Plattleitenlauf 2006 |
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| Datum: | 21.05.2006 | Strecke: | hoho | |||||||||||||||||||
| Ort: | Mitteldeutschland | weitere Strecken: | NW | |||||||||||||||||||
| Internetadresse: | Plattleitenlauf | |||||||||||||||||||||
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Ein Bericht von René Sedner |
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Das Berglaufwochenende bei den DurchläufernNachdem ich bisher immer standhaft meinem Laufberichtsschreibverlangen widerstehen konnte und die Lauferlebnisse von Berlin 2004, Florenz 2004, Paris 2005, Görlitz 2005, Berlin 2005, Florenz 2005, Lübbenau 2006 und Prag 2006 tapfer für mich behalten habe, zerreisst es mich aber nun doch vor Mitteilungsbedürfnis. Vor allem wegen der Tatsache, dass wir als Dresdner Durchläufer zu tapferen Bergläufern geworden sind: war doch fast der gesamte harte Kern der Durchläufer geplant oder spontan dieses Wochenende am Rennsteig im Einsatz! Und ich – und deshalb schreibe ich nun auch mal – ebenfalls hart in den Bergen die Durchläuferehre verteidigen. In Ermangelung eines Laufgruppenmitläufers (war ja keiner mehr verfügbar) startete ich am Sonntag mit meinem Nachbarn Michael Fiedler, manchen bereits von der Blauen Blume 2006 bekannt, exakt 11:15 zum grossen unbekannten Lauf, gemeinsam mit 293 anderen Läuferinnen und Läufern der härteren und härtesten Sorte. Zusätzlich war die Distanz auch für NW-Fortbeweger ausgeschrieben, diese (4) starteten 15 Minuten früher unter unserer aufrichtigen Anteilnahme. Die Wettkampfbedingungen versprachen für die Dauer des Rennens (wenigstens für das Hauptfeld der Läufer) optimal zu bleiben und obwohl der Wetterbericht für den frühen Nachmittag Sturmböen und Regenschauer angekündigt hatte, wählten wir die leichte Laufausrüstung und bestätigten damit nochmals unseren Plan unter 4 Stunden zu bleiben. Die Stimmung am Start war gut, wenn auch bei allen Startern von einer gewissen nervösen Anspannung wegen der wenig bekannten und in der Form noch nie wettkampfmässig belaufenen Strecke gezeichnet. Da half auch kein Mädchenspielmannszug mit schmissigen Melodien und kurzen Röckchen, jeder, das sah man deutlich, versuchte im Geiste nochmals die Renntaktik unter Berücksichtigung der Lage der Verpflegungspunkte und der Wetterunsicherheiten auf Richtigkeit zu überprüfen, GPS-Forerunner auf Satellitenverbindung zu checken, Playlists auf den Ipods noch mal umzuprogrammieren, sowie Frisuren, Trinkgürtel und Stirnbänder auf korrekten Sitz zu kontrollieren. Dann endlich fiel der ersehnte Startschuss und das Feld setzte sich mit der BRL-gewohnten Vehemenz in Bewegung. Ältere Herren mit Knie- und sonstigen Bandagen (offenbar nur Tarnung und Bestandteil einer geheimnisvollen Starttaktik) stürmten wie immer von hinten vorbei und die jugendlichen Heisssporne, die von der Sorte, die man NICHT bei jedem Lauf sieht, versuchten in völliger Unkenntnis der besonderen Zähigkeit dieser älteren Laufsemester mitzuhalten. Bis zum ersten harten Anstieg des Laufes. Dort wo das Feld schlagartig auseinander fiel. Also gleich nach der Albertbrücke. Richtung Rosengarten. Mit den schlechten Erfahrungen früherer Läufe lief ich diesmal kon-se-quent mein eigenes Rennen, kräftesparend aber vorwärtsdrängend. Und in der Gewissheit. dass mein technisches Equipment aus dem Hause Polar nach erneuter Kalibrierung auf einer Achthundertmeterrunde diesmal sauber funktioniert. Meine angezeigten Momentangeschwindigkeiten sollten also diesmal der Realität entsprechen. Immerhin lagen noch zichtausende von Metern (und zichhunderte von Höhenmetern) vor mir. Da weiss man als semiprofessioneller Freizeitläufer schon gern, wo man so liegt. Zeitlich jetzt. Motivierend war, dass ich mit meiner Renntaktik erste Erfolge verzeichnen konnte und die forschesten Startläufer, jene jungen Unerfahrenen, langsam von den Verfolgern, also auch von mir, kassiert wurden. Nun kam das Rennen in eine etwas monotonere Phase, Ausreissergruppen belauern und Lücken wieder zulaufen, das Übliche halt, und die Gedanken gingen auf Wanderschaft. Quotienten bilden zum Beispiel; Streckenlängen zu Startgebühren oder Streckenlängen zu Höhenmetern und feststellen, dass der Supermarathon am Rennsteig einen Höhenfaktor 30 hat und ich gerade mitten in einem Höhenfaktoraktor-60-Lauf stecke… Aber da kommt die nächste Steigung und reisst mich unsanft aus dem Gedanken, ob es sich somit beim Supermarathon am Rennsteig doch eher nur um eine reine Fleissaufgabe, als um eine sportliche Herausforderung handelt. Ein interessantes Thema, das ich unbedingt mit Bernd, Tilo, Steffen und Ralf erörtern muss, denn die waren am Vortag zum Faktor-30-Lauf am Rennsteig. Die Strecke wird jetzt noch anspruchsvoller, immer mehr gehende Läufer überhole ich mit meinen berglaufgeübten kleinen Schritten und bin ganz kurz Bernd für das fundierte Grundlagentraining dankbar. Die Anfeuerungsrufe des Publikums nehme ich kaum wahr, vor allem deshalb, weil ich nirgendwo meinen Namen mit Kreide auf die Strecke gemalt entdecken kann und die Enttäuschung darüber leise den Gedanken ans Aufgeben nährt. Nächstes Jahr werde ich die Strecke am Abend vorher eigenhändig dahingehend motivationssteigernd präparieren müssen. Wenn man nicht alles selbst macht! Aber jetzt beginnt das letzte Viertel des Rennens, das Wetter hält immer noch, und ebenfalls noch immer geht es bergauf. Wenn auch nicht mehr so steil, doch aber stetig. Die richtige Gelegenheit, um die Kraft von Powergel Green Apple in ultimativen Vortrieb zu verwandeln, die letzten Hemmungen wegen des die Woche zuvor gelaufenen Pragmarathons fallen zu lassen und bei 2 jungen Kerlchen noch 300 m vor mir, ein paar Tatsachen, den späteren Zieleinlauf betreffend, klarzustellen. Ich hatte Glück, mein Näherkommen schienen die Beiden nicht zu bemerken, ich schiebe es mal mehr auf deren Erschöpfung als auf meinen panthergleichen Laufstil. Der langsam immer stärker werdende Lärm des Ziels half mir natürlich zusätzlich beim Anpirschen. Da fiel mir auch wieder ein, wie oft sich schon I-Pod-Läufer an der Elbe beim Überholtwerden über mich erschraken, nur weil sie sich beim Laufen in der Natur zudröhnen lassen müssen, wie in der letzten Kleinstadtdisse. Vor allem die Frauen! Und dann nicht mal Grüssen! Solln die doch gleich aufs Laufband in die Mukkibude gehen! Da müssen die sich nicht erschrecken, denn da kann keiner überholen! Apropos überholen: also, ich ran an die Kerlchen, einen von hinten anstürmenden M35 noch abwehren und auf die Zielgerade einbiegen. Jetzt bemerken meine beiden Angriffsopfer meine Druckwelle und versuchen gegenzuhalten, einer fällt förmlich auseinander, der andere (der, wie ich später in der Auswertung erfahren konnte, auch noch Sieger mit Familiennamen heisst – was aber nix half) ist entgegen meiner Erwartungen nach Studium seines Laufstils doch noch recht schnell, das Ziel kommt immer näher, das Zeitnahmetor ist nur 1m breit, da läuft noch einer 3m vor uns, wir werden immer schneller, keiner lässt den anderen passieren, das ist der Augenblick, wo bei Tour de France Flachetappen immer Ete Zabel gegen McEwen verliert oder stürzt oder beides, bis zum Ziel sind es noch 5m, der rechts vorbei, ich links vorbei, das Zieltor weitet sich wundersam und lässt uns beide verletzungsfrei ein, die Uhr bleibt stehen und ich habe den 1. Dresdner Plattleitenlauf der Dresdner Verkehrsbetriebe Aktiengesellschaft gefinisht! Achttausendzweihundert Meter, fast den ganzen Mount Everest flachgelegt und rund Hundertfünfzig Höhenmeter in den Beinen, Faktorsechziglaufendorphine überall und so ein Zielsprint! So ein Lauf! So ein Streckenprofil! Ab sofort Pflichtveranstaltung für alle Dresdner Durchläufer! Einmal im Monat das als Trainingsstrecke. Schafft man inner halben Stunde. Also später dann, mit mehr Training. Und dann als Team starten!! Liebe Mütter, nennen sie ihr Kind Plattleite!!! Ich sage nur Faktor 60!!! Wann hat man das schon? Auch nicht beim Borsberglauf, auch da nicht. Der hat nur mal Faktor 28,6, nur so als Info für alle Rennsteigler. Das es bei M40-Teilnehmern wie Dr. Sperling nicht für einen Medaillenplatz für mich reicht, war mir schon vorher klar. Ich bin mit meinen 40 Minuten für die Strecke trotzdem ganz zufrieden und mir sicher, dass, wäre die Strecke 10.000 Meter lang und topfbodeneben ohne die Faktor-60-Anstiege gewesen, ich dann auch nur unwesentlich länger unterwegs gewesen wäre. (Also 2 Minuten länger vielleicht, aber eben für 10.000 Meter. Muss ich dieses Jahr beim Drewag-Sommernachtslauf unbedingt noch mal nachprüfen – Insider wissen, was ich meine.) Die wirklich mustergültige und liebevolle Organisation des Laufes hat mich dann aber auch gleich wieder von solchen Gedanken abgelenkt. Im Ziel gab es direkt aus der Luisenhofküche Pasta mit Jagdwurst und Reibekäse vom Chef persönlich gereicht, ausserdem 5 verschiedene Heiss- und Kaltgetränke und gute Stimmung bei allen Finishern. Mein Mitläufer und Nachbar Michael kam auch alsbald, aber deutlich später ins Ziel (ihm fehlt als M20-Starter eben doch noch die Erfahrung für so anspruchsvolle taktische Läufe) und teilt meine Begeisterung uneingeschränkt. Noch ein liebevolles Detail, welches für die (fast schon übertriebene) Hingabe der Organisatoren spricht: am Verpflegungspunkt oben am Ende der Treppen der Plattleite und damit knapp 1800 m vor dem Ziel gab es auch Apfelstückchen und anderes Obst – mit kleinen Spiesschen, wohl damit man sich nicht klebrige Finger holt! Ein Tip noch: vielleicht könnte der Veranstalter ja im nächsten Jahr den Start vom Filmnächteamelbuferareal noch um 1800 Meter in Richtung Pieschen verlegen, sodass man auf glatte 10 km Streckenlänge kommt, oder wenigstens um 648 Meter, damit dann wirklich der Plattleitenlauf so lang, wie der Mount Everest hoch ist. Dann könnten die DVB-Marketingstrategen dass ganze noch viel besser vermarkten. Zum Schluss noch der Preis pro Streckenmeter: 0,061 Cent!!! Mit Spielmannszug und Getränke am Start, Kleidertransport zum Ziel, Luisenhofküchenpastaparty im Ziel, Freifahrt mit der Bergbahn, Streckenverpflegung fest/flüssig, Bustransfer zum Duschen in eine Turnhalle in Wachwitz (oder Loschwitz?), elektronischer Zeitnahme mit Transpondern in der Startnummer und fertiger Auswertung am Abend des Laufes (http://www.triathlon-service.de/ergebnisse/liste.php?nr=882)! Vor-Bild-Lich. |
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