3. Europamarathon Görlitz

   
Datum: 29. April 2006 Strecke: 51 km
Ort: Wernigerode - Nordhausen weitere Strecken: -
Internetadresse: Harzquerung  

Art des Laufes: Berglauf Besonderheiten/ Kommentare:
Anspruch: Anspruchsvoller Landschaftslauf auf schmalen Wegen und Pfaden

Zum Glück gibt es nach jedem Anstieg auch gleich wieder einen Weg der nach unten führt.

Stimmung: Keine Zuschauer an der Strecke.
Organisation:

Ausschilderung der Strecke prima, kalte Duschen und schlechte Verpflegung im Ziel, ab den Verpflegungspunkten bei km 43 und 46 Hinweise auf die noch zu laufenden Kilometer

Verpflegung:

Alle Verpflegungspunkte werden 500 m zuvor angekündigt und sind sehr gut bestückt: (Tee, Wasser, Cola, Isotonisches Getränk, Brote, Kekse, Bananen, Äpfel, Orangenscheiben, Zitronenstücke, Brote, Riegel).

Startgeld: Startgebühr 15 EUR, Bustransfer Nordhausen-Wernigerode 6 EUR, Urkunde 3 €
Wetter: Regen, Schnee, "Sch... wetter"
   

Ein Bericht von Stefan


Harzquerung 2006. Das ultimative Lauferlebnis im April!

Nachdem ich im September 2005 in Eibenstock von der Harzquerung gehört hatte und mir die weiteren Details angesehen hatte, erfolgte im März 2006 die Anmeldung.

Nach einer kurzen Ruhepause im November und Dezember mit höchstens 2-3 Läufen die Woche habe ich mich dann ab Januar zielgerichtet darauf vorbereitet. Das Pensum und die Anzahl der Läufe stieg. Aufgrund dessen musste ab und zu auch das Dienstagtraining mit den Durchläufern ausfallen. Danke für Euer Verständnis.

Nach ca. 95 Trainingseinheiten mit insgesamt 1.500 Kilometern, davon etliche im vereisten Großen Garten, der Dresdner Heide und am Elberadweg, sowie diversen Laufveranstaltungen war es dann am Freitagabend endlich soweit.

Alles ins Auto und ab in den Harz. Kerstin hatte sich bereit erklärt, wie auch schon in Eibenstock, mich mit dem Fahrrad zu begleiten.

Nachdem wir in der Turnhalle von Wernigerode unser Quartier bezogen hatten, gönnten wir uns noch ein paar kleine Bierchen aus der dort ansässigen Brauerei um besser schlafen zu können.

Samstagmorgen fingen schon die ersten Läuferinnen und Läufer um fünf Uhr früh an, sich irgendwie auf den Lauf vorzubereiten. Zum Glück hielten unsere Oropax der Geräuschkulisse stand, so dass wir erst gegen sechs Uhr aus unseren Schlafsäcken herausgekrochen sind.

Nach dem Verpacken der Schlafutensilien gingen wir erst einmal zum Bäcker, um uns für den bevorstehenden Tag zu stärken. Dort trafen wir einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer und kamen mit diesen ins Gespräch.

Als sie erfuhren, dass Kerstin die 51er Strecke mit dem Mountainbike fahren wollte, rieten ihr alle davon ab, was, wie sich später herausstellte, eine kluge Entscheidung war.

Das Streckenprofil der 51 km Strecke erinnert nämlich irgendwie an den Kreislaufzustand eines Notfallpatienten auf der Intensivstation der es, nach einem kurzen Aufbäumen am Ende, ……..leider nicht schafft.


(Vielen Dank für die Genehmigung zur Verwendung des Höhenprofils an die Macher der Site harzquerung.de )

Es waren für mich mittlerweile bekannte Gesichter am Start. Albert aus Kamenz, der die Laufschuhe nur noch ab Marathonlänge schnürt, oder Dieter aus Bremen, der von Gründonnerstag bis Ostermontag täglich einen Marathon gelaufen ist, sowie Mario und Andreas aus Dresden, unsere Schlafnachbarn aus der Turnhalle, die in Eibenstock schon am Start waren.

Isar-Run, Athen-Sparta (246km), 100km von Biel, Brüder-Grimm-Lauf, Niddalauf usw. Es waren viele Läuferinnen und Läufer am Start, die o. g. Läufe schon absolviert bzw. in Planung haben. Also alles erfahrene Sportler, für die so eine Harzquerung teilweise ein besserer Trainingslauf darstellt.

Es war empfindlich kühl, doch es regnete nicht, was mich dazu bewegte in kurzen Sachen zu laufen. Ein Entschluss den ich, im Nachhinein betrachtet, teilweise bereute. Doch dazu später mehr.

Als persönliches Ziel war durchkommen angesagt, wobei ich spätestens bis zum Zielschluss um 16:00 Uhr da sein wollte. Auch mit einer Zeit unter 6 Stunden liebäugelte ich und außer Atem wollte ich nur auf der Zielgeraden im Albert Kuntz Stadion in Nordhausen kommen.

Ich dachte zudem nur von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt. 6 Stück an der Zahl, die zum Schluss klugerweise in kleineren Abständen vorhanden waren. Diese waren daher auch auf meiner Startnummer notiert.

Um Punkt 08:30 Uhr erfolgte für die ca. 300 Läuferinnen und Läufer der Start. Vorab: Die Strecke führt nur über Waldwege und Pfade. Befestigte Straßen werden gemieden.

Bis zur Zillberachtalsprerre waren aufgrund der Enge des Weges, der Steilheit zu Beginn und des noch dichten Starterfeldes Geheinlagen unabdingbar. Die Landschaft war einfach traumhaft. Nur der Himmel zog sich mehr und mehr zu. So lief es sich dennoch recht gemütlich zum km 11,5 an der Kalten Bode.

Der dortige Verpflegungspunkt war bestens ausgestattet und nach einer Cola ging es weiter. Aufgrund des Streckenprofils kam keine lange Weile auf. Nach Überquerung der Warmen Bode setzte plötzlich Schneefall ein.

So langsam wurde mir kalt, insbesondere Knie und Arme. Aber da musste ich nun durch. Albert fragte mich ganz trocken am Verpflegungspunkt in Lang bei km 20 wie es sich denn so läuft mit kurzen Sachen. Kein Kommentar meinerseits. Aber irgendwie beneidete ich ihn schon. Lange Hose, warme Jacke, Handschuhe und Wollmütze wären nicht schlecht, dachte ich mir. Die Temperatur betrug nur noch 2 Grad! Nach einem warmen Tee ging es weiter.

Der Weg zum Sophienhofer Stieg war schon recht matschig, als ich diesen in Angriff nahm. Die vor mir laufenden Läuferinnen und Läufer und der nach und nach tauende Schnee taten das übrige. Das Wasser floss in kleinen Rinnsalen bergab und es schneite immer noch.

So ein Scheißwetter!!!

Nach Querung der Harzquerbahn erreichte ich nach 3h20min km 31 Sophienhof. Der Schneefall hatte aufgehört und die Sonne ließ sich ganz kurz blicken, aber nur ganz kurz. Ich gönnte mir also etwas Sonne, ein Stück Banane mit etwas Cola und es ging weiter.

Der nun folgende Bergablauf bis zum Bahnhof Netzkater gestaltete sich doch noch recht einfach. Der Weg war zum Glück noch nicht so aufgeweicht wie ich erwartete und mit einem finnischen Läufer konnte ich nebenbei meine Englischkenntnisse noch etwas aufbessern. Die schmalen Brücken, welche wir bis dorthin überqueren mussten, waren zum Glück alle mit Split bzw. Salz gestreut, so dass wir ohne Sturz den Anstieg zum Poppenberg (km 36 ) erreichten.

Ich hatte mir auf dem Streckenprofil diesen Anstieg auf 600m schon mehrfach angesehen und hatte so in etwa eine Vorstellung was mich erwartete und…..   ich wurde nicht enttäuscht.

Mein anfängliches Laufen, wobei laufen sicher übertrieben ist, wechselte bald in Gehen. Ich merkte einfach, hier verlierst du zuviel Kraft, gehe lieber. Das tat ich dann auch. Und ich war nicht der Einzige!

Der breite Waldweg war wiederum nass und matschig, er wurde schmaler und schmaler. Dazu kam noch, dass er zum Schluss hin immer steiler wurde. Ich wünschte mir jemanden der mich anschiebt und sehnte mich nach etwas zu trinken.

Geschafft! Endlich oben! Und keine Cola mehr! Nach einem Schluck Tee und drei Keksen ging es weiter. Nur noch zwei Verpflegungspunkte! Dann endlich kommt das Ziel! Nur noch 12 Kilometer! Nur noch zwei mal das Kreuz im Großen Garten oder 3 mal die Hauptallee hoch und runter oder 6 mal die Hauptallee einfach oder 12 mal die Querallee oder….. oder….. oder.

Beim Bergablauf nach Neustadt bemerkte ich zum ersten mal meine Muskeln in den Waden. Alles andere war noch in Ordnung. Langsam laufend erreichte ich Neustadt (km 43). Kein Läufer weit und breit mehr zu sehen. Das Feld war zu diesem Zeitpunkt entsprechend weit auseinander gezogen.

Der Anstieg nach Rüdigsdorf tat sein übriges. Es setzte wieder Schneefall ein, der den ganzen Weg bedeckte. Langsam wurden auch meine Schuhe von innen her nass. Bei starkem Schneefall erreichte ich den letzten Verpflegungspunkt in Rüdigsdorf bei km 46.

Nach einer letzten Gehpassage erfolgte dann der Bergablauf über Feld- und Wiesenwege nach Nordhausen, den ich zum Glück sturzfrei überstand. Nach 5h55min war ich endlich im Ziel, wo Kerstin schon auf mich wartete.

Die Verpflegung im Zielbereich war äußerst mangelhaft. Es gab lediglich warmen Tee. Kuchen und andere Leckereien, die ich mir wünschte, suchte ich vergebens. Für Kaffee sollte ich auch noch bezahlen. Nach einer kalten Dusche, warum laufe ich auch so langsam, ging es wieder ab nach Hause.

Das von mir erhoffte Glücksgefühl hat sich bis heute, eine Woche nach dem Lauf, noch nicht eingestellt. Wie dem auch sei, falls ich bei meinen Planungen für 2007 noch einen langen Wettkampf benötige werde ich die Harzquerung ggf. mit einbeziehen. Bei besserem Wetter sicher ein Erlebnis.

Danke an:        

Kerstin, die sich wieder einmal um mein persönliches Wohl kümmerte Diesmal leider nur am Start und im Ziel. ( Eibenstock 2006??).
Uli für die Kamera
Kathrin für die Vor- und Nachbereitung des Laufes, sowie für die Matratze und den Schlafsack.
Sowie bei all denen, welche an diesem Tag an mich gedacht und mir die Daumen gedrückt haben.

PS

Die bestehenden Streckenrekorde wurden nicht „geknackt“!
Frauen: 4:00:53 h Birgit Lennartz 1994
Männer: 3:23:47 h Karsten Sörensen 1996

 


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