Herz förmlich bis zum Hals, aber der Abstand wird immer größer. An der Verpflegungsstelle bei km 7 sind die beiden nicht mehr zu sehen, was bedeutet, wir haben einige Minuten Vorsprung. Ausruhen können wir uns aber nicht, denn Antonio und Javier sind bergab auch sehr stark und wir haben nur 6 min Vorsprung. Oben in der Scharte sind die beiden immer noch nicht zu sehen und Team adidas-gore ist ebenfalls hinter uns. Unsere „Taktik“ ist voll aufgegangen und wir genießen den Marteller Höhenweg, ein Traumpfad, von welchem man gleichzeitig ins Etschtal und ins Martelltal schauen kann. Hier würde ich wirklich auch mal gern in Ruhe lang wandern. Im Anschluss geht es das letzte Mal bergab und mit jedem km welchen wir zurücklegen, wird die Gewissheit größer, dass wir unser Ziel erreichen. Durch unglaublich duftende Apfelplantagen des Vinschgaus fliegen wir förmlich dem Ziel entgegen. Nach 4h 1min durchlaufen wir den Torbogen und liegen uns in den Armen. Jetzt fällt mit einem Schlag die Anspannung der letzten Woche ab und ich muss mich schon anstrengen um nicht einfach loszuheulen. 10min nach uns kommen die Spanier ins Ziel, 2min vorher Matze und Georg. Als Antonio an mir vorbeikommt, gratuliert er mir fair. Wir treffen uns zu einem gemeinsamen Abschlussfoto und reden ab jetzt nicht mehr von dem ersten Duschen. Jeder der ins Ziel kommt ist heute ein großer Sieger und alle fühlen sich auch so. Alle Teams rennen mit Dauergrinsen durch den Zielbereich, fallen sich in die Arme und freuen sich über die bewältigte Strecke. Das ist eine der vielen schönen Erfahrungen des Laufes, egal wie schnell und auf welchem Platz, die Sportler sind in den letzten Tagen zu einer großen Gemeinschaft zusammengewachsen. Wir fahren nach einem ausgiebigen Zielbereichsaufenthalt in die Eishalle von Latsch, wo wir duschen. Danach die ersten SMS verschicken, die warme Sonne genießen und sich auf die Abschlussparty freuen. Der heutige Gastgeber hat sich besonders viel Mühe gegeben und uns erwartet ein 3-Gang-Menue, wo alle so reinhauen, dass das Essen zum Schluss echt knapp wird. Gleich im Anschluss die große Siegerehrung und die zusammengefassten Bilder des ganzen Laufes. Auch hier beweisen die Organisatoren wieder ihre Professionalität, außer dem begehrten Finishershirt und der Urkunde gibt es für jeden Teilnehmer ein komplettes Ergebnisbuch mit allen Etappen und der Gesamtwertung. Und das ca. 6h nachdem die letzten Teams im Ziel ankamen!
Wir essen und trinken, feiern und quatschen mit neuen Freunden und genießen den schönen Abschluss einer ereignisreichen Woche.
Zusammenfassend kann man sagen, es war eine Super organisierte Veranstaltung! Bestes Wetter, rührige Gastgeberorte und ein immer freundliches und hilfsbereites Team von Organisatoren, Sponsoren und Partnern sorgten jeden Tag dafür, dass es nach den sportlichen Strapazen an nichts fehlte und sich die Läufer ganz aufs Laufen konzentrieren konnten. Wir waren mit der Ausrüstung von Salomon für das Rennen ausgestattet, unser Training in den Monaten davor war richtig und effektiv. Für jeden, der lange Landschaftsläufe liebt, über genügend Erfahrung verfügt sich so ein Mehrtagesrennen gut einzuteilen und bereit ist eine Woche Urlaub zu opfern, ist der Lauf empfehlenswert. Das wichtigste ist eigentlich, dass das Team gut miteinander harmoniert, einerseits was die reine Laufleistung angeht, aber auch zwischenmenschlich sollte es möglichst gut klappen.

Hier noch ein bisschen Statistik:
Die gesamte Distanz haben wir in 35h 26min 59sec zurückgelegt, das bedeutet Platz 18 bei den Herren und insgesamt Platz 33. 97 Teams erreichten das Ziel, 39 Mannschaften mussten vorher aufgeben oder liefen nicht alle Etappen mit. Die Sieger (Team Triathlon Trentino 1) benötigten für die Strecke 25h 35min, das langsamste Team war 60 Stunden unterwegs. Unglaublich aber war, das Team adidas-gore und die Spanier trennten nach 240 gerannten Kilometern lediglich 8 Sekunden.

 


Zurück

Bildergalerie