Supermarathon Rennsteig 2006

   
Datum: 20.05.2006 Strecke: 73 km
Ort: Eisenach - Schmiedefeld weitere Strecken: Marathon, Halbmarathon, div. Wander- und Walkingstrecken
Internetadresse: www.rennsteiglauf.de    

Art des Laufes: Landschaftscross  

Besonderheiten/ Kommentare:

Anspruch: hoch  

 

 

Stimmung: super (sowohl zwischen den Läufern, als auch durch die Zuschauer)
Organisation: sehr professionell (man spürt die jahrelange Erfahrung)
Verpflegung: super ( Wasser, Cola, Bionade, Tee, Obst, Schleim, Bier, Wurst, Brühe, Riegel, Fett- und Käseschnitten)
Startgeld: HM: 25 € - 30 €; M:30€ - 40 €; SM: 35€ - 45 € (je nach Anmeldezeit)
Wetter: die ersten 40km 10-15 Grad, sonning bis bedeckt, windig; dann rapide Verschlechterung- starker Wind, sinkende Temperaturen, immer mehr Regen

Ein Bericht von Tilo Heschel

Supermarathon Rennsteig 2006

Nach dem eher durchwachsenen Ergebnis voriges Jahr haben Bernd, Steffen und Ralf nicht sehr lange gebraucht um mich zu überreden es noch einmal zu versuchen. Mit 8h23min war ich nicht zufrieden, Bernd hatte mich im Ziel mit den Worten begrüßt „Mann siehst du Sch... aus“ und Ralf und Steffen waren auf der Marathonstrecke erfolgreich und wollten jetzt den „Ganzen“. So schmiedeten wir schon im Herbst 2005 eine Allianz mit dem Ziel Supermarathon 2006.

Über das gesamte Winterhalbjahr gestaltete sich allerdings die Vorbereitung sehr unterschiedlich. Während ich und Bernd relativ oft unsere langen Läufe zusammen absolvieren konnten, wurde Ralf den ganzen Winter immer wieder durch seine Verletzung am Fuß im regelmäßigen Training gestoppt. Steffen hatte sich entschieden für 6 Wochen Patagonien unsicher zu machen (worum ich ihn übrigens beneide[ wöllte den Trango Tower auch mal mit eigenen Augen sehn!!]). Das brachte zwar Spitzenwerte im Bereich rote Blutkörperchen, aber es fehlten auch einige hundert Trainingskilometer.

Am Freitag waren wir dann aber alle 4 mit dem gelben Bus Richtung Eisenach unterwegs und freuten uns auf das Rennen. Der Wetterbericht verhieß ja nicht unbedingt Idealbedingungen und so war eine der meistdiskutierten Fragen die Kleiderordnung. In Eisenach angekommen steuerten wir als erstes das Org.-Büro an und holten die Startunterlagen. Danach gingen wir noch zum Verpflegungszelt, wo ganz lecker Klöße, Rotkraut und Gulasch auf uns warteten. Ich hatte aus dem Vorjahr sehr gute Erinnerungen daran, viel besser als die üblichen Nudelpartys. Satt kehrten wir zum Auto zurück und fuhren zum Elisabethgymnasium Eisenach, wo in den Klassenräumen genächtigt werden konnte, aber auch Stell- und Zeltplätze zur Verfügung standen. Dort konnten wir tatsächlich einen guten Parkplatz ergattern, schlugen gleich hinter dem Auto unser Zelt auf und waren fertig.  Da am nächsten Morgen 04:25 Uhr der Wecker klingelte war nicht mehr viel zu tun, Kleidung vorbereiten, Aufstehen absprechen, noch was essen und trinken und ab ins Zelt bzw. Auto. Am Abend und in der Nacht ständige Regenschauer welche wohl nicht nur bei uns ein Stirnrunzeln hervorriefen. Am nächsten Morgen konnte ich aber zum Aufstehen „blue Sky“ vermelden, Frühstück 05:00 Uhr (bei unseren angepeilten Laufgeschwindigkeiten musste das nicht vollständig zum Start verdaut sein; im Nachbarauto hatte ein hochmotivierter, sehr schnell aussehender Sportfreund den Wecker schon 3:37 Uhr klingeln lassen – Respekt!! ) und 20min vor dem Start ab Richtung Marktplatz. Dort das übliche muntere Treiben, eine bunte Schar welche hoffte, das es bald losginge. Doch welch Schreck, 2 Poller mitten in der Fußgängerzone ließen sich nicht einfahren – fällt er etwa ins Wasser der Supermarathon 2006?? – dann die Erlösung, 2 min vor 6 die Meldung per Handy die Poller sind unten, der Bürgermeister lässt seine Rede ausfallen und wir sind pünktlich auf der Strecke.

Die ersten Meter laufen wir zusammen, aber auf Grund unseres Trainingszustandes und meiner eindringlichen Warnungen (als "alter Hase") ließen Steffen und Ralf die Sache doch ein bisschen langsamer angehen. Auf den ersten Kilometern kreist der Hubschrauber ständig über uns und bei km 6 oder 7 rennen wir an einer freien Wiese direkt an ihm vorbei und winken in die Kamera. „Wahnsinn, wir sind die Spitzengruppe“ witzeln wir und freuen uns über perfekte Wetterbedingungen. Nach 2h25min sind wir auf dem Inselsberg, haben 25km und etwa 850Hm geschafft und fühlen uns sehr gut. Voriges Jahr hatte ich 2:55 gebraucht  aber Bernd läuft eh schneller als ich und ich fühlte mich dieses Jahr besser drauf, also passte die gewählte Geschwindigkeit gut. Am Fuße des Inselsberges steht das erste Mal unsere treue Begleitung Katja und machte Fotos.

Die nächsten 10km geht es ja mehr oder weniger eben dahin und so wurden wir an der Verpflegungsstelle Ebertswiese (km37,4; Zeit 3h27min) mit den Worten begrüßt: „... ihr seit Nummer 209 und 210! Welch Motivation!! Ich nahm wieder Haferschleim und dazu warmen Tee, denn das Wetter war schon schlechter geworden, deutlich kälter als am Start (wir waren ja jetzt auch 500m höher) und starker Wind machten zu schaffen. Schon mehr als die Hälfte geschafft, ich fühlte mich sehr gut (was nicht heißt, dass ich meine Beine nicht schon spürte) und so eine Zwischenzeit. Ich war sicher dieses Jahr die angestrebten 7h30min zu erreichen!!

Auf den nächsten Kilometern kamen doch wieder einige größere Steigungen und bei Bernd machte sich das erste Mal die Wade bemerkbar. Unser Kilometerschnitt stieg erstmals auf  fast 6 min.  Zwischendurch munterten uns Katja und Lilly an der "neuen Ausspanne" noch einmal auf und feuerten uns an, aber außer der Strecke an sich zerrte nun auch der zwischenzeitlich einsetzende Regen an unseren Nerven.  Auf den nächsten Kilometern musste Bernd ab und zu eine Gehpause einlegen, da er immer wieder kurz davor war einen Krampf zu bekommen. Ich musste ständig an das Vorjahr denken, ich versteh dich ja so gut, mir ging es damals ganz genau so. Im Gegensatz zu mir (ich brauchte dann teilweise 8min pro km) biss Bernd die Zähne zusammen und fand immer wieder schnell zurück ins Geschehen. Am letzten Fotostopp in Oberhof  war Katja nicht zu sehen aber das war da schon egal. Sie stand mit Lilly wenige km weiter und die Läufer auf den Fotos sahen nicht mehr ganz so gut aus wie 3h zuvor. Jetzt war es noch ein Halbmarathon und wir sind im Ziel. Mit 5h30min lagen wir noch super im Rennen, die 7 h knacken wir zwar nicht mehr aber die 7h30min sind in Sichtweite.

Die letzten 20km waren logischerweise die schlimmsten, das Wetter wurde immer schlechter (kälter, Gegenwind und immer stärker werdender Regen), die Muskulatur meldete sich immer heftiger und überhaupt - lass es zu Ende gehen. Ich dachte ab und zu an Steffen und Ralf, irgendwo hinter uns, hoffentlich kommen sie gut durch, daneben immer wieder aufmunternde Worte an Bernd (kennt ihr alle die Dolly Buster der Laufszene?). Die letzten 10km geht es außer 2 kleinen Steigungen ja fast nur bergab, aus dem Vorjahr hatte ich das allerdings nicht gerade in guter Erinnerung. Nach dieser Distanz ist bergab laufen anstrengender als geradeaus zu rennen aber es ging ganz gut. Etwa 5km vor Schmiedefeld hörte ich das erste Mal den Lärm aus dem Zielgebiet und wusste, dass der Lauf ein Erfolg wird. Die Beine bewegten sich automatisch wieder etwas schneller und der Applaus und die Anfeuerungsrufe der zahlreichen Zuschauer auf dem letzten Kilometer (und das trotz mittlerweile strömendem Regen – meine Hochachtung und Danke an alle) ließen den Endorphinspiegel in die Höhe schnellen. Ein Runners High war es vielleicht nicht, aber als ich mit Bernd zusammen nach 7:31:53h die Ziellinie überquerte war ich doch recht glücklich.

Im Ziel erwartete uns Katja und wir retteten uns vor dem Regen und der Kälte ins Duschzelt. Leider hatten wir versäumt am Vortag unsere Sachen so zu packen, dass wir Duschsachen und warme trockene Wechselsachen in einem Rucksack hatten (man lernt nie aus) so das wir nicht duschten und weiter frohren. Nach kurzer Zeit erspähten wir schon Ralf und Steffen welche gar nicht lange nach uns im Ziel waren. Ihre Taktik (langsamer angehen und nicht so stark nachlassen) hatte sich bewärt und beide waren geschafft aber zufrieden.  Nun noch schnell das Finisher-T-Shirt und eine Bratwurst geholt und ab zum Auto. Dort zogen wir uns trockene Sachen an es ging auf die Heimfahrt, zu Hause wartete die Badewanne und dann fuhr ich noch zum 60. Geburtstag von Siggi (ist zwar anstrengend, aber ich freute mich auf das Buffet). Auf der Heimfahrt ein erstes Resümee ziehen, Supermarathon am Rennsteig ist mit einem normalen Marathon nicht zu vergleichen (wer hätte das gedacht; ich habe euch gewarnt), es war schön, es war anstrengend, das Wetter hätte wirklich besser sein können.

Ein besonderer Dank noch mal an Katja, ohne Sie hätten wir keine Betreuung gehabt und zurück nach Eisenach fahren müssen, das zweite Auto holen. Wer hätte dazu Lust gehabt und wer hätte das Auto fahren sollen?

 

Tilo Heschel

PS.: Ehe jemand auf die Idee kommt mich zu fragen, nächstes Jahr laufe ich nicht den Supermarathon!! Aber man muss dem Rennsteig ja nicht ganz untreu werden, es gibt ja auch noch andere Strecken ;-))

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