13. Pirnaer Winterlauf 2006

   
Datum: 15.01.2006 Strecke: 10 km (11,3 km)
Ort: Pirna weitere Strecken: 5 km
Internetadresse: -    

Art des Laufes: Landschaftslauf   Besonderheiten/ Kommentare:
Anspruch: flach, leicht wellig  

 

BRL

 

 

Stimmung: erstaunlich
Organisation: O. k.
Verpflegung: nur Tee im Ziel
Startgeld: 6 € (zu viel)
Wetter: zu kalt
   

Ein Bericht von Jana Hänsel

Januar ist viel zu kalt zum Laufen

Neues Jahr, neues Glück. Der erste Lauf der Bezirksrangliste fand traditionell in Pirna statt. Insgesamt 6 Durchläufer wollten gleich am Anfang mit dabei sein, wenn es wieder heißt: Punkte zu sammeln!

Sonntag früh um 7 Uhr klingelte mein Wecker und ich hatte so spontan gar keine Lust mehr aufzustehen. Es war dunkel und mein Thermometer zeigte unangenehme 5 Grad minus an. Warum muss man einen Lauf im Januar schon 10 Uhr starten? 2 oder 3 Stunden später wäre doch auch ok, das mit dem Aufstehen wäre einfacher und vielleicht wäre es auch etwas wärmer. Na ja, ließ ja jetzt nicht mehr ändern. Also raus aus den Federn und frühstücken, die Durchläufer-Mitfahrgelegenheit hatte sich für 8:15 angemeldet. Bis Pirna ist es ja ein ganzes Stück und man weiß ja nie, was Sonntag früh um diese Zeit auf den Straßen los sein kann. Sicher ist sicher, und so wählten wir auch hauptsächlich Schleichwege nach Pirna, um potentiellen Staus aus dem Weg zu gehen. Diese vorausschauende Planung zahlte sich aus und wir erreichten den Sportplatz in Pirna gegen 8:45. Dies sicherte eine entspannte Anmeldung, am Ende wären noch die Startplätze knapp geworden, wer weiß das schon, Sonntag früh 9 Uhr, bei -5°C Außentemperatur.

Das Organisationsteam war auch schon fleißig am Meldungen entgegennehmen, denn wir waren - oh Schreck - nicht die Ersten. Aber ich glaube, nur die Platzierung beim Lauf zählt für die BRL.

Wie schon mehrfach erwähnt, war es A...-kalt, deshalb verzogen wir uns erst mal in die Kabinen, die für die Frauen die Sauna war. Dort wurde ich auch gleich Zeuge des konspirativen Austauschs über die Benutzung unlauterer Mittel. Da hatten doch tatsächlich einige Frauen Spikes an den Schuhen. Wie soll man denn da mithalten können?!

So, jetzt war es 9:15 und wir hatten noch eine Stunde Zeit bis zum Start, denn die 10km, die wir laufen mussten, gingen erst 10:15 los. Wobei man sagen muss, dass die 10km gar kein 10km waren, sondern 11,3km, was man dem Kleingedruckten der Aushänge entnehmen konnte. Wo ich mich doch auf genau 10km eingestellt hatte. Was soll das bloß werden, keine Spikes und auch noch 1,3 km länger laufen.

Inzwischen drängten immer mehr Läuferinnen in die Sauna zum Umziehen. Am Ende waren es immerhin 150 Starter für die 10km. Wer hätte das gedacht, Sonntag 9:30 bei -5°C.

Die anderen verließen jetzt wieder nach und nach die Sauna zum Warmlaufen. Das habe ich mir komplett gespart, weil ich nicht noch länger als geplant in dieser Kälte draußen rumlaufen wollte. Ca. 9:50 fing ich an im Saunagang semiprofessionell rumzuhopsen. So ganz ohne Aufwärmen wäre wohl auch nicht gut.

10:10 waren bloß noch 5 nervenstarke Starter in den Gängen des Sportcasinos, die anderen hatten sich schon zum Start draußen gesammelt. 10:13 liefen wir dann auch raus und das war gut so. Der Starter verkündete schon die letzten 10 sec bis zum Start. 5,4,3,2,1, Start und ich erreichte gerade das Ende des Feldes, so zusagend fliegender Start, optimal für dieses Wetter.

Da ich aus den Läufen des letzten Jahres was gelernt hatte, lief ich relativ locker los, um hinten raus keine Probleme zu bekommen, zumal die Strecke ja etwas länger war als erwartet. Nach ca. 1km war es aber Zeit, mit dem Überholen zu beginnen. Und so arbeitete ich mich Stück für Stück und Läufer für Läufer weiter nach vorn. Die Strecke verlief erst entlang des Stadions auf fest getrampelter Schneedecke und dann auf Asphalt mit vereisten Stellen (Hier wären Spikes durchaus vorteilhaft gewesen). Nach ca. 2km ging es über eine kleine Brücke, dort überholte ich einen jüngeren Mann mit roter Jacke. Kurz nach der Brücke kam er wieder vorbei, das fand er wohl nicht so gut mit dem Überholen. Weg kam er aber auch nicht, so wiederholten wir das Spielchen noch mehrfach auf der Strecke und kamen auch gemeinsam ins Ziel. Nach geschätzten 3 oder 4 km (die Kilometerangaben am Wegesrand sind mir vollständig entgangen, wie auch große Teile der Streckenführung) lief ich an einen ältern, kleinen Mann vorbei. Wenig später war er wieder an meiner Seite. Das war wohl der Moment im Feld, wo die umgebenden Läufer in etwa das eigene Durchschnittstempo haben. Jetzt galt es nicht langsamer zu werden. Und da ich mich recht gut fühlte, lief ich einfach so weiter. Am Waldesrand verschwand der kleinere ältere Herr hinter einem Stromhäuschen. Gut, dachte ich, dass ich selten beim Laufen auf Toilette muss.

Oh, da vorn zwei Frauen, die gehören mir. Relativ locker ran und mit erhöhter Geschwindigkeit vorbei, damit sie nicht auf die Idee kommen, sich ran zu hängen. Leider nicht ganz perfekt, die eine hatte ich von da an im Schlepptau. Wie werde ich die wieder los? Ich versuchte das Tempo hoch zu halten, aber es half nichts. Jetzt ging es aufs freie Feld und der Wind pfiff unangenehm von vorn rechts ins Gesicht. Windschatten wäre jetzt nicht schlecht. Und siehe da, der kleine ältere Herr kam von hinten wieder ran und spannte sich vor mich. Toll, der machte das mit voller Absicht. Also versuchte ich auch trotz langsam schwindender Kräfte dran zu bleiben. Meine Verfolgerin wiederum hing in meinem Windschatten, was nicht beabsichtig war. Ich versuchte sie loszuwerden, indem ich beim Überholen möglichst knapp an den Läufern vorbei lief, so dass sie kurz den Windschatten verlassen musste, um mir zu folgen. Ob es diese Manöver waren oder das straffe Tempo meines fleißigen Helfers, nach ca. 1 km Verfolgungslauf musste sie nachgeben und war weg. So zog er mich die letzten Kilometer noch an einigen Läufern vorbei. Nach 45 min Laufzeit, wünschte ich mir so langsam das Ziel herbei, das Akku war so gut wie leer und die Geräusche beim Atmen klangen auch nicht mehr ganz gesund. Ah, da war die Brücke wieder und der jüngere Mann mit der roten Jacke war auch wieder da. Brücke hoch war er schneller, Brücke runter überholte ich wieder. Dann wieder etwas Asphalt und anschließend quer über die Wiese, was wirklich nicht mehr schön zu laufen war. Am Stadion angelangt, konnte man das Ziel schon durch den Zaun erkennen. Ein kleiner Sprint, um vielleicht doch noch eine weitere Frau da vorn zu bekommen. Aber hat nicht gereicht. Nun wollte ich meinen Helfer noch vorlassen, aber der wollte nicht. Es gibt eben doch noch echte Gentlemen.

56 min standen am Ende auf meiner Uhr, für den ersten Lauf im Jahr bei diesen Temperaturen durchaus eine gute Leistung für mich. In der W30 hat’s für 49 Punkte gereicht, das lässt sich gut an dieses Jahr.

Ein Becher warmen Tee und dann ganz schnell wieder in die Sauna zum Duschen, denn bitter kalt war es ja immer noch.

Jetzt stand noch der zweite Teil der Veranstaltung an, die Siegerehrung der BRL 2005. Die erste halbe Stunde war geprägt von Verabschiedungen, hohen Geburtstagen und Nachwuchssorgen. Zum Beispiel wurde bedauert, dass in der W20 nur zwei Frauen überhaupt in die Wertung gekommen waren. Ja, aber welche Frau im Alter zwischen 20 und 30 kommt denn bitteschön auf die Idee, BRL zu laufen. Entweder sind die so gut, dass sie richtige Wettkämpfe machen oder aber die haben was Besseres zu tun, als sonntags 7 Uhr aufzustehen, um bei -5°C in der Gegend rum zu laufen. Laufsport jenseits der 10km ist und bleibt Altensport. Bestes Beispiel sind die voll besetzen Jahrgänge jenseits von 40, ganz zu Schweigen von den Teilnehmern aus der W70 und der M80. Bei der M40 bis M65 gab es Läufer, die trotz Teilnahme an den 7 Wertungsläufen nicht unter die 6 Besten kamen. Noch Fragen?

Also da würde ich mir mal gar keine Sorgen machen, dass nicht genügend Nachwuchs da ist. Die kommen schon noch, wenn sie älter sind. Ich würde ja eher eine obere Altersgrenze einführen, die sind mir nämlich alle viel zu schnell, die 40, 50 und 60 jährigen. Da habe ich keine Chance.

Die eigentliche Siegerehrung war weniger spektakulär als erwartet, eine Rose, eine Urkunde und ein wohlgemeinter Händedruck. Es geht halt um die Ehre.

Nach dem Lauf war ich wieder 3 Tage krank, war wohl wirklich zu kalt...

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