Berlin- Marathon 2006

   
Datum: 24.09.2006 Strecke: Marathon
Ort: Berlin weitere Strecken: -
Internetadresse: -    

Art des Laufes: Straßenmarathon   Besonderheiten/ Kommentare:
Anspruch: flach und schnell  

 

 

 

Stimmung: grandios
Organisation: perfekt
Verpflegung: O. k.
Startgeld: zu teuer
Wetter: zu warm
   

Ein Bericht von Jana Hänsel

Wer schneller läuft, ist eher da!

Eine Woche nach dem Mittel-Distanz-Duathlon in Falkenstein stand auf meinem Wettkampfkalender der Berlin-Marathon. Eigentlich sollte man (oder Frau) es tunlichst unterlassen, vor einem Marathon noch so was Anstrengendes zu unternehmen, aber da gab es halt planungstechnische Überschneidungen.

So machte ich eine Woche lang Intensiv-Regeneration mit viel Nudeln, wenig Laufen und etwas Massage und fühlte mich am Ende relativ fitt. Mal sehen, wie lang die Puste dann beim Marathon reicht.

Gemeinsam mit Martina und Petra - chauffiert von Harry - fuhren wir wie letztes Jahr bereits am Samstagnachmittag nach Berlin, um Startunterlagen zu holen und die letzten Vorbereitungen (noch mal Nudeln und Bier am Abend) zu treffen. Dort trafen wir dann auch Heidrun (Martinas Freundin) und Thomas. Heidrun wollte ihren ersten Marathon bestreiten und war schon letztes Jahr mal zum Test die zweite Hälfte mit Martina in Berlin gerannt. Von den Dresdner Durchläufern waren noch René und Marcel am Start, die wir natürlich auch unter den 40000 Läufern auf der Marathonmesse fanden.

Nach ein paar Komplikationen mit der Hotelbuchung wurden Harry und Thomas in ein anderes Hotel ausquartiert und wir vier Marathon-Frauen waren unter uns. Nach dem besagten Bier ging es recht zeitig ins Bett, man wollte ja ausgeschlafen sein am Morgen. Leider klappte das mit dem Schlafen bei mir nicht so recht, meine Verdauung zwang mich zum zweimaligen Aufsuchen der Toilette und dazwischen war ich auch andauernd wieder wach. Um 6:30 Uhr durfte ich dann endlich aufstehen.

Nach einem guten Frühstück trotz nervositätsbedingter Appetitlosigkeit ging’s dann per U-Bahn zum zwei Haltestellen entfernten Potzdamer Platz und von dort zu Fuß bis zu Start und Ziel. Das Wetter war super, tendenziell fast schon zu warm, aber das ist mir wesentlich lieber als zu kalt. Kleidersack abgeben, mit dem Menschenstrom Richtung Straße des 17.Juni schwimmen und in den Startblock F quetschen. Noch 15min bis zum Start. Sehen konnte ich wieder mal nix, irgendwann bewegte sich die Masse langsam nach vorn, jetzt geht es wohl bald los. Startblock A-E war schon weg, ab F ging die zweite Welle ins Rennen. Tausendfaches Piepen beim Überqueren der Startmessmatten, von nun an läuft die Zeit.

Ich hatte mir absichtlich keine Uhr umgebunden, um mich nicht durch Zwischenzeiten irritieren zu lassen. Also lief ich einfach so, wie ich mich fühlte. Wie jedes Mal hatte ich mir verschiedene Ziele vorgegeben. Traumziel war 3:30, Zufrieden-Ziel war “schneller als letztes Jahr” und Pflichtziel unter 4 Stunden. Frage war nur, ob und wann sich meine Beine an den Duathlon von vor einer Woche erinnern würden und spontan den Dienst versagen.

Die ersten Kilometer liefen ganz ok, ich hatte das Gefühl flott unterwegs zu sein, weil ich permanent am Überholen war. Die digitalen Anzeigen der Zeit bei km5 und 10 blendete ich bewusst aus, ich wollte gar nicht wissen, wie schnell oder langsam ich war. Irgendwo da überholte ich eine Frau mit Krücken, Wahnsinn was der Laufvirus so alles bewirken kann.

Nach 15 km dann der erste Zeit-Check und nach langem hin- und herrechnen incl. Abzug der späteren Startzeit für die zweite Welle, stellte ich fest, dass ich für eine 3:30 zu langsam unterwegs war. Hm, schade, aber schneller rennen war nicht drin. Etwa zur gleichen Zeit lief ich an Martina und Heidrun vorbei, die somit auf den ersten Kilometern schneller unterwegs gewesen waren als ich. Ok, das Zufrieden-Ziel galt es nun anzupeilen.

Ein leichtes Zwacken in der linken Wade ließen wieder Zweifel aufkommen, ob denn die Beine überhaupt bis zum Schluss durchhalten. Kilometer 20 und kurz danach Halbmarathon, ich war nicht schneller geworden, aber auch nicht langsamer. Die Stimmung an der Strecke war wieder grandios aber irgendwie drang die Euphorie nicht bis in meine Kopf. Ich zählte stur Kilometer für Kilometer, hoffte manches Schild übersehen zu haben, nahm jede Verpflegungsstelle mit und lief so gut es eben ging. Mal wurde es schlechter, mal wieder besser. Nur zwei Dinge schwirrten mir permanent durch den Kopf: “Wann kommt der Mann mit dem Hammer?” und “Wer schneller läuft, ist eher da!” So lange die erste Frage unbeantwortet blieb, hielt ich mich an die zweite Devise. So kam km 25, 30 und 35 und ich lief und lief und lief. Insgesamt wurde alles etwas schmerzhafter, zur Wade gesellten sich die Oberschenkel und die Füße taten auch immer mehr weh, insbesondere die Zehen. War aber alles nicht so schlimm, dass ich hätte wesentlich langsamer laufen müssen.

Kurz nach km 36 stand Harry mit meiner “Endsprint-Flasche”, koffeinhaltige Limonade mit viel Zucker. Das bekannte Gesicht hilft wohl mehr als der Inhalt der Flasche. Zumindest konnte ich so die nächste Getränkestelle überlaufen und wertvolle Sekunden sparen...;-).

Ab jetzt freute ich mich über jedes Kilometerschild und versuchte keins mehr zu verpassen. Trotzdem konnte ich mein Tempo halbwegs halten und so kam die 37, 38, 39 und 40 ohne nennenswerte Strapazen. Rings um mich wuchs der Anteil der Geher und ich konnte zum ersten Mal bei einem Marathon auch noch am Ende reichlich überholen. So, jetzt nur noch 2 km und dann ist es endlich vorbei. Kilometer 41, Linkskurve in die Straße unter den Linden. Wenn es was gibt, was den Berlin-Marathon einzigartig macht, dann diese grandiose Zielgerade mit Brandenburger Tor und Tribüne mit Hunderten von Zuschauern. Hier konnte ich für eine kurzen Moment genießen und ließ mich von der Stimmung ins Ziel tragen. Geschafft und halbwegs lebendig!

Erst jetzt spürte ich die Schmerzen in den Beinen und Füßen und so humpelte ich mit den Massen aus dem Zielgelände. So richtig glücklich sahen die alle nicht aus. Marathon ist halt eine verdammt lange Strecke. Beim Auspacken meiner Füße stellte ich dann fest, dass ich mir diverse Blutblasen gelaufen hatte, so dass ich nur noch in Badschlappen laufen konnte. Mir war schlecht und die linke Wade war wohl völlig im Eimer. Und das alles für 5 sec Freude beim Zieleinlauf, ziemlich bekloppt....

Zeitlich hatte es für eine 3:44:18 gereicht, schlappe 20sec langsamer als letztes Jahr. Na, das lasse ich mal als erreichen des Zufrieden-Ziels gelten. Zumindest bin ich diesmal hübsch konstant gelaufen, ohne Einbruch. Naja, die 3:30 fallen vielleicht irgendwann später einmal. Martina und Heidrun waren locker unter den 4 Stunden geblieben und sehr zufrieden. Petra war wie ich genauso schnell wie letztes Jahr. Und jetzt habe ich genau 8 Tage Zeit, um wieder fit für den Duathlon in Bautzen zu werden....oh je...


Zurück